Korschenbroich: Unges Pengste soll Weltkulturerbe werden

Korschenbroich : Unges Pengste soll Weltkulturerbe werden

Das war Unges Pengste 2013

Die Zukunft des Brauchtums ist gesichert. Darin waren sich die Schützenbrüder beim Familienfrühstück einig – zumal Bezirksbundesmeister Horst Thoren vorschlug, der Unesco das Schützen- und Heimatfest vorzustellen.

Die Zukunft des Brauchtums ist gesichert. Darin waren sich die Schützenbrüder beim Familienfrühstück einig — zumal Bezirksbundesmeister Horst Thoren vorschlug, der Unesco das Schützen- und Heimatfest vorzustellen.

An Unges Pengste ist das Familienfrühstück der wahre Maßstab, um zu überprüfen, ob die Zukunft des Brauchtums sicher ist. Wenn die zahlreichen Kleinkinder im Festzelt noch von ihren Eltern gefüttert werden müssen, aber vor lauter Reizüberflutung in ihren großen Augen schon "Wow, wow, wow — bald stehe ich hier in meiner Uniform (und hoffentlich ist mir dann nicht so warm wie Opa)" geschrieben stehen haben, dann muss man sich eigentlich keine Sorgen machen. Vor allem dann nicht, wenn Bezirksbundesmeister Horst Thoren seine Worte "Brauchtum ist ein Lebensgefühl — aber es muss sich weiterentwickeln" mit eindrucksvollen Ideen der Neuerfindung bekräftigt. Und die neueste geht so: "Unges Pengste soll Weltkulturerbe werden."

Zur Krönung eines gelungenen Wochenendes haben sich die Mitglieder der Bruderschaften St. Sebastianus und St.-Katharina-Junggesellen noch einmal was einfallen lassen. Um den Antrag bei der Unesco kümmern soll sich Korschenbroichs Bürgermeister Heinz Josef Dick, den Thoren am Biertisch in das Projekt einweihte — natürlich schmunzelnd. Der Bundestagsabgeordnete und Korschenbroicher Schützenbruder Ansgar Heveling soll derweil Bundeskanzlerin Angela Merkel für Unges Pengste begeistern. Korschenbroichs neuer Pfarrer Marc Zimmermann griff die Idee gestern schon bei der Schützenmesse in St. Andreas auf ("Ich fühle mich in Korschenbroich und bei den Schützen geborgen"). "Unabhängig davon, wie die Unesco entscheidet: Für uns Korschenbroicher ist Unges Pengste in jedem Fall Weltkulturerbe. Unser Brauchtum ist mehr als ein Schützenfest, mehr als eine verstaubte Überlieferung — es trägt unser Dorf das ganze Jahr", sagte Horst Thoren.

Als Probelauf für das Prüfverfahren bei der Unesco lieferten die Schützen gestern in der mobilen Redaktion der NGZ am Festzelt zum Thema "Zukunft des Brauchtums" bereits viele gute Gründe für die Bewerbung: "Auch wenn man privat Hilfe braucht: Man kann sich auf seinen Schützenzug verlassen — das ganze Jahr" (Steffen Cremer, 23); "Brauchtum kommt von ,brauchen' — dieser Gedanke ist viel wichtiger als das Fest selbst" (Hans-Willi Türks, stellvertretender Bürgermeister). Und Dr. Raoul Edgard Cheuteu, der zum vierten Mal aus Kamerun zu Unges Pengste angereist war, verwies auf den karitativen Charakter des Brauchtums, das unter anderem seine Arztpraxis in Afrika unterstützt: "Jeder engagiert sich freiwillig. Das ist toll."

Und es verbindet Generationen. Die ersten Unges-Pengste-Geschichten fangen alle beim Opa an — beim Kirmesbesuch als Enkelkind. Und sie hören auf mit den Erlebnissen auf den ersten Paraden. "Nicht einmal Sprintstar Usain Bolt bekommt so viel Applaus wie wir beim Stechschritt auf der Sebastianusstraße", sagt der 20-jährige Frederik Hamm, der derzeit schon die nächste Schützengeneration anleitet.

Die Kleinkinder aus dem Korschenbroicher Festzelt werden in gut 15 Jahren wohl genauso dasselbe erzählen und dabei ziemlich müde sein von rauschenden Tagen bei Unges Pengste — das sich dann vielleicht Weltkulturerbe nennen darf.

(NGZ/ac)