Korschenbroich : Unterwegs zum Weltjugendtag

20 Korschenbroicher haben sich für Glaube und Begegnung, aber auch für Abenteuer und Vergnügen entschieden. Sie sind auf dem Weg nach Madrid, um dort am Weltjugendtag teilzunehmen und den Papst zu sehen.

Tobias Barth (19) verstaut das große Sandwich-Paket und den Beutel mit Äpfeln in der Gepäckablage über seiner Sitzbank. Während ihm seine Freundin zum Abschied noch liebvoll über die Wange streichelt, versichert er: "Keine Sorge, verhungern werde ich nicht."

Er ist für die lange Busfahrt gerüstet — 26 Stunden liegen vor ihm, bevor er das Etappenziel Talavera de la Reina erreicht hat. Nach fünf Tagen der Begegnung geht's dann weiter zum Weltjugendtag nach Madrid, wo über eine halbe Million Besucher erwartet werden. Der Höhepunkt: die Abschlussmesse am 21. August auf dem Flughafen-Gelände mit dem Heiligen Vater.

Tobias Barth ist einer von 20 Jugendlichen, die am Dienstagvormittag mit großen Erwartungen die strapaziöse Reise antraten. Beim Weltjugendtag kommen auf Einladung des Papstes alle drei Jahre mehrere Hunderttausend Jugendliche aus der ganzen Welt zu einem internationalen Jugendtreffen zusammen. Für die meisten Korschenbroicher ist es der erste Weltjugendtag. Und auch Tobias Barth feiert Premiere. "Ich weiß nicht, warum ich Köln 2005 verpasst habe." Doch die Wehmut in seiner Stimme flackert nur einen kurzen Moment auf. Schließlich rückt das Großereignis in greifbare Nähe.

"Wir haben uns seit Monaten auf diese Fahrt vorbereitet", sagt ein gut gelaunter Dieter Praas (39). Der Pastoralreferent der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Korschenbroich, der die 20-köpfige Gruppe leitet, wird dabei von Sonja Maischer (Bistum Aachen) unterstützt. Allerdings weiß Praas auch: "Wir müssen uns in Geduld üben."

Erst am Montag erreichte ihn die Namensliste der Gastfamilien, die sie am Dienstagabend zunächst in Talavera de la Reina aufnehmen werden. "Hier treffen deutsche Organisations-Erwartungen und mediterrane Gelassenheit aufeinander", so Praas. In Madrid — genauer gesagt in Becerril de la Sierra — dient dann eine Sporthalle als Unterkunft und Schlafstätte. Das finden die 15- bis 20-Jährigen spannend.

Leonie Schilling (16), seit sieben Jahren Messdienerin in Herz Jesu Herrenshoff, freut sich auf die große Gemeinschaft, die Atmosphäre der internationalen Begegnung. Der Glaube zu Gott war für sie Antrieb zur Teilnahme. Auch Fenna Stegemerten (19) nimmt die lange Busfahrt für das Erlebnis Weltjugendtag in Kauf.

Sie weiß noch nicht, wie es mit der Verständigung funktioniert: "Ich spreche nur Englisch und Französisch." Aber sie nimmt's gelassen: "Wenn das nicht reicht, habe ich immer noch Hände und Füße." Nichts dem Zufall überlassen will Tobias Barth, er hat ein Sprachprogramm auf seinem iPhone. Die Verständigung wird aber zur Nebensache, denken die Jugendlichen an die Abschluss-Messe. Da sind sich alle einig: "Wir wollen Papst Benedikt sehen."

(NGZ)