Fußball : Uedesheim noch zu grün

Nur eine Woche nach dem grandiosen 2:0-Erfolg im Lokalderby beim SC Kapellen ist der Oberliga-Neuling wieder zurück in der Realität. Gegen clevere Ratinger unterlagen die Gastgeber deutlich mit 1:5. Am Ende wurde das Team von Trainer Ingmar Putz klassisch ausgekontert.

Niederlagen seines SV Uedesheim gehen Klaus Haas stets ziemlich an die Nerven. Darum war es gut, dass der Vorsitzende des Fußball-Oberligisten als Besucher der Cannstatter Wasen im NeckarPark in Stuttgart nur per Liveticker an der 1:5-Pleite (Halbzeit 1:2) der Gastgeber gegen Germania Ratingen beteiligt war. Trainer Ingmar Putz durchlitt dagegen die vollen 90 Minuten vor Ort und bilanzierte am Ende trocken: "Wenn du solche Fehler machst, hast du gegen eine so clevere Truppe keine Chance."

Direkt den ersten schlimmen Patzer hatten die Gäste zum Führungstreffer genutzt. Nach einem Ballverlust des für Lars Faßbender in die Anfangsformation gerückten Selcuk Eren war Ratingens flinker Kapitän Sascha Meier zur Stelle (10.). Für Hochstimmung im Lager des Aufsteigers sorgte das zauberhaft herausgespielte Tor von Andrej Hildenberg zum 1:1 (13.). Das kommentierte Putz mit einem eisigen Lächeln: "Ich würde mir wünschen, wir würden mal so einen Gegentreffer kassieren. Wir hauen uns 80 Prozent der Tore selber rein."

Beleg dafür war das 1:2 in der 16. Minute: Im Zweikampf mit dem listigen Dennis Hecht nahm der Uedesheimer Matthäus Klinghardt Körperkontakt auf, worauf der Ratinger im Strafraum flugs zu Boden ging. Schiedsrichter Erkan Görgülü belohnte die "clevere" Aktion mit einem Strafstoß. Ein recht harter, für Putz jedoch nachvollziehbarer Pfiff: "Den Elfmeter kannst du geben." Hecht schritt zur Tat und vollendete die Bestrafung der ungeschickten Attacke damit höchstselbst. Viel mehr tat sich im ersten Abschnitt vor beiden Toren nicht.

Unter Umständen hätte die Partie einen anderen Ausgang gefunden, wäre der in der 50. Minute von Lukasz Koziatek gefühlvoll über Ratingens Keeper Marcel Grote gehobene Ball in den Maschen gelandet. Er segelte indes übers Gestänge, was die Gäste in die Lage versetzte, sich den Gegner zurechtzustellen. Nach einer Stunde war es dann soweit: Die in der Rückwärtsbewegung zu langsamen Hausherren verloren Ahmet Isiklar aus den Augen. Dessen Schuss aus 18 Metern hätte SVÜ-Torhüter Dustin Gottlebe allerdings vor keine unlösbaren Probleme stellen dürfen. Das Leder rutschte jedoch zum 3:1 über die Linie. Das zwang Putz, voll auf Risiko zu setzen. Er opferte eine Viertelstunde vor Schluss den in der Viererkette in zentraler Position an der Seite von Özkan Teke ackernden Klinghardt zugunsten des offensiveren Lars Faßbender. Der Schuss ging indes gründlich nach hinten los. Die agilen Gäste nutzten die sich nun zwangsläufig bietenden Räume zu rasanten Kontern. Wiederum Isiklar beendete einen dieser Vorstöße mit dem Tor zum 4:1 (76.) und in der 84. Minute packte der eingewechselte Harun Celebi auch noch das 5:1 drauf.

Dass die Gastgeber trotzdem weiter munter nach vorne stürmten anstatt nun Schadensbegrenzung zu betreiben, schrieb Putz der Unerfahrenheit seiner Männer zu. Ihn ärgerte allerdings, dass der Neuling wieder mal vor heimischem Publikum patzte. "Für unsere Zuschauer tut mir das wirklich leid", sagt er traurig.

(NGZ/url)