Korschenbroich: Vereinen laufen Mitglieder weg

Korschenbroich: Vereinen laufen Mitglieder weg

Der offene Ganztag in Grundschulen ist "ein Riesenproblem für die Sportvereine". Das erklärt August Gabelmann, Vorsitzender des Stadtsportverbandes. Die Zahl der Vereinsmitglieder sank gegenüber dem Vorjahr um 254.

Genau 11206 Mitglieder haben die Korschenbroicher Sportvereine in diesem Jahr dem Stadtsportverband gemeldet. Das ist eine überaus beachtliche Quote – entspricht sie doch einem Drittel, genau 33,6 Prozent, der Einwohnerzahl Korschenbroichs. Doch so richtig froh sind die Vereine angesichts der aktuellen Zahlen nicht: Gegenüber dem vergangenen Jahr ist ein Schwund von 254 Mitgliedern zu verzeichnen, doppelt so viele wie 2009, als es 119 Sportler weniger waren als 2008.

Der für die Vereine wenig erfreuliche Trend hält schon seit längerem an, wie Peter Baukloh, der Geschäftsführer des Stadtsportverbands mit 35 Vereinen, weiß: Allein in den vergangenen sechs Jahren haben die 35 Korschenbroicher Sportvereine 828 Mitstreiter verloren. Bei den Sportfreunden Neersbroich, deren Präsident Baukloh ist, gingen 2009 über 50 Mitglieder von der Fahne. Eine umfassende Analyse der Ursachen für den Mitgliederschwund bei den Sportlern gibt es zwar noch nicht, doch steht für die Verantwortlichen im Prinzip außer Frage, dass die Offene Ganztagsschule mit ihren Angeboten, gerade auch im sportlichen Bereich, einer der Faktoren ist. Die Zahl der Schüler und Jugendlichen lag jetzt um 38 niedriger als 2009. Den größeren Teil des Rückgangs machen aber Erwachsene aus.

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Peter Baukloh zeigt sich zu den Auswirkungen der offenen Ganztagsgrundschule noch zurückhaltend: "Ich weiß nicht, ob das bereits voll durchgeschlagen ist." August Gabelmann, Vorsitzender des Sportverbands, hegt aber keinen Zweifel: "Die Ganztagsschule ist für die Sportvereine ein Riesenproblem." Schon Grundschüler seien terminlich heutzutage ausgebucht. Wenn sie nachmittags Sport in der Schule treiben, sei der Bedarf, dies auch im Verein zu tun, halt nicht mehr so groß. "Und Hausaufgaben müssen die Schüler auch noch irgendwann machen", verweist er darauf, dass vielfach schlicht keine Zeit mehr für den Vereinssport da ist.Hinzu kommt, dass nicht selten auch Übungsleiter aus den Vereinen nun im Rahmen des Offenen Ganztags aktiv sind. Um von der Entwicklung nicht überrollt zu werden, will der Verband verstärkt die Kooperation mit den Offenen Ganztagsgrundschulen suchen.

Auffällig an der Statistik ist, dass die größten Vereine vom Trend nicht in diesem Maße betroffen sind: Spitzenreiter im Stadtgebiet ist nach wie vor die DJK Kleinenbroich mit 1425 Mitgliedern: 2009 konnte der Verein diese Zahl um fünf steigen, 2008 waren es sogar 67 mehr. Der Turnverein Korschenbroich hat mit 1113 Mitgliedern fünf Sportler mehr in seinen Reihen. Vor einem im Ernstfall in Vereinen stets heiß diskutierten Mittel warnt Gabelmann: "Beitragserhöhungen führen garantiert zu Abmeldungen."

(NGZ)
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