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Verdienter Punkt für Bayer Dormagen gegen Nettelstedt

2. Handball-Bundesliga : Bayer Dormagen trotzt Nettelstedt Remis ab

Von den leeren Rängen ließen sich die Zweitliga-Handballer des TSV Bayer Dormagen nicht stören. Gegen die favorisierten Gäste hieß es am Ende an einer hochklassigen und spannenden Partie 25:25.

Der Samstagabend wird als ein ganz besonderer in die an Höhepunkten nicht gerade arme Geschichte der Handballer des TSV Bayer Dormagen eingehen. Nicht nur, dass gegen den TuS N-Lübbecke das erste Geisterspiel in einer durch die Corona-Pandemie bislang merkwürdig verlaufenden Saison am Höhenberg über die Bühne ging. Die Dormagener ließen sich von dieser außergewöhnlichen Atmosphäre überhaupt nicht negativ beeinflussen, behielten über die komplette Spielzeit ihren Fokus und trotzten den als Favorit ins Spiel gegangenen Gästen ein Remis ab. Nach dem knappen Sieg in Bietigheim drei Wochen zuvor gab es durch das 25:25 (12:13) gegen einen vom Papier her stärkeren Gegner wieder etwas Zählbares.

Hätte es ein solches Spiel unter normalen Bedingungen gegeben, viele Zuschauer im TSV-Bayer-Sportcenter hätten vor Begeisterung wahrscheinlich auf ihren Sitzen gestanden. So zeigte Gästetrainer Emir Kurtagic sogar etwas Mitleid mit den Dormagenern. „Es ist schon schade, dass die Jungs nicht die Unterstützung bekommen haben, die sie verdient gehabt hätten“, meinte Kurtagic, der aber auch betonte: „Wir können froh, dass wir überhaupt spielen können.“ Auch TSV-Coach Dusko Bilanovic bedauerte natürlich die leeren Ränge. Doch dass er gebetsmühlenartig gepredigt hat, dass es die Aufgabe der Mannschaft sei, Corona auszublenden und sich auf Handball zu konzentrieren, scheint gefruchtet zu haben.

Anders als noch bei der Saisonauftakt-Niederlage gegen Dessau, damals waren noch gut 400 Zuschauer im Bayer-Sportcenter, zogen die Dormagener voll fokussiert ihren Plan durch. „Das war ein richtiger Fight, auf dem Feld haben wir nichts von den leeren Rängen gemerkt“, meinte Bilanovic. Vielleicht auch deswegen, weil sich Bayer Handball-Geschäftsführer Björn Barthel sowie Marie Krupinski und Tim Simonis aus der Geschäftsstelle mit ihren Trommeln auf den Rängen redlich bemühten, zumindest ein wenig Heimspielatmosphäre zu erzeugen. Unter den ungewöhnlichen Voraussetzungen entwickelte sich jedenfalls von Beginn ein enges Spiel auf Augenhöhe, bei dem die Dormagener in der Anfangsphase knapp in Führung lagen. Auffällig war, dass sie sich ihre Tore durchs Zentrum mit Würfen von Andre Meuser, Ante Grbavac und Ian Hüter hart erarbeiten mussten, während die Gäste häufig zu leichten Toren über die Außen kamen.

Als dann Nettelstedts Torhüter Aljosa Rezar immer besser wurde, kippte die Partie, in der 25. Minute führten die Gäste auch durch einige Treffer des Ex-Dormageners Peter Strosack über Rechtsaußen mit 13:10. Als dann auch noch Pascal Noll per Siebenmeter an Rezar scheiterte, sah es nicht gut aus für den TSV. Doch der TuS ließ es in der Folge an Konsequenz vermissen und ermöglichte es Bayer teils sogar in Überzahl, im Spiel zu bleiben. Mit einer ganz starken Phase nach der Pause legten die Gastgeber die Basis für den Punktgewinn. Ein Doppelpack von Patrick Hüter sorgte für eine Führung, die auch dank des immer stärker werdenden Martin Juzbasic im Tor lange Bestand hatte. Auch wenn Alexander Senden schon in der 38. Minute Rot sah und es so an einer entlastenden Alternative bei Dormagen fehlte, glich Nettelstedt erst in der 52. Minute (23:23) wieder aus.

Der Auftakt für eine überaus spannende Schlussphase, in der der TSV sogar noch die Chance auf den Sieg bekam. Als er nämlich 40 Sekunden vor Schluss beim Stand von 25:25 einen Angriff der Gäste abfing, spielte er seine Zeit aus, um Ian Hüter in Position zu bringen. Doch als dessen Wurf an den Pfosten ging, bot sich Nettetelstedt plötzlich wieder die Chance auf den Sieg. Ein langer Pass schickte Peter Strosack in den letzten Sekunden auf die Reise, Doch verfolgt von Pascal Noll, sprintete er auf Keeper Martin Juzbasic und setzte seinen Aufsetzer übers Tor – Schlusssirene. Die Forderungen der Gäste nach einem Siebenmeter blieben ungehört, Strosack fühlte sich von Noll unerlaubt beim Abschluss gestört. „Bei der Geschwindigkeit reicht die kleinste Berührung. Das war ein klares Foul“, meinte Strohsack, der sich letztlich aber versöhnlich gab: „Der Punkt für Dormagen geht in Ordnug.“