Handball : TVK stößt an seine Grenzen

Im vierten Pflichtspiel nach dem Rückzug aus der Zweiten Liga hat der TV Korschenbroich seine erste Niederlage kassiert.

Während die Gäste von Bayer Uerdingen beim 35:33 die ganze Breite ihres Kaders nutzten, waren die sieben Feldspieler des TVK mit zunehmender Spieldauer überfordert

Als Olaf Mast kurz nach dem Wiederanpfiff Tobias Reich zum Warmmachen aufforderte, hatte der Trainer des SC Bayer 05 Uerdingen in der Partie beim TV Korschenbroich alle taktischen Register gezogen: Der bislang wegen einer Verletzung pausierende Kreisläufer war der zwölfte Feldspieler, den die Gäste am Samstagabend aufs Parkett der Waldsporthalle schickten.

Die Hausherren hatten bis dahin noch gar nicht gewechselt. Erst nach 39 Minuten, Uerdingen hatte gerade aus einem 16:19-Rück- einen 20:20-Gleichstand gemacht, gönnte TVK-Trainer Ronny Rogawska Björn Marquardt eine Pause. Der Rest musste wie schon eine Woche zuvor durchspielen — und kassierte mit dem 33:35 (Halbzeit 16:15) gegen die zuvor nur gegen Aufsteiger Königshof siegreichen Uerdinger die erste Niederlage in einem Pflichtspiel nach dem Rückzug aus der Zweiten Liga.

Es wird nicht die letzte bleiben für den Handball-Drittligisten, auf den bereits morgen (19.30 Uhr) mit dem Pokalspiel gegen Zweitligist ASV Hamm die nächste Aufgabe wartet. Denn trotz allem Kampfgeist, den die Korschenbroicher in die Waagschale werfen, trotz aller Schlitzohrigkeit, die Spieler wie Simon Ciupinski, Marcel Görden und Mathias Deppisch zu Ausnahmeerscheinungen in der Dritten Liga macht, trotz allem Talent, das ein Michel Mantsch besitzt: Mit diesem Kader wird der Ex-Zweitligist auf Dauer nicht bestehen können.

Denn ohne Wechselmöglichkeiten schwinden den Korschenbroichern schon zu Saisonbeginn mit zunehmender Spieldauer ständig Kraft und damit Konzentration: Sieben (!) Fehlversuche und technische Fehler leisteten sie sich in den letzten sieben Spielminuten — und mussten mit ansehen, wie die selbst nicht fehlerfreien Gäste aus einem 27:28-Rückstand einen zwischenzeitlichen 35:31-Vorsprung (58.) und letztlich einen verdienten 35:33-Sieg machten. Mast hatte sich von Anpfiff an für die taktische Variante entschieden, Simon Ciupinski in Manndeckung nehmen zu lassen — und traf seinen Ex-Klub damit in den Nerv.

Denn der übrig gebliebene Rückraum der Hausherren konnte den so zwangsläufig entstehenden Freiraum nicht nutzen — auch, weil Björn Marquardt mit der Doppelrolle, als Rechtshänder auf der rechten Halbposition für Druck zu sorgen und gleichzeitig Uerdingens Spielmacher Maximilian Unger in Manndeckung zu nehmen, restlos überfordert war.

Waren die Korschenbroicher gegen Wilhelmshaven (27:27 nach 14:12-Führung) und in Dormagen (29:28 nach 18:10-Führung) noch mit einem blauen Auge davon gekommen, deckten die Uerdinger schonungslos die Schwachpunkte auf und hätten bei weniger eigenen Fehlern durchaus früher und höher gewinnen können. Auf den TVK kommen schwere Zeiten zu — nicht nur morgen Abend.

(NGZ)