Zehn Rennen auf der Neusser Galopprennbahn: Unberechenbare Pferde machen's schwer

Zehn Rennen auf der Neusser Galopprennbahn : Unberechenbare Pferde machen's schwer

Wer sich bei deutschen Galopprennvereinen regelmäßig mit der sehr speziellen Aufgabe der sogenannten Starterangaben beschäftigt, hat in den vergangenen Jahren ein Wechselbad der Gefühle durchlebt. Das gilt auch für Reiner Ording, der in Neuss neben seinen Pflichten als Rennbahnverwalter auch dafür zuständig ist.

Ording hat in früheren Jahren mit Erfolg Rennen geritten, wurde 1986 sogar Champion der Hindernisjockeys. Oft genug stand Ording in Neuss vor der Frage: Wie fülle ich diese Felder an angemessen auf? Wer könnte in diesem oder jenen Rennen noch laufen? Vor allem im Januar und Februar war das der Fall, wenn die Championatskämpfe beendet waren und viele prominente Aktive Urlaub machten. Aber das geschah in einer anderen, wohl besseren Zeit dieses Sports.

Samstag Nachmittag (8. November) finden am Neusser Hessentor insgesamt zehn Rennen statt - das Araber-Rennen bereits um 13.30 Uhr und der Preis von Galopp Intern soll gegen 18 Uhr das Programm beenden. Dieses Rennen wurde auf den besonderen Wunsch des Ehrenpreis-Stifters nach hinten verlegt, weil er das Fußball-Regionalliga-Spiel des Wuppertaler SV gegen die Amateure des 1.FC Köln um 14 Uhr nicht verpassen wollte.

In den dem Araber-Rennen folgenden neun Prüfungen sind die Felder prall gefüllt. Das kleinste Feld sind elf Starter im achten Rennen um den Preis der Neusser Reisemesse, ein Ausgleich II über 1900 Meter. Amateurmeister Henk Grewe reitet den Mitfavoriten Gran Classic. Aber es kommen einige schwer berechenbare Tiere an den Start. So Dissident aus dem Gestüt Röttgen. Vor zwei Jahren hier Sieger im Auktionsrennen und seitdem sieglos. Oder Nastro Azzuro mit Jiri Palik: zehn Starts in Neuss, im Durchschnitt mit der Neuss-Note 2,9.

Dabei auch das Pferd mit dem Namen des Lieblingsurlaubsortes von Bundeskanzler Gerhard Schröder - der Hengst Positano mit Waldemar Hickst ist überhaupt nicht chancenlos. Der Neusser Trainer Horst Horwart sattelt den Außenseiter Bengal Fire mit Adrie de Vries. Im Sandbahn Classic Trial um den Preis der Püll-Touristik wird der siebenjährige Wallach Dounyapour mit Adrie de Vries die Favoritenrolle tragen. Der äußerst formbeständige Vierbeiner kommt aus dem Stall des Trainers Jan Pubben aus Sevenum in den Niederlanden.

Vor einigen Jahren ist dieser Trainer vor allem auf den Winterbahnen aufgetaucht und seine Pferd wurden zunehmend erfolgreicher. Leider sind sie schwer einzuschätzen, auch für die verantwortlichen Funktionäre, die für die Zuteilung der Gewichte nach bislang gezeigten Leistungen zuständig sind. Pubben versteht es äußerst geschickt, völlig legitim zu verschleiern, was die Pferde wirklich können. So sollte man sich vom Wetten auch nicht abhalten lassen, wenn die Pubben-Pferde mit höheren Quoten antreten.

In diesem Rennen tritt auch ein Pferd an, dessen Besitzer unter dem Titel "Stables of Excellence S.A.Luxemburg" firmiert. Es ist aber weder der Graf noch der Herzog von Luxemburg, sondern Robert Warken aus dem Saarland, der seine Pferde unter diesem Stallnamen antreten lässt. Der schon neunjährige Hengst Gresatre müsste allerdings eine Abkürzung wählen oder vom Massensturm aller Favoriten profitieren, sonst kann er nicht gewinnen.

Das Wetten ist für die Besucher bei diesen großen Feldern keine leichte Sache. Zum Trost gibt es nach dem letzten Rennen die Wettnietenverlosung in Bar um 250 Euro und zudem gewährt Püll Touristik allen Besuchern freien Eintritt. Schließlich lockt nicht nur das Wettgeschäft, sondern auch die Reisemesse ab 10 Uhr, die auch am Sonntag von 10 bis 16 Uhr öffnet. Kostenlos gibt es dazu einen Bustransfer aus Dormagen, Grevenbroich, Düsseldorf, Nievenheim, Rosellerheide und Kapellen. Klaus Göntzsche

(NGZ)
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