Weltcup in Dormagen US-Säbelteam im Finale fast unter sich

Dormagen · Fünf von acht Finalisten – und beide Sieger – kamen beim 46. Junioren-Weltcupturnier um den „Preis der Chemiestadt“ aus den USA. Dormagens Max Müller war als 15. bester Deutscher. Die internationale Spitze ist breiter geworden.

Auf dem Weg ins Finale stehen für Colin Heathcock (USA) Nachwuchsfechter des TSV Bayer Dormagen Spalier.

Auf dem Weg ins Finale stehen für Colin Heathcock (USA) Nachwuchsfechter des TSV Bayer Dormagen Spalier.

Foto: Heinz J. Zaunbrecher

Wenigstens ein Dormagener war im Finale dabei: Tom Möller (28), als 15-Jähriger aus Dortmund ins Sportinternat Knechtsteden gewechselt, inzwischen als Trainer am Olympiastützpunkt NRW/Rheinland und Kampfrichter tätig, hatte als Obmann das finale Geschehen beim 46. „Preis der Chemiestadt“ souverän im Griff. Ansonsten mussten sich die Lokalmatadoren beim Junioren-Weltcupturnier der Säbelfechter am Samstagabend im gut besetzten TSV-Bayer-Sportcenter mit der Zuschauerrolle zufriedengeben – als Letzter war Max Müller drei Wochen nach seinem 19. Geburtstag nach einer 11:15-Niederlage gegen den späteren drittplatzierten Italiener Marco Mastrullo in der Runde der besten 16 ausgeschieden.

„Wir können nicht zaubern,“ brachte Vilmos Szabo das ernüchternde Ergebnis aus Sicht des Deutschen Fechterbundes – Tiziana Nitschmann (FC Würth Künzelsau) gelang als Elfte die beste Platzierung, die hoch gehandelte EM-Dritte Felice Herbon (TSV Bayer Dormagen) musste nach einer 9:15-Niederlage gegen die zweitplatzierte Japanerin Yunia Kaneko in der Runde der besten 32 die Segel streichen – in gewohnter Prägnanz auf den Punkt. Der Säbel-Bundestrainer, aus dessen „goldener Generation“ die früheren „Preis der Chemiestadt“-Sieger Nicolas Limbach und Richard Hübers das Geschehen von der Tribüne aus verfolgten, weiß auch den Grund, warum der deutsche Fecht-Nachwuchs nach zweijähriger Pandemie-Pause den Anschluss zu verlieren droht: „Die internationale Spitze ist in der Zwischenzeit viel breiter geworden. Da mischen Länder mit, die vor ein paar Jahren froh waren, wenn sie überhaupt mal bei einem Weltcup-Turnier vertreten waren.“ Wobei in den wegen ihrer nationalen Meisterschaften unabkömmlichen Ungarn sowie den wegen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine für internationale Wettkämpfe gesperrten Russen und Belarussen drei traditionell starke Fechtnationen in der mehr als 350 Namen umfassenden Starterliste fehlten. „Gar nicht auszudenken, wenn die auch noch dabei gewesen wären,“ sagte Szabo.

Das Ganze hat auch mit einem Paradigmenwechsel innerhalb der Trainingsarbeit zu tun. „Privat finanzierte Fechtakademien gewinnen immer mehr Einfluss,“ sagte Olaf Kawald, Fecht-Koordinator beim TSV Bayer und Leiter des Bundesleistungs-Stützpunktes am Dormagener Höhenberg. Fürs Training ihrer Sprösslinge blätterten Eltern da bis zu 30.000 Euro im Jahr hin, weiß Kawald und gab zu: „Für uns mit unserem Stützpunktsystem und unseren Bundeskadern ist das eine andere Welt.“

Tom Möller vertrat den TSV Bayer Dormagen als Kampfrichter im Finale.

Tom Möller vertrat den TSV Bayer Dormagen als Kampfrichter im Finale.

Foto: Heinz J. Zaunbrecher

Doch eine, mit der sich deutsche Fechter demnächst neben den „Staatsamateuren“ aus Korea, Italien und Ungarn verstärkt auseinandersetzen müssen. Bestes Beispiel ist Colin Heathcock. Der 16-Jährige wurde im April in Dubai Weltmeister bei den Kadetten (U17) und den Junioren (U20), und das, für die TSG Eislingen fechtend, im Trikot mit dem Bundesadler auf der Brust. Inzwischen trainiert er im französischen Orleans – und nachdem er im Finale dem Italiener Emanuele Nardella mit 15:6 keine Chance gelassen hatte, erklang im Bayer-Sportcenter die US-amerikanische Nationalhymne. Ein Wechsel, ermöglicht durch eine doppelte Staatsbürgerschaft, der, wie Kawald zugibt, vor einigen Monaten nicht ohne Nebengeräusche über die Bühne ging. Vilmos Szabo möchte das nicht weiter kommentieren. „Die Amerikaner sind schon stark“, sagte der Bundestrainer diplomatisch.

Den Beweis lieferte das US-Säbelteam am Samstagabend auf der Planche: Fünf von acht Finalisten und Finalistinnen kamen aus den USA. Und auch bei der Siegerehrung der Juniorinnen lief das „Star bangled Banner“ vom Band: Magda Skarbonkiewicz, als Spitzenreiterin der Junioren-Weltrangliste sowie Weltmeisterin bei Kadetten und Juniorinnen aus Oregon nach Dormagen gereist, war beim 15:8-Finalsieg über die Japanerin Yunia Kaneko vielleicht noch eine Spur überlegener als ihr Landsmann. Das mit 15:7 gewonnene Halbfinale war dabei eine durchaus kuriose Angelegenheit, traf Skarbonkiewicz dort doch auf ihre Landsfrau Vivian Lu – beide werden vom selben Trainer betreut, der noch dazu Vater der Siegerin ist (und sich entsprechend von der Coachingzone fern hielt).

Felice Herbon war die beste Dormagenerin bei den Juniorinnen.

Felice Herbon war die beste Dormagenerin bei den Juniorinnen.

Foto: Heinz J. Zaunbrecher

Kaneko, in der Runde der besten 32 Endstation für Felice Herbon, hatte sich ihrerseits im Halbfinale gegen das US-Girl Alexandra Lee mit 15:8 durchgesetzt. Bei den Junioren teilten sich der Italiener Marco Mastrello, der im Halbfinale seinem Landsmann Nardella mit 12:15 unterlag, und US-Boy William Morrill (11:15 gegen Heathcock) den dritten Platz. Das Duo war zuvor den besten Dormagenern zum Verhängnis geworden: Philipp Methner unterlag in der Runde der besten 64 hauchdünn mit 14:15 gegen Morrill und wurde 43., Max Müller zog in der Runde der besten 16 mit 11:15 gegen Mastrello den Kürzeren und belegte Platz 15. So blieb dem TSV Bayer einmal mehr „nur“ die Rolle des erstklassigen Gastgebers – auch wenn ein sichtlich geschaffter Olaf Kawald hinterher feststellte: „Die zwei Jahre Corona-Pause hat man an vielen Ecken und Enden gemerkt.“

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