Schmiede in Kleinenbroich blickt auf bewegte Geschichte: "Unterm Strich hundert Jahre"

Schmiede in Kleinenbroich blickt auf bewegte Geschichte : "Unterm Strich hundert Jahre"

Als die Landwirtschaft zwischen Überseite, Eickerend und Düppheide noch eine dominierende Rolle spielte, etablierte sich die Familie Dahmen im Dreieck von Kriegersweg, Bahnstraße und Neusser Straße mit einer florierenden Schmiede, die selbst für die Pescher Bauernhöfe über den Mühlenweg erreichbar war und entsprechend gut angenommen wurde.

Als Strukturwandel und Industrialisierung auch vor Kleinenbroich nicht Halt machten, rentierte sich die Schmiede aber nicht mehr. Dem Zeitgeist folgend, entschloss sich Jakob Dahmen, am Kriegersweg die Gaststätte "Zur alten Schmiede" zu eröffnen. Damit sorgte er gleichzeitig dafür, dass die Schmiede mit Ambossklängen so schnell nicht vergessen wurde. Dahmen berücksichtigt das Alter der richtigen Schmiede gern - ohne sich allerdings auf eine konkrete Zahl festzulegen.

"Unter dem Strich kommen bequem hundert Jahre zusammen," meint der Wirt im Rentenalter. Als er noch selbst hinterm Tresen stand und seine Frau für eine gut proportionierte Speisekarte sorgte, wurde die alte Schmiede zum Treffpunkt vieler Gäste, die nicht nur aus Kleinenbroich kamen, sondern auch aus den umliegenden Dörfern wie Pesch, Glehn und Liedberg. Wenn Pescher und Kleinenbroicher beisammen saßen, wurde ausgiebig die Frage diskutiert, zu welchem der beiden Orte die Schmiede nun gehöre.

Immerhin verlief die Kommunalgrenze der selbständigen Gemeinden über den Kriegersweg. Die eine Seite gehörte zu Pesch, die andere zu Kleinenbroich. Bei einer Runde regelte der Wirt die Streitfrage "op Kleenebröker Art", indem er behauptete: "Bei mir ist jeder Gast willkommen: Hauptsache, er bringt genug Geld mit. Unbezahlte Deckel werden nicht akzeptiert." Natürlich bildete der "Bekanntschaftsgrad" hin und wieder eine Ausnahme.

Die Stammgäste fühlten sich "bei Jakob" genauso wohl wie die Kleinenbroicher Schützenbrüder, die vor allem dann den Gasthof füllten, wenn der Vorstand mit Herbert Brockers im "Separée" tagte. Dass sich auch die Pescher Donatus-Spitze regelmäßig in der "Alten Schmiede" traf, versteht sich von selbst. Auch wenn die einst umstrittene Kommunalgrenze längst keine Rolle mehr spielt, hat sich das Umfeld stark verändert.

Die Zufahrt über den Mühlenweg endet an der Neusser Straße. Die Gaststätte ist nur noch über den Kriegersweg zu erreichen, und Jakob Dahmen ging in Rente und hat den Gasthof verpachtet. P. Mabe

(NGZ)
Mehr von RP ONLINE