Jüchen : Über die Alpen zum Meer gewandert

Klaus Spenke aus Bedburdyck erfüllte sich zum 70. Geburtstag einen besonderen Wunsch: Er wollte in den Wellen des Mittelmeeres baden, nachdem er zuvor die große Alpenquerung erwandert hatte. Dieses Ziel steckte er sich über fünf Jahre hinweg – mit Freund, Tochter und Schwiegersohn.

Klaus Spenke aus Bedburdyck erfüllte sich zum 70. Geburtstag einen besonderen Wunsch: Er wollte in den Wellen des Mittelmeeres baden, nachdem er zuvor die große Alpenquerung erwandert hatte. Dieses Ziel steckte er sich über fünf Jahre hinweg — mit Freund, Tochter und Schwiegersohn.

Zum 70. Geburtstag eine Girlande und eine Feier? Nicht für Klaus Spenke. Der Bedburdycker, begeisterter Wanderer mit Touren-Erfahrung in Südamerika, Nepal oder den Kanarischen Inseln, wollte an seinem runden Geburtstag ins Mittelmeer springen — aber erst, nachdem er den Weg vom Laggio Maggiore aus erwandert hatte.

Tausend Kilometer, täglich tausend Höhenmeter zu überwinden: Insgesamt waren fünf Touren zu bewältigen. An Klaus Spenkes Seite: Sein langjähriger Wanderfreund Walter Lind (65), seine Tochter Nadine und sein Schwiegersohn Wolfgang Peetz. "Wir erlebten eine glückliche, harmonische Zeit, was bei einer Zwei-Generationen-Gruppe nicht selbstverständlich ist", erzählt Spenke.

Dem Lockruf der Berge kann der frühere RWE-Mitarbeiter nur schwer widerstehen. "Wenn ich unterwegs bin und einen Weg nach oben entdecke, dann dauert es nicht lange, bis ich ihm folge", erzählt der Bedburdycker.

Seine Frau habe ein so großes Herz, dass sie auf ihn verzichtete, wenn er die Urlaubstage wandernd verbringen wollte. Sie akzeptierte auch seinen Wunsch, am 70. Geburtstag das Mittelmeer erreichen zu wollen. Über fünf Jahre machte die Vierer-Gruppe ihre große Alpentour. Jeweils zwölf Tage standen zum Wandern zur Verfügung. Zwischen fünf und neun Stunden wurden täglich in Wanderstiefeln zurückgelegt, dazu die fast neun Kilo schweren Rucksäcke auf dem Rücken.

"Der Weg ist bergsteigerisch nicht schwierig, er verlangt jedoch Bergerfahrung, Routine beim Orientieren und Ausdauer", sagt Spenke.

Was ihn an dieser Wanderung begeistert hat: "Die Vielfalt der Landschaft und der Kulturen, aber besonders die Einsamkeit. An vielen Tagen begegneten wir keinem einzigen Menschen." Der "Grande Traversata della Alpi" (Die große Alpenquerung) führte die Wandergruppe im weiten Bogen, immer in der Nähe des Hauptkammes, auf der Ostseite, auf der italienischen Seite, nach Süden.

Da alle Flüsse zum Po in Richtung Osten fließen, sind die Täler in West-Ost-Richtung ausgerichtet, und da die Gruppe von Norden nach Süden wanderte, musste sie täglich einen Bergrücken, der die Täler trennt, überwinden. Übernachtet wurde in einfachen Unterkünften, sogenannten "Posto Tappas" — als Luxus fanden die Wanderer dort Duschen vor.

Was Klaus Spenke für 2012 plant? "Ach wissen Sie, mit 70 werden die Berge höher", meint er lächelnd. Doch sicher wird er wieder irgendwann ihrem Lockruf folgen — vielleicht nach Österreich.

(NGZ/rl)