Handball: TSV Bayer feiert Auftakt nach Maß

Handball : TSV Bayer feiert Auftakt nach Maß

Vor der stattlichen Kulisse von 1530 Zuschauern feierte Handball-Drittligist TSV Bayer Dormagen mit dem 36:23-Sieg über die DJK Adler Königshof einen Neubeginn, wie er besser kaum sein konnte. Doch Trainer Jörg Bohrmann warnt vor Euphorie: "Die echten Prüfsteine kommen noch"

Neuneinhalb Minuten vor dem Schlusspfiff ereilte die ohnehin schon arg gerupften Adler aus Königshof die Höchststrafe: Da holte Jörg Bohrmann seine komplette "erste Sieben" vom Feld und gab auch dem zweiten Anzug des TSV Bayer Dormagen Gelegenheit, sich von der stattlichen Kulisse von 1530 Zuschauern feiern zu lassen.

Angesichts eines Zwischenstandes von 33:16 (!) konnte sich der neue Mann auf der Dormagener Trainerbank ein solches taktisches Manöver getrost leisten. Freilich wird auch Bohrmann nicht verborgen geblieben sein, dass danach die Ordnung ein wenig den Bach 'runter ging im Spiel des neu formierten Drittligisten, so dass der biedere Neuling aus Krefeld noch ein bisschen Ergebniskosmetik bis zum Endstand von 23:36 (Halbzeit 9:18) betreiben konnte.

Auf den Tribünen störte das niemand. "Da reden jetzt schon einige vom direkten Wiederaufstieg", schüttelte Rainer Lisson, Leiter Sport und Kommunikation beim TSV, den Kopf, "dabei sind wir erstmal froh, dass wir so gut aus den Startlöchern gekommen sind." Das galt nicht nur fürs Sportliche: Auch in Sachen Organisation hatten das "Projektteam 3. Liga" und der neue Gastronom Jorgos Flambouraris ihre Hausaufgaben so gut gemacht, dass Lisson anmerkte: "Da können wir uns als geschäftsführender Vorstand nur bedanken."

Und was den direkten Wiederaufstieg angeht, rückte Jörg Bohrmann die Relationen schnell zurecht: "Adler war kein Maßstab. Die wirklichen Prüfsteine kommen erst noch." Sein Krefelder Kollege Hubert Krouss, bis vor anderthalb Jahren auf der Bank des Neusser HV, gab denn auch unumwunden zu: "Dormagen hat uns von Beginn an so unter Druck gesetzt, dass wir chancenlos waren." Das taten die Hausherren vornehmlich mit einer Deckungsleistung, die angesichts der wenigen Trainingseinheiten, in denen die Formation sich abstimmen konnte, in dieser Qualität schon überraschte. Die Prognose sei gestattet: An diesem Innenblock mit den Erst- und Zweitliga-erfahrenen Tobias Plaz und Dennis Marquardt und den Jugend-Europameistern Moritz Preuss und (als vorgezogene Spitze operierend) Simon Ernst werden sich noch andere Gegner die Zähne ausbeißen.

Vorne zeigte Simon Ernst nicht nur mit seinen zehn Treffern, warum er bei der Jugend-EM ins Allstar-Team berufen worden war – manche stellen den 18-Jährigen bereits auf eine Stufe mit Kentin Mahé. Doch bei aller – berechtigten – Euphorie: Die Gegner sind eben nur "drittklassig". Oder wie im Falle der Adler nicht einmal das. "Wir müssen jetzt daran arbeiten, in der Liga anzukommen", meinte Hubert Krouss. Ob die Dormagener dort schon gelandet sind, werden die nächsten Aufgaben zeigen: am Sonntag bei Mit-Favorit TuS Wermelskirchen, im nächsten Heimspiel (15.) gegen den mit dem 27:24 in Edewecht nicht minder gut gestarteten TV Korschenbroich.

(NGZ/url)
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