TSV Bayer Dormagen in der 2. Handball-Bundesliga

Handball: Der „Held von Hüttenberg“ will keiner sein

Dormagens ungarischer Torhüter Gergö Rozsavölgyi träumt von Liga eins – und will in der Zweiten möglichst alle Spiele gewinnen.

Torhüter, sagen sie im Handball, haben alle einen an der Klatsche. Ob Gergö Rozsavölgyi diesen Begriff schon kennt, ist nicht überliefert. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, denn gemessen an der Tatsache, dass der 22-Jährige erst vor drei Monaten ohne jegliche sprachlichen Vorkenntnisse von Budapest ins Rheinland kam, versteht und spricht der Ungar schon sehr gut Deutsch.

Ein Kompliment, das der junge Mann mit dem dunklen Vollbart nicht gerne hört. „Wenn du sagst, du kannst etwas gut, hörst du auf zu lernen,“ sagt Rozsavölgyi (den wir im weiteren Fortlauf der Geschichte der Einfachheit halber Gergö nennen wollen) – auf Deutsch und im Brustton der Überzeugung. Denn lernen, um besser zu werden, das ist sein Ziel, seit er beim TSV Bayer Dormagen anheuerte. Kurzfristig, weil der Zweitliga-Aufsteiger nach dem schweren Motorradunfall des inzwischen wieder ins Individualtraining eingestiegenen Sven Bartmann einen neuen Torhüter brauchte.

Die Sprache lernt er, gemeinsam mit seinen Vorderleuten Nuno Rebelo (Portugal) und Carl Löfström (Schweden), an vier Tagen in der Woche beim Sprachstudio Köln. „Wenn alle langsam sprechen, verstehe ich einiges ganz gut,“ sagt Gergö. Weil Langsam-Sprechen im Handball aber nicht immer möglich ist, wird im Training und Spiel schon mal auf Englisch kommuniziert (das er im Übrigen hervorragend beherrscht). Das Deutsch-Lernen besitzt einen hohen Stellenwert für den 22-Jährigen, denn er könnte sich ein längerfristiges Engagement in Deutschland als das zunächst bis zum Ende der laufenden Saison befristete gut vorstellen. „Weil hier das Niveau im Handball einfach besser ist als bei uns,“ sagt Gergö, der es in seiner Heimat bis in die B-Nationalmannschaft gebracht hat.

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Seinen Traum teilt der Torhüter mit vielen Handballern weltweit: „Am liebsten möchte ich irgendwann in der Bundesliga spielen.“ Die körperlichen Voraussetzungen bringt er mit den disziplinspezifischen Gardemaßen von 98 Kilogramm verteilt auf 196 Zentimeter Körperlänge schon einmal mit. Für den Rest soll das Training sorgen, für das beim TSV Bayer neben Chefcoach Ulli Kriebel und seinem Assistenten Peer Pütz vor allem Torwarttrainer Joachim „Jojo“ Kurth sorgt. Der langjährige Bundesliga-Keeper hält viel von dem jungen Ungarn, denn er bringt eine Eigenschaft mit, die nicht jeden Handballtorhüter auszeichnet: „Er ist fleißig.“

Und bescheiden dazu. Dass er den Dormagenern mit seiner Siebenmeterparade gegen Daniel Wernig 20 Sekunden vor Schluss den 30:29-Sieg beim TV Hüttenberg, den ersten nach dem Aufstieg in die Zweite Liga, rettete, will er nicht überbewerten. „Ein Held“ sei er deswegen nicht, auch nicht „der Matchwinner, denn wir gewinnen oder verlieren alle gemeinsam.“ Und „wenn wir am Samstag gegen Wilhelmshaven nicht gewinnen, spricht da kein Mensch mehr von,“ sagt Gergö. Ob der Neuling gegen die mit viel mehr (Zweitliga-)Erfahrung anreisenden Wilhelmshavener eine Chance dazu hat, will er nicht ausschließen: „Aber dann müssen wir cleverer spielen als bisher.“ Cleverer vor allem als in der Schlussphase am vergangenen Samstag, als der TV Hüttenberg einen Fünf-Tore-Rückstand aufholte. „Wenn wir da cleverer gespielt hätten, wäre es gar nicht so eng geworden,“ sagt Gergö.

Dann hätte er allerdings auch nicht seinen großen Auftritt 20 Sekunden vor dem Schlusspfiff gehabt. Den habe er, sagt der 22-Jährige aller Bescheidenheit zum Trotz, „richtig genossen.“ Weil er wusste: „Wenn du den hältst, haben wir gewonnen.“ Dass Daniel Wernig zuvor bereits vier Strafwürfe plus einen von Rozsalvölgyi gehaltenen per Nachwurf verwandelt hatte, spielte in diesem Moment keine Rolle: „Ich wusste, er wollte mich, wie sagt man das: tunneln.“ Was schief ging, weil Gergö blitzschnell auf dem Boden saß und den Ball mit dem Unterschenkel abwehrte. Dass er ebenso blitzschnell wieder auf den Beinen war, um die Parade zu bejubeln, nahm ihm keiner krumm. Schließlich, sagen sie im Handball, haben alle Torhüter einen an der Klatsche.