1. NRW
  2. Städte
  3. Rhein-Kreis
  4. Sport im Rhein-Kreis

Handball: TVK forciert "Jugend forscht"-Programm

Handball : TVK forciert "Jugend forscht"-Programm

Bei der 31:32-Niederlage des Handball-Drittligisten gegen Eintracht Hagen störte nur das Endergebnis.

Zwölf Sekunden waren noch zu spielen am Freitagabend in der Korschenbroicher Waldsporthalle. Die Hausherren, die schon 3:7 und 21:24 zurückgelegen, aber auch 17:15 und 27:26 geführt hatten, waren noch einmal in Ballbesitz gekommen und hätten vielleicht wenigstens einen, ganz bestimmt nicht unverdienten Punkt behalten gegen den Tabellenzweiten VfL Eintracht Hagen. Doch statt den Ball mit ein, zwei Spielzügen nach vorne zu tragen, versuchte es Torhüter Paul Keutmann mit einem ebenso langen wie gewaltsamen Pass auf den bis dahin sieben Mal erfolgreichen Max Zimmermann. Das Ergebnis: Das Spielgerät landete im Aus, die Gäste nahmen einen schmeichelhaften 32:31-Sieg (Halbzeit 15:16) mit ins Westfälische und erhielten sich so eine Woche nach dem 25:30-Debakel in eigener Halle gegen den TuS Ferndorf zumindest die theoretische Chance, den Spitzenreiter noch abzufangen.

"Ein erfahrener Torhüter hätte das nicht gemacht", sagte Ronny Rogawska mit Blick auf die letzte Aktion, "der hätte einen Spielzug eingeleitet. Genügend Zeit war ja noch da." Einen Vorwurf wollte der Däne auf der Trainerbank des TV Korschenbroich seiner aktuellen Nummer eins zwischen Torpfosten jedoch nicht machen: "So ist das halt, wenn du mit jungen Leuten arbeitest," sagte er eingedenk der gerade mal 20 Lebensjahre und fünf Monate, die Paul Keutmann auf dem Buckel hat. Nur um anzufügen: "Aber das macht einfach mehr Spaß als mit einer Legionärstruppe mit viel Erfahrung."

Wobei er keineswegs nur an die mit vier Spielern jenseits der Dreißig und einem 45-Jährigen angetretenen Gäste dachte. Beim TVK standen am Freitagabend, von den "Oldies" Mathias Deppisch (35) und dem kurzzeitig eingewechselten Torhüter Benedikt Köß (34) abgesehen, nur Spieler der Jahrgänge 1988 bis 1995 auf der Platte - und lieferten trotz der Niederlage eine spielerisch reife Leistung ab. Weil der "älteste" von ihnen, Kreisläufer Marcel Görden (27), am Saisonende nach acht Jahren seine Zelte in Korschenbroich abbricht, spricht Manager Kai Faltin "von einem weiteren Umbruch, den wir vollziehen". Nachfolger Dennis Backhaus ist 23.

Und auch die anderen Neuen, die noch gesucht werden, sollen in dieses Altersschema passen. Ein weiterer Kreisläufer und ein Linkshänder stehen auf Rogawskas Wunschliste. Neben Görden wird Philipp Liesebach (23) den TVK verlassen, offen ist der Verbleib des derzeit verletzten Michel Mantsch (21).

Wobei sie rund um die Waldsporthalle kein Hehl daraus machen, dass junge Spieler meist etwas preisgünstiger sind als alte Haudegen. "Das Geschäft ist nicht einfacher geworden, aber wir kommen zurecht", sagt Peter Irmen, der ehrenamtliche Geschäftsführer der Spielbetriebs GmbH, mit Blick auf den Etat, "der ausreicht, um in der Dritten Liga eine vernünftige Rolle zu spielen." Mehr wollen sie auch nicht in Korschenbroich, und die Zuschauer scheinen die Bemühungen und die "Jugend forscht"-Philosophie zu honorieren: 510 Zuschauer am Freitagabend gegen Hagen, "das kann sich sehen lassen", sagt Faltin. Damit liegt der TVK in der Spitzengruppe der Drittligisten im Westen.

Ein oder zwei Punkte gegen Hagen hätten ihn auch in der Tabelle näher an sie herangebracht. Dass es keiner wurde, lag vornehmlich an jenem Mann, den sie vor dem Anpfiff feierlich verabschiedet hatten: Almantas Savonis, im Januar vom TVK zur Eintracht gewechselt, hatte am Ende 16 Schüsse seiner ehemaligen Teamkollegen abgewehrt, darunter zwei Siebenmeter innerhalb von sechzig Sekunden. Eine Halbzeit bot Paul Keutmann seinem früheren Lehrmeister Paroli, nach der Pause bekam der 20-Jährige die Hand nur noch an zwei Bälle - das war entscheidend.

Krumm nahmen sie "Alma" das nicht beim TVK: "Ein ganz feiner Sportsmann", sagt Peter Irmen über den 45-Jährigen, der am Saisonende in seine litauische Heimat zurückkehrt. Der bestätigte das Urteil nur Minuten später: "Ein unverdienter Sieg", fasste er das Geschehen zusammen, an dem aus Sicht der Hausherren nur eines wirklich störte: das Endergebnis.

(NGZ)