2. Handball-Bundesliga : Bayer Dormagen kann doch noch gewinnen

Nach einer lange Negativserie konnte der TSV endlich mal wieder ein Spiel für sich entscheiden. Ausgerechnet gegen den Titelanwärter und aktuellen Tabellendritten HSG Nordhorn-Lingen gab es einen verdienten Heimsieg.

Es geht also doch noch: Nach elf Spielen ohne Sieg in der 2. Handball-Bundesliga hat der TSV Bayer Dormagen mal wieder zwei Punkte eingefahren. Nachdem die Mannschaft von Trainer Dusko Bilanovic am vergangenen Samstag im Kellerduell beim EHV in der Schlussphase nach einer Aufholjagd einen Sieg verspielt hatte (28:28), schlug sie am Donnerstagabend ausgerechnet den haushohen Favoriten HSG Nordhorn-Lingen verdient mit 23:19 (9:10) und machte damit sich und den restlos begeisterten TSV-Fans unter den insgesamt 762 Zuschauern ein exquisites vorgezogenes Weihnachtsgeschenk. Zum Verlassen des vorletzten Tabellenplatzes reichte es aber dennoch nicht, weil parallel auch dem EHV Aue auswärts beim TV Emsdetten ein Sieg gelang.

Das war den Dormagenern aber herzlich egal an diesem Abend, direkt nach dem Schlusspfiff stürmten Trainerteam und Spieler aufs Feld, um gemeinsam den so wichtigen Erfolg zu feiern. Weniger später durfte natürlich auch die Humba mit den treuesten Fans nicht fehlen. Ganz anders die Stimmung bei den Gästen. Der heftige Rückschlag im Kampf um die direkte Rückkehr in die Erste Bundesliga frustrierte HSG-Coach Daniel Kubes derart, dass er anschließend nicht beim obligatorischen Trainertalk erschien. Dafür kam Nordhorns bester Rückraumspieler Georg Pöhle und stand Rede und Antwort. „Die Niederlage hat uns richtig weh getan bei unseren Zielen. Wenn wir die erreichen wollen, müssen wir unsere Aufgaben erledigen“, sagte der Halblinke und lieferte auch gleich eine Erklärung, wieso das gegen Dormagen nicht klappte. „Aus den Fehlern des Gegners haben wir nicht genug Kapital geschlagen. In der zweiten Hälfte sind wir dann zu hektisch geworden, haben zu viele technische Fehler gemacht und verdient verloren“, meinte Pöhle. Dass ein Spieler seiner Güteklasse nur ein Tor erzielen und die HSG insgesamt bei unter zwanzig Treffern gehalten werden konnte, zeigt eindeutig, wo die Basis für den Erfolg des TSV lag. Auf einer herausragenden Abwehrarbeit in Kombination mit einem mal wieder starken Martin Juzbasic im Tor (elf Paraden insgesamt). „Wir haben Leidenschaft und Kampf gezeigt und permanent Gas gegeben. Unsere Abwehrarbeit war der Wahnsinn“, meinte Bilanovic.

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Die Stabilität in der Defensive war es auch, die die Gastgeber in der ersten Hälfte im Spiel hielt. In die waren sie mit einer 3:0-Führung (6.) zwar sehr vielversprechend gestartet, doch mit zunehmender Dauer bekam der TSV große Probleme mit der konsequenten 3:2:1-Abwehr der Nordhorner. So dauerte es bis zur 17. Minute, ehe Jan Reimer im Nachwurf von der Siebenmeterlinie das nächste Tor für den TSV zum 4:3 erzielen konnte. Das war aber auch eine Phase, in dem extrem zu beobachten war, was HSG-Spieler Pöhle nachher meinte, als er das mangelnde Ausnutzen von Dormagenern Fehlern anprangerte. Insgesamt sieben technische Fehler produzierten die Gastgeber und die Nordhorner gingen erstmals beim 8:7 (24.) durch Pavel Mickal in Front, doch absetzen konnten sie sich nicht, es blieb bei einem Tor Vorsprung zur Pause.

In der zweiten Hälfte zahlte sich dann aus, dass der TSV erstmals seit einer Ewigkeit wieder eine vollbesetzte Auswechselbank hatte. Gerade in der Offensive brachte Dusko Bilanovic gegen die 3:2:1-Abwehr in Leispieler Oliver Dasburg und später auch Youngster Sören Steinhaus für den Rückraum mehr Beweglichkeit und Tempo, was sich nach und nach auszahlte. Insbesondere Steinhaus glänzte mit seiner Unbekümmertheit und tollen Aktionen. Dabei half er seiner Mannschaft nicht nur mit zwei wichtigen Toren, sondern riss mit seiner Dynamik auch viele Lücken und zog etliche Fouls. Hinzu kam, dass Dormagen seine Fehlerquote deutlich reduzierte (zwei technische Fehler nach der Pause), die Abwehr weiter zupackte, Martin Juszbasic in wichtigen Momenten zur Stelle war und Rechtsaußen Jan Reimer sein mit Abstand stärkstes Saisonspiel hinlegte. Als sicherer Siebenmeterschütze war er schon häufiger aufgefallen, gegen Nordhorn verwandelte er aber auch traumwandlerisch sicher alle seine Chancen von rechts, so dass er am Ende mit neun Treffern der beste Schütze des Spiels war. Reimer war es auch, der in der 36. Minute per Siebenmeter zum 12:12 erstmals wieder ausglich für den TSV. Nachdem André Meuser beim 15:14 (45.) für die Führung gesorgt hatte, blieb Dormagen stabil.

Spätestens als Steinhaus das 18:15 (52.) markierte und kurz danach Nordhorns Kreisläufer Luca de Boer nach einem Schlag gegen André Meuser mit Rot vom Feld musste, bogen die Gastgeber in die Siegerstraße ein. Nachdem der in der Abwehr bärenstarke Aron Seesing am Kreis noch das entscheidende Tor zum 22:18 hatte liegen lassen, beseitigte – wie sollte es anders sein – Jan Reimer mit einem verwandelten Siebenmeter in der 59. Minute die letzten Restzweifel am doppelten Punktgewinn. Reimer blieb nach der Partie allerdings bescheiden: „Es war wunderschön vor so vielen Leuten und vor Weihnachten ein solches Spiel zu machen. Die zwei Punkte sind ein großes Geschenk und geben uns Selbstvertrauen für das Spiel gegen Ferndorf.“ Beim Tabellenletzten steht am Sonntag das letzte Spiel des Jahres an.

TSV-Torschützen: Reimer (9/4), Meuser (4), Richter (3), Steinhaus (2), Grbavac (2), Dasburg (1), Biernacki (1), Seesing (1)