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TSV Bayer Dormagen vor Spiel beim HSC Coburg

2. Handball-Bundesliga : Bayer steht vor dem nächsten Kraftakt

In einer schwierigen Situation sind Dormagens Zweitliga-Handballer gegen Bietigheim über sich hinausgewachsen. Am Samstag steht beim HSC Coburg das erste Saisonduell mit einem der hoch gehandelten Bundesligaabsteiger an.

Nicht zuletzt wegen der vier überaus ambitionierten Erstliga-Absteiger wurde die aktuelle 2. Bundesliga im Vorfeld der Saison vielfach als die beste aller Zeiten geadelt. Doch nach zwei Spieltagen steht fest: Bis auf TuSEM Essen fremdeln die anderen Ex-Erstligisten noch, haben sich alle schon unerwartete Ausrutscher geleistet. Der HSC Coburg etwa gewann zwar zum Saisonstart daheim 30:27 gegen den TV Großwallstadt, kassierte aber vorigen Samstag völlig unerwartet eine 27:29-Niederlage gegen Aufsteiger HC Empor Rostock. Wenn am Samstag (19.30 Uhr) der TSV Bayer Dormagen kommt, dürften die Coburger also mit ziemlich viel Wut im Bauch auflaufen.

Eine Situation, mit der die Dormagener aber offenbar sehr gut umgehen können. Denn nach der Auftaktniederlage gegen den ASV Hamm, bei der sich in Ante Grbavac auch noch der dritte linke Rückraumspieler im TSV-Kader verletzte, sprach bei der Heimpremiere gegen die SG BBM Bietigheim nicht allzu viel für die Mannschaft von Trainer Dusko Bilanovic. Zumal die Bietigheimer mal wieder als Aufstiegsanwärter in die Saison gegangen waren, zum Auftakt aber daheim gegen Eisenach enttäuschten. Von dem Bestreben des Favoriten auf Wiedergutmachung ließen sich die Dormagener aber nicht ins Bockshorn jagen. Sie nahmen von Beginn an ihr Herz in die Hand und rangen die Bietigheimer dank einer herausragenden Abwehrleistung in Kombination mit dem extrem starken Torhüter Martin Juzbasic und einiger taktischer Kniffe des Trainers 21:20 nieder. Bayer musste an seine Grenzen gehen.

  • André Meuser traf bei der Auswärtsniederlage
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Und den TSV-Spielern muss klar sein, dass am Samstag wieder ein solcher Kraftakt vonnöten sein wird, um etwas Zählbares aus Oberfranken mit nach Hause zu nehmen. Dusko Bilanovic glaubt sogar, dass eine Steigerung her muss. „Coburg ist zu Hause eine Macht. Die Halle ist sehr laut“, betont der TSV-Coach. Und wie sehr die Rückkehr der Fans eine Mannschaft pushen kann, das zeigte der TSV gegen Bietigheim selbst. Erschwerend kommt hinzu, dass der HSC über einen in Spitze und Breite exzellent besetzten Kader verfügt. Das erschwert es dem Trainer ungemein, seine Spieler auf die Gegner einzustellen. Bilanovic schwärmt von der hohen individuellen Klasse der Coburger, besonders haben es ihm Andreas Schröder und Karl Toom als Shooter im linken Rückraum, Spielmacher Tobias Varvne und Kreisläufer Jan Schäffer angetan. An seiner Einschätzung ändert die überraschende Corburger Niederlage in Rostock nichts: „Da haben sie die Führung aus der Hand gegeben, weil sie teils zu überhastet abgeschlossen und deswegen zu viel verworfen haben.“ Am Ende standen 19 Corburger Fehlversuche zehn der Rostocker gegenüber.

Dass sich der HSC wieder so fahrlässig zeigt, davon ist nicht auszugehen. Der großen Klasse der Gastgeber muss Bilanovic angesichts der nach wie vor extrem angespannten Personalsituation in seinem Kader wieder Einfallsreichtum entgegensetzen. Mit der Variante, Kreisläufer Patrick Hüter gegen Bietigheim teils auf Rückraum Mitte spielen zu lassen, wird in Coburg allerdings nicht mehr für Überraschung sorgen können. „Die haben das Spiel ja auch gesehen. Wir müssen variabel sein. Von allen meinen Spieler ist Flexibilität gefordert“, erklärt Dusko Bilanovic.

Klar ist dem Serben aber auch, dass ein möglicher Erfolg wieder nur über eine konzentrierte Abwehrarbeit und extreme Einsatzbereitschaft möglich sein wird. Damit seine Jungs die körperliche und geistige Frische dazu haben, gab’s unter Woche auch regenerative Training. Ian Hüter, der nach der Bietigheim-Partie wegen eines Pferdekusses über muskuläre Probleme klagte, durfte statt einer Einheit in der Halle etwa die geschundene Muskulatur im warmen Wasser der Römer-Therme lockern. Froh ist Bilanovic, dass der polnische Neuzugang Patryk Biernacki nach dem verbesserten Auftreten gegen Bietigheim weitere Fortschritte macht und auch der A-Jugendliche Sören Steinhaus nach seiner Erkrankung weitere Einheiten mit der Zweitliga-Truppe absolviert hat. Wenn er in Coburg nur für ein bisschen Entlastung sorgen könnte, könnte das bei einem knappen Spielverlauf schließlich der Unterschied zwischen Sieg und Niederlage sein.