Tennis : Unfrieden statt Rettungs-Party

Obwohl sich Tennis-Bundesligist TC BW Neuss am Sonntag mit einem 5:1-Sieg über den 1. FC Nürnberg den Klassenverbleib sicherte, spielte sich das Hauptgeschehen abseits der Plätze ab. Das beherrschende Thema war die vom Vorstand beschlossene Trennung von Teammanager Marc Raffel.

Schon bei der Präsentation der beiden Teams am Morgen wurde klar, dass es sich bei dem im Kampf um den Klassenverbleib in der Tennis-Bundesliga nicht ganz unwichtigen Spiel zwischen Gastgeber TC BW Neuss und Schlusslicht 1. FC Nürnberg um kein alltägliches Duell handeln würde.

Denn Marc Raffel, dessen Vertrag für die vom ihm betriebene "Kirschbaum-Tennis-Base" am Mittwoch fristgerecht gekündigt worden war, leitete in die Partie mit Blick auf den in seinen Augen kopflos agierenden Vorstand in Anlehnung an einen amerikanischer Spielfilm aus dem Jahre 1955 mit James Dean süffisant ein: "... denn sie wissen nicht, was sie tun".

Der Prolog, in das von Neuss letztlich mit 5:1 gewonnene Match machte deutlich, dass der Sport gestern nicht die Hauptrolle spielen sollte. Der Tag hatte schon mit einer Abmahnung für Raffel begonnen. Deren Annahme lehnte der Teammanager jedoch ab: "Für so etwas habe ich unmittelbar vor dem Spiel keine Zeit. Man soll sie mir zuschicken." Grund für die Abmahnung seien, so Vorsitzender Andreas Jülich, die verbalen Ausfälle Raffels als Reaktion auf die Kündigung gewesen. "Er hat den Vorstand massiv beleidigt, fehlerhafte Auskünfte zum Verein erteilt und unsere ehrenamtliche Arbeit in den Schmutz gezogen.

Für Jülich, seinen Stellvertreter Heiko Bertram & war der Fall damit klar: "Eine weitere Zusammenarbeit ist ausgeschlossen — und das gilt auch für die Bundesliga." Raffel konterte indes, animierte die Zuschauer gestern sowohl verbal als auch schriftlich, die Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zu beantragen.

Dass seine auf der Anlage ausgelegten Informationszettel vom Vorstand umgehend eingesammelt wurden, empfand Raffel als "undemokratisch" und sogar "rüpelhaft". Denn Handlungsbedarf sei dringend geboten. Um einer bindenden Frist des Deutschen Tennis-Bundes (30. September) zu entsprechen, habe die Zusammenkunft bis zum 24. September zu erfolgen.

"Ziel sollte es sein", heißt es in dem mit der Zeile "Rettet unsere Bundesliga im TC BW Neuss" überschriebenen Blatt, "entgegen der Pläne des Vorstandes, die Tennisbundesliga und den damit verbundenen vollständigen Trainingsbetrieb in den bewährten Händen zu lassen". Dazu präsentierte Raffel gestern fast schon triumphierend eine Unterschriftenliste: "Rund 60 Mitglieder haben alleine heute unterschrieben — und ich bin guter Dinge, dass es mehr als 100 werden. "

Für den derartig attackierten Vorstand entgegnete Bertram: "Sehr deutlich möchten wir klarstellen, dass auch wir den Leistungs-, bzw. Spitzensport beim TC BW Neuss fördern werden. Um den Fortbestand der Tennis-Bundesliga in Neuss zu sichern, führt der Verein bereits Gespräche mit infrage kommenden Hauptsponsoren".

(NGZ)