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Lokalsport: Unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Lokalsport : Unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Er ist der THW Kiel des deutschen Hockeys: Von 1999 bis 2005 sicherte sich der Club an der Alster vier Deutsche Meistertitel, drei Vizemeisterschaften und zwei Europacup-Siege.

Der Unterschied: Als der THW Kiel Mitte Februar im Viertelfinale des DHB-Pokals beim TSV Bayer Dormagen gastierte, waren die knapp 2500 Eintrittskarten innerhalb eines halben Tages vergriffen. Als der Club an der Alster am Samstagnachmittag zum Meisterschaftsspiel beim HTC Schwarz-Weiß Neuss auflief, verloren sich, wohlwollend geschätzt, 150 Zuschauer rund um den Kunstrasenplatz an der Jahnstraße.

Wahrlich kein Einzelfall in der Hockey-Bundesliga. Vier Monate vor Beginn der Weltmeisterschaften in Mönchengladbach findet die höchste Spielklasse im Land des Titelverteidigers unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Als Bernhard Peters vor zwei Monaten Wunschkandidat von Jürgen Klinsmann für das Amt des Sportdirektors beim Deutschen Fußball-Bund war, war Hockey plötzlich in aller Munde und in allen Medien.

Heute kann Peters wieder ungestört seinem Job als Bundestrainer des Weltmeisters nachgehen - am Samstag an der Jahnstraße wurde er nicht einmal begrüßt. Als der Deutsche Hockey-Bund vor drei Jahren die eingleisige Bundesliga einführte, sollte das nicht nur größere Leistungsdichte, sondern auch höhere Aufmerksamkeit bescheren. Das Gegenteil ist der Fall: Für überregionale Medien ist neben der Nationalmannschaft allerhöchstens die Endrunde um den Titel ein Thema.

Und für die lokalen Medien fehlt der Zündstoff: Es gibt kaum Lokalkämpfe. Neuss hat nur noch zwei, und die wurden zu allem Überfluss vom Spielplangestalter auch noch auf ein Wochenende gelegt. Rüsselsheim, knapp 200 Kilometer entfernt, ist der nach Krefeld und Gladbach nächstgelegene Gegner - alle anderen sind eine Tagesreise entfernt.

Und wenn nicht einmal die mit Nationalspielern gespickten "Star-Ensembles" von Alster und UHC Hamburg mehr als 200 Fans anlocken - wer will da schon die "grauen Mäuse" aus Harvestehude oder Zehlendorf sehen? Die acht Meisterschaftsspiele vom 21./22. April lockten laut Angaben der Deutschen Hockey-Zeitung zusammen 1870 Zuschauer an, das sind 235 im Schnitt - und da sind 600 aus dem Berliner Lokalkampf schon eingerechnet.

Der Spielplan tut ein Übriges, um die Zahl der Interessierten überschaubar zu halten. Neuss hat in den zurückliegenden 16 Tagen sechs Punktspiele bestritten, vier davon auf heimischem Geläuf. Weil die Saison schon am 17. Juni endet, gibt es auch weiterhin nur Doppelspieltage.

Von der Belastung der Akteure mal ganz abgesehen: Um sich zwei Mal siebzig Minuten Feldhockey innerhalb von 24 Stunden anzuschauen, muss man schon eine besondere Beziehung zu dieser Sportart haben. Einheitliche Anstoßzeiten gibt es keine.

Da wird Samstags schon mal um 13.30 Uhr gespielt (München, weil die Gastmannschaften dann an einem Tag preisgünstig hin- und zurückfliegen können), mal um 17 Uhr. Sonntags bitten manche Teams bereits um 11.30 Uhr in den Anstoßkreis, andere erst um 17 Uhr.

Schwarz-Weiß Neuss hat wenigstens seine eigenen Anstoßzeiten (Samstags 16 Uhr, Sonntags 14 Uhr) vereinheitlicht. Zur Rückrunde gibt es an der Jahnstraße Mannschaftsaufstellungen für alle Zuschauer, werden Torschützen und Spielstände angesagt. Das ist in der höchsten Spielklasse im Lande des Weltmeisters und der Weltmeisterschaft keine Selbstverständlichkeit.

Im Handball, wo Deutschland 2007 auch WM-Gastgeber ist, werden in der kommenden Saison alle Zeitnehmertische in Erster und Zweiter Liga so vernetzt, dass sämtliche Zwischenstände direkt als Live-Ticker ins weltweite Datennetz eingespeist werden können. Einen THW Kiel wird es im Hockey wohl nie geben.

(NGZ)