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Umgang des Verbandes mit Corona: Hockey-Vereine machen ihrem Unmut Luft

Corona-Krise im Rhein-Kreis Neuss : Hockey-Vereine machen ihrem Unmut Luft

Der Umgang des Verbandes mit coronabedingten Spielausfällen sorgt bei den Klubs der Ersten und Zweiten Bundesliga für Verdruss. Auch beim HTC SW Neuss hätten sie gerne einen anderen Umgang mit der Saison gesehen.

Die Lage ist schwierig: Am vergangenen Wochenende waren die Heimspiele des Harvestehuder THC in der Hockey-Bundesliga gegen RW Köln und den Nürnberger HTC vom Verband unter Berufung auf die DHB-Spielordnung abgesetzt worden, weil den Hamburgern coronabedingt mehr als fünf Spieler des Stammkaders nicht zur Verfügung standen. Auch alle vier in Nürnberg und München angesetzten Zweitliga-Spiele mussten aufgrund der Corona-Schutzverordnung des Freistaates Bayern in den Oktober verlegt werden. Und am Donnerstag gab der Sportausschuss des Deutschen Hockey-Bundes bekannt, dass er die Partie der 2. Damen-Bundesliga zwischen dem ATV Leipzig und dem Nürnberger HTC abgesagt habe. Grund sei die positive Testung einer Nürnberger Spielerin auf SARS-CoV-2.

Wie angespannt die Situation inzwischen ist, zeigt die Reaktion der Akteure des Erstligisten Nürnberger HTC, der am vergangenen Samstag trotz erheblicher Bedenken beim Großflottbeker THGC (Endstand 1:1) anzutreten hatte. Die Franken hatten im direkten Umfeld ihres Teams ebenfalls zwei positive Covid-19-Fälle zu vermelden gehabt, drei weitere Akteure befanden sich in behördlich angeordneter Quarantäne, waren aber ebenso wie der Rest der Mannschaft negativ getestet worden. Dennoch entschlossen sich weitere Teamkollegen, darunter zwei Mediziner und mit ihrem Examen befasste Studenten, vorsichtshalber auf jeden Spiel- und Trainingsbetrieb zu verzichten. Damit standen den Nürnbergern gegen Flottbek gleich neun potenzielle Stammkräfte nicht zur Verfügung. „Wir haben daraufhin beim DHB um eine Verlegung des Spiels ersucht. Auch weil unser für Sonntag geplantes Spiel beim Harvestehuder THC abgesagt war und wir sowieso für eine Nachholpartie nach Hamburg müssen, was uns zusätzliche Kosten aufbürdet“, sagte Mittelfeldspieler Frederic Wolff dem Hamburger Abendblatt. Dieses Ersuchen sei jedoch abgelehnt worden, da die erforderliche Anzahl an Infizierten oder zur „Kontaktgruppe 1“ zählenden Spielern nicht vorläge. Im Klartext: Weil aus dem direkten Kreis des Nürnberger Bundesliga-Kaders bis zum Wochenende keine behördlich festgestellten Corona-Fälle vorgelegen hätten, sah der DHB keinen zwingenden Anlass, ihn wie Harvestehude von seinen Spielverpflichtungen zu entbinden. Dazu Wolff: „Wir bringen uns und andere mit diesem Vorgehen unnötig in Gefahr. So bleibt uns das ungute Gefühl, dass das Wohl der Spieler weniger zählt als das Premiumprodukt Hockeyliga. Wir würden uns mehr Gehör und Flexibilität wünschen.“

Dem von ihm und seinen Mannschaftskameraden vorgebrachten Argument, gerade in einem Amateursport wie Hockey habe jeder Einzelne selbst die Abwägung zu treffen, ob er sich durch das Betreiben eines Kontaktsports einem erhöhten Ansteckungsrisiko aussetzen möchte oder nicht, schließen sich für den HTC SW Neuss auch Hockey-Abteilungsleiter Thomas Draguhn und Stephan Busse an. Der Teammanager der Zweitliga-Herren kann ohnehin nicht nachvollziehen, „warum wir so ziemlich der einzige Verband sind, der seine Saison nicht abgebrochen hat – und dazu auch noch den Modus ändert. Das kann ich doch niemandem mehr verkaufen.“

Auch dem Kunstgriff, die Saison 2019/2020 einfach zu verlängern und erst 2021 mit Auf- und Abstiegsrunden zu beenden, vermag er gar nichts abzugewinnen. „Meine erste Wahl wäre gewesen, die Spielzeit abzubrechen und 2021 eine neue Saison von Ostern bis Herbst zu spielen – so wie das bis vor 15 Jahren oder so war.“

Auf den wachsenden Unmut seiner Mitglieder hat der Verband mittlerweile mit einem „Feedback-Schreiben“ reagiert. Man bemühe sich, heißt es darin zunächst, dem Wunsch der Vereine nach Fortsetzung der Saison – das sei das Ergebnis des gemeinsamen Votums der Clubs gewesen – gerecht zu werden. Das könne aber nur funktionieren, wenn alle Vereine im Sinne der Hockeyfamilie die Solidarität innerhalb der Ligen auch entsprechend lebten und die für den Spielbetrieb unter „Corona-Bedingungen“ aufgestellten Regeln akzeptierten. Und man werde die Zeit bis zu den nächsten Spieltagen nun nutzen, um zu prüfen, wie man die Regularien in Bezug auf so unterschiedliche Einstufungen, wie „Corona-Vermutung“, „Corona-Verdacht“ oder „Corona-Infektion“, auch in Verbindung mit den behördlich geltenden Vorgaben deutlicher und auch transparenter machen könne, um Missverständnisse zu vermeiden.

Das tue dringend Not, sagt Carlos Navarette, Hygienebauftragter beim HTC: „Neuss ist weiterhin sehr streng, das finde ich auch gut so. Aber die Verunsicherung bei den Ehrenamtlern in den Vereinen ist groß. Zuletzt in Hannover gab es für uns mit dem Hinweis auf das Hygienekonzept noch nicht mal Wasser. In jedem Bundesland gelten andere Regeln.“