Kanu : Über Berlin nach London

Weil er in der Bundeshauptstadt Sport und Ausbildung unter einen Hut bringen konnte, startet Robert Gleinert jetzt für den RKV Berlin. Nach Platz fünf bei der DM darf der Holzheimer Kanute jetzt auf Olympia hoffen

Bei der Holzheimer SG führen sie ganz genau Buch. Zumindest in der Kanu-Abteilung. Deshalb wissen sie im Bootshaus in Minkel ganz genau, wann zuletzt einem der Ihren der Sprung in den A-Kader des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) gelang: vor 39 Jahren.

Mit seinem fünften Platz bei den Deutschen Flachbahnmeisterschaften in Duisburg schaffte jetzt Robert Gleinert erneut diesen Sprung. Der einzige Schönheitsfehler: Der 23-Jährige geht seit dieser Saison für den RKV Berlin an den Start.

Doch dafür haben sie in Holzheim "mehr als Verständnis". Schließlich konnte der U23-Vize-Europameister des vergangenen Jahres in der Bundeshauptstadt Ausbildung und Leistungssport unter einen Hut bringen. Seit September vergangenen Jahres absolviert der Neusser an der BBW Akademie eine zweieinhalbjährige Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann. In Kooperation mit dem Landeskanuverband Berlin wird er dabei in Sport und Ausbildung unterstützt.

"Ich bin froh, mit der Entscheidung, nach Berlin zu gehen, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben", meinte Gleinert nach dem erfolgreichen Saisoneinstand bei der Einer-DM in Duisburg. Dort traf er im Halbfinale gleich auf die nationale Spitze mit Olympiasieger Andreas Ihle (Magdeburg) in vorderster Front. Gleichauf mit ihm setzte er sich im Endspurt vom Rest des Feldes ab und zog mit der insgesamt viertschnellsten Zeit ins Finale ein. Dort bestätigte der Holzheimer noch einmal seine Leistung und belegte mit nur 0,30 Sekunden Rückstand auf den Viertplatzierten den fünften Rang. "Nach den Ausscheidungsrennen konnte ich endlich gelassen ins Finale gehen und den anderen Feuer machen", kommentierte Gleinert den für ihn so positiven Rennverlauf. Dem er dann noch Platz fünf über die Sprintdistanz von 200 Metern und Rang sechs über 500 Meter hinzufügte.

Das alles bewog Chefbundestrainer Reiner Kießler und seine Kollegen, den Holzheimer in den A-Kader des DKV zu berufen. Zusammen mit Norman Bröckl, Marcus Groß (beide RKV Berlin) und Paul Mittelstedt (SC Neubrandenburg), wurde Robert Gleinert für den dritten Weltcup-Wettbewerb der Saison nominiert, der vom 27. bis 29. Mai in Duisburg ausgetragen wird. "Dort feiern wir in neuer Zusammensetzung unsere Wettkampfpremiere", so der Holzheimer, der sich damit auch Hoffnungen auf die Olympischen Spiele 2012 in London machen darf: "Ob der Vierer auch in Zukunft so bestehen bleibt, ist ungewiss, aber wir werden alles daran legen und darum kämpfen", sagt Gleinert.

(NGZ)