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Handball: TVK will gegen Neuss den Schalter umlegen

Handball : TVK will gegen Neuss den Schalter umlegen

Das morgige Kreisduell in der Korschenbroicher Waldsporthalle kann richtungweisend im Abstiegskampf der Dritten Liga West werden

Das hatten sich die Verantwortlichen auf beiden Seiten vor Saisonbeginn ganz anders vorgestellt: Das morgige Kreisduell zwischen dem TV Korschenbroich und dem Neusser HV, das um 19.30 Uhr von den Unparteiischen Tobias Gehle und Stephan Osebold (Schwelm/Hagen) in der Waldsporthalle angepfiffen wird, ist zugleich ein Kellerduell der Dritten Handball-Liga West.

"Das wird ein sehr, sehr heißer Tanz", ist Ronny Rogawska überzeugt. Da ist dem Dänen auf der Trainerbank der Gastgeber uneingeschränkt beizupflichten. Denn zur nachbarschaftlichen Rivalität, die schon in der vergangenen Spielzeit zu knüppelharten Auseinandersetzungen der sich nicht unbedingt freundschaftlich verbunden fühlenden Klubs führte, gesellt sich morgen die überaus brisante Tabellensituation.

Schließlich kann die Partie für beide Seiten richtungweisend werden: Die seit drei Spieltagen punktlosen Korschenbroicher, die zu Hause erst ein Mal (30:29 über den Leichlinger TV) gewonnen haben, könnten sich mit einem Sieg aus dem allergröbsten Abstiegskampf heraushalten. Umgekehrt wird ein Schuh draus - eine weitere Niederlage würde bei nur noch zwei Heim- spielen in diesem Jahr den mit ganz anderen Zielen gestarteten Vorjahresvierten vollends in den Kreis der Abstiegskandidaten reißen. Für den seit fünf Spielen sieglosen NHV gilt ähnliches: Mit zwei Punkten könnte das Schlusslicht den Anschluss ans untere Mittelfeld herstellen - selbst der TVK wäre dann nur noch zwei Zähler entfernt -, im Falle der dann achten Saisonniederlage droht der schon langsam verloren zu gehen.

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Auch Kai Faltin weiß, worum es morgen geht. Einst als Spieler in Neuss, später auch als solcher unter dem jetzigen NHV-Trainer René Witte bei Unitas Haan aktiv, inzwischen als Sportlicher Leiter der starke Mann beim TVK, sagt der 41-Jährige: "Wir brauchen ein Erfolgserlebnis, nur darüber kommen wir weiter und finden wieder zu unserer spielerischen Linie und Stärke." Damit das möglichst bereits morgen passiert, hat er unter der Woche gemeinsam mit Ronny Rogawska "etliche Einzelgespräche mit den Spielern geführt, um die Ursache für die derzeit spielerisch desolaten Vorstellungen zu ergründen."

Auch Rogawska weiß, dass die derzeitige Situation bei seinen Schützlingen viel mit dem Kopf zu tun hat. Deshalb hat er gemeinsam mit der Mannschaft die 19:24-Pleite gegen Krefeld einer schonungslosen Analyse unterzogen: "Wir haben die paar Dinge angesprochen, die gut waren, aber vor allem die, die nicht so gut gelaufen sind." Gut war in seinen Augen die auf eine 5:1-Formation mit Markus Neukirchen als vorgezogenem "Störer" umgestellte Defensive. "Gegen eine Mannschaft wie Neuss kannst du nur mit einer richtig guten Deckung bestehen", ist der TVK-Trainer überzeugt.

Doch die nutzt wenig, wenn in der Vorwärtsbewegung zu viele Bälle weggegeben werden. Alleine 16 mal scheiterte der TVK am Ex-Korschenbroicher Philipp Ruch zwischen den Krefelder Pfosten. "Und mein Landsmann im Tor des NHV ist sicher nicht schlechter", sagt er über Mikkel Moldrup, der wie der aus Ferndorf gekommene Linkshänder Dennis Aust zu jenen Neuen im Neusser Team gehörte, die bislang überzeugend auftraten.

Mehr noch als die Paraden des gegnerischen Torhüters ärgerten Rogawska freilich "die vielen Ballverluste und technischen Fehler. Die müssen wir abstellen - dann können wir unser schnelles Spiel aufziehen und dann haben wir auch eine Chance, zu gewinnen." Verzichten muss der TVK bei diesem Unterfangen weiterhin auf die verletzten Henrik Schiffmann und Nicolai Zidorn, dafür könnte Torhüter Paul Keutmann nach überstandener Verletzung morgen erstmals in dieser Saison wieder in den Kader rücken und eine willkommene Alternative zu dem zuletzt nicht über die volle Distanz überzeugenden Almantas Savonis bilden.

Kai Faltin setzt noch auf einen weiteren Faktor: "Der NHV wird sicherlich zahlreiche Zuschauer mitbringen. Ich hoffe, dass unsere Fans noch viel zahlreicher kommen und die Mannschaft nach vorne peitschen." Ronny Rogawska hofft aufeine Wechselwirkung: "Der Funke muss von den Fans auf die Mannschaft und von der Mannschaft auf die Fans überspringen." Schließlich ist der Abstiegskampf für die Korschenbroicher seit dem Abschied aus der Zweiten Liga eine vollkommen neue Erfahrung.

(NGZ)