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TSV Bayer Dormagen feiert gegen Bietigheim spektakulären Comeback-Sieg

Handball : TSV feiert spektakulären Comeback-Sieg

Als die Formkurve der mit zwei Niederlagen in Folge angetretenen Zweitliga-Handballer des TSV Bayer Dormagen auch gegen Bietigheim am Tiefpunkt schien, zog sich das Team am eigenen Schopf aus dem Schlamassel und gewann mit 33:27.

Der 1950 verstorbene Dramatiker Bernard Shaw, 1925 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet, erteilte seinen Lesern den gut gemeinten Rat: „Kämpfe nie mit einem Schwein – Ihr werdet Euch beide schmutzig machen, aber dem Schwein gefällt es.“ Ob Hannes Jon Jonsson in der ersten Enttäuschung nach der schmerzhaften Niederlage in Dormagen tatsächlich an den irischen Oscarpreisträger gedacht hatte, ist nicht übermittelt, doch adelte der Trainer der SG BBM Bietigheim die Leistung der Gastgeber in der zweiten Hälfte mit der Feststellung: „Das ist eine Mannschaft mit einem Riesencharakter. Die kämpfen wie die Schweine!“ Auf die Partie am Freitag übertragen hieß das: Die am Ende schwer geschlagenen Schwaben wurden für den kapitalen Fehler bestraft, ihren für sein Tempospiel bekannten Kontrahenten auf dessen ureigenem Terrain schlagen zu wollen. Das musste schiefgehen, „denn in dieser Liga gibt es nur ganz wenige Mannschaften, die mit uns mitlaufen können“, stellte der für den TSV zuständige Coach Dusko Bilanovic selbstbewusst heraus.

In der Praxis sah das dann so aus: Bis zur Halbzeitpause blieben beide Teams, jeweils fast greifbar belastet von der frischen Erinnerung an zwei Niederlagen in Folge, den Nachweis komplett schuldig, handballtechnisch der besseren Gesellschaft des Erstliga-Unterhauses anzugehören. Nur weil die Gäste im Angriff etwas weniger Fehler machten und die lange flügellahmen Dormagener, deren Außen Joshua Reuland und Jakub Sterba offensiv Statistenrollen besetzten, große Mühe mit der 6:0-Deckung der SG hatten, lagen sie zumeist vorne. Dass Jonssons Mannen mal als Aufstiegsaspirant in die von der Corona-Pandemie bestimmte Spielzeit gegangen waren, ließ sich zwar nicht unbedingt erkennen, doch da sie im Verlauf der ersten Hälfte mit bis zu drei Toren führten (9:6/20., 12:9/26., 13:10/27. und 15:12/30.), schienen sie die Sache auf überschaubarem Niveau irgendwie im Griff zu haben.

In der Kabine erinnerte Bilanovic seine verunsicherten Schützlinge darum daran, das Spiel einfach zu halten, gab ihnen die Zuversicht zurück. Und der Serbe kam in die Köpfe seiner Jungs, die in den zweiten 30 Minuten in dem Maße zulegten wie die Gäste abbauten. Jonsson machte für den kolossalen Einbruch einen Mix aus fehlendem Selbstvertrauen und mangelnder Qualität  verantwortlich, sah „unglaublich viele technische Fehler“, aber „keinen einzigen Rückraumspieler, der wirklich einen guten Tag erwischt hatte.“ Mit dem Ausgleichtreffer des TSV von Ian Hüter nach einem Ballgewinn von Jakub Sterba zum 18:18 (38.) verabschiedete sich Bietigheim quasi aus dem Match.

Das hatte, räumte Jonsson in sympathischer Offenheit ein, freilich ganz stark mit der famosen Leistung der Hausherren im zweiten Abschnitt zu tun: „Dormagen war einfach besser als wir. Die spielen eine coole Saison.“ Dafür spricht, dass der am Ende geradezu majestätische Sieg – der zweite Durchgang ging mit 21:12 an die Handballer vom Höhenberg  – viele Väter hatte: Sven Bartmann, zurück nach langer Verletzung und direkt in der Kritik, gewann das Torhüter-Duell mit seinem zuletzt bärenstarken Kollegen Aron Rafn Edvardsson klar, zeigte großartige Paraden in spielentscheidenden Phasen und tauchte sogar als Torschütze auf. Im Rückraum stachen neben Regisseur Ian Hüter auch Alexander Senden (beide acht Treffer) und André Meuser (6) – sie schweißten zwischen der 36. (16:18) und 47. Minute (25:20) mit nun hoher Wurfquote einen 9:2-Lauf zusammen. Am Kreis machte der erst seit Januar 18-jährige Aron Seesing mit viel Mut und satten fünf Toren Lust auf mehr.

Derweil nutzte Bilanovic die gute Stimmung, um auf die von den vorangegangenen Niederlagen gespeiste Kritik im Umfeld zu reagieren: „Die Jungs sind keine Profis, man muss an ihnen nicht sofort zweifeln. Ich bin sehr sehr stolz auf sie.“

TSV Bayer Dormagen - SG BBM Bietigheim 33:27 (12:15)

Dormagen: Bartmann (12 Paraden, 1 Tor), Simonsen; Reuland (3), Seesing (5), Senden (8), Meuser (6), Juric, Richter (1), I. Hüter (8), Reimer (n.e.), Skroblien, P. Hüter (1), Johannmeyer, Sterba

Bietigheim: Edvardsson (9 Paraden), Lehmann; Vlahovic (3), Rentschler (2), Claus (2), Öhler, Schäfer (3/2), Urban (1), Dahlhaus (2), Link (5), Asmuth (2), Barthe (1), Boschen, Marcec (5), Fischer (1)

Schiedsrichter: Cesnik/Konrad

Zeitstrafen: 10:8 Minuten.

Siebenmeter: 0:2/2