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Turnerin Sarah Voss aus Dormagen löst Ticket für Olympische Spiele

Turnen : Sarah Voss löst Ticket für Olympische Spiele

Mit dem Sieg der 21 Jahre alten Dormagenerin endete die zweite Olympia-Qualifikation der deutschen Kunstturnerinnen in München.

Offiziell entschied der Lenkungsstab des Deutschen Turner-Bundes (DTB) erst am Sonntag, wie die deutsche Kunstturnriege für die Olympischen Spiele in Tokio aussieht. Aber schon am Samstagnachmittag war klar, dass Frauen-Cheftrainerin Ulla Koch nicht an dem Trio vorbeikommen konnte, das nach den Deutschen Meisterschaften Anfang des Monats in Dortmund auch die zweite Olympia-Qualifikation in München dominierte. Und doch: Als dann am Mittag ihr Name fiel – sogar noch vor ihren ebenfalls nominierten Nationalmannschaftskolleginnen Elisabeth Seitz, Pauline Schäfer und Kim Bui –, sei schon eine große Last von ihren Schultern gefallen, bekannte Sarah Voss hinterher. „Ich hatte mir ausgerechnet, dass es ganz gut aussieht. Aber angespannt war ich natürlich trotzdem. Ich bin erleichtert und wirklich sehr, sehr happy.“  

Beim ersten Wettkampf vor mehreren hundert Zuschauern nach dem pandemiebedingten Publikumsverbot beeindruckte die Dormagenerin in der Olympiahalle als Einzige mit einem Durchgang ohne größere Fehler. Mit 54,70 Punkten verwies sie die nationale Rekordmeisterin Elisabeth Seitz aus Stuttgart (54,025) und die ehemalige Schwebebalkenweltmeisterin Pauline Schäfer (52,475) aus Chemnitz auf die weiteren Podestplätze. „Ich bin sehr, sehr zufrieden mit meinem Wettkampf heute, auch wenn ich an der einen oder anderen Stelle natürlich noch ein paar Zehntel liegen gelassen habe“, stellte die 21-Jährige, die ihr Programm nach ihrem dritten Platz in der Westfalenhalle noch einmal aufgestockt hatte, am Samstag fest.

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Gleich am Sprung hatte die deutsche Meisterin gut vorgelegt, als sie den Jurtschenko mit Doppelschraube zeigte und mit 14,35 Punkten erst einmal mit mehr als einem halben Punkt Vorsprung die Führung übernahm. Seitz zog im zweiten Durchgang mit einer starken Kür an ihrem Paradegerät Stufenbarren (14,525) zwar vorbei, doch als die 27-Jährige bei einer Doppeldrehung patzte und den Schwebebalken verlassen musste, war die Weltmeisterschaftsfinalistin aus Rheinfeld zur Stelle. Voss eroberte mit einer souveränen Leistung und nur einem kleinen Schritt seitwärts von der Matte bei der Vorwärts-Landung ihres Abgangs die Spitzenposition zurück. Am Boden sollte sich in der Rangfolge nicht mehr viel ändern.

Spannend war danach im Grunde nur noch, wer sich neben Seitz, Voss und Schäfer den vierten Startplatz für Tokio sichern würde. Bei ihrem Urteil stützte sich die Bundestrainerin auf ein Programm, das auszurechnen vermag, in welcher Zusammensetzung das Team bei Olympia die besten Chancen auf einen Einzug ins Mannschaftsfinale hat. Voss und Schäfer erhielten auf diese Weise noch einen Bonus, weil beide am Balken eine finalwürdige Übung gezeigt hatten. Das letzte Ticket ging schließlich an die erfahrene Kim Bui (32), die erst 18-jährige Emelie Petz fährt als Ersatzturnerin mit. „Am Ende hat gerade mal ein Zehntelpunkt den Unterschied ausgemacht“, sagte Ulla Koch. Die Bestätigung der Kandidaten durch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) erfolgt am 29. Juni.

 Die große Party fiel allerdings aus. Nach der Pressekonferenz und einer kurzen Fotosession mit dem Team für Tokio saß Sarah Voss schon wieder im Zug. Der Olympia-Countdown läuft: Bis zur Eröffnungsfeier sind es nur noch 39 Tage.