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TSV Bayer Dormagen feiert ein Handballfest zur Rückkehr der Zuschauer

Starker Auftritt : Ein Handballfest zur Rückkehr der Zuschauer

Zweitligist TSV Bayer Dormagen spielt sich beim deutlichen 34:24-Sieg über die DJK Rimpar Wölfe in der Schlussphase in einen Rausch.

Nach einer für sein Team letztlich fruchtlosen Tor-Rallye mit insgesamt 18 Treffern zwischen der 30. (15:11) und 44. Minute (24:20) beschlichen selbst den in mehr als drei Jahrzehnten auf der Bank wahrscheinlich in jede nur erdenkliche Krisensituation gebrachten Rolf Brack grundlegende Zweifel. „Im Nachhinein“, sagte der Coach des Handball-Zweitligisten DJK Rimpar Wölfe, „habe ich überlegt, ob wir nicht besser langsamer gespielt hätten.“ Im Spiel entschied sich der 67 Jahre alte promovierte und habilitierte Diplom-Sportwissenschaftler dagegen, immerhin hatte den Gästen die Abkehr vom unter seinem entlassenen Vorgänger Ceven Klatt mit Inbrunst gepflegten „Schlafwagen-Handball“ noch 72 Stunden zuvor einen epochalen 43:25-Erfolg über Wilhelmshaven beschert.

Den meisten der 210 Zuschauer, die, ausgestattet mit Maske und negativem Corona-Schnelltest, das Ende des monatelangen Lockdowns feierten, war das natürlich recht, sahen sie auf diese Weise doch mit größtem Verzücken, wie sich ihre berauschten Lieblinge mit dem 34:24-Kantersieg (Halbzeit 15:11) für die drei vorangegangenen Niederlagen rehabilitierten. In der zweiten Hälfte war der Akku bei den Wölfen einfach leer, hatten sie, angetreten ohne Philipp Meyer, David Kovacic und Lukas Böhm, nichts mehr zusetzen. Als sich dann auch noch Valentin Neagu mit der dritten Zeitstrafe aus dem Match verabschiedete (34.), stellte Brack, dessen Job bei den Unterfranken am Saisonende erledigt ist, mit Blick auf seinen letzten verbliebenen Kreisläufer Michael Schulz launig fest. „Der hätte ab der 45. Minute in ein Sauerstoffzelt gemusst.“ Weil das irgendwie auch für den im ersten Abschnitt so starken Mittelmann Yonatan Dayan galt, sah sich TSV-Trainer Dusko Bilanovic in seiner Taktik bestätigt: „Rimpar fehlte nach drei Spielen in sieben Tagen die nötige Frische – so wie uns beim 25:35 in Gummersbach. Und darum haben wir einfach noch mehr Gas gegeben.“

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Die von den Hausherren entfachten Feuerstürme von 24:21 (47.) auf 28:21 (51.) und von 28:22 (52.) auf 34:24 (59.) waren indes auch Ausdruck beeindruckender Klasse. So sah das auch der trotz der Niederlage gut aufgelegte Brack. Zu begeistern wusste ihn vor allem die von Ian Hüter mit kreativem Input gespeiste Achse zum Kreis, wo Patrick Hüter und Aron Seesing nicht aufzuhalten waren. „Das ist das Beste, was ich in dieser Liga bislang gesehen habe.“ In Kombination mit dem von Alexander Senden, André Meuser und Benni Richter komplettierten Rückraum ergab das eine für seine müde Truppe nur schwer zu ertragene Wucht. „Bei Dormagen geht jeder dahin, wo es wehtut. Das war ein sehr dynamischer Auftritt, in der Dormagen von jeder Position aus Torgefahr ausgestrahlt hat.“

Bilanovic schloss mit dem unerwarteten Schützenfest zum Start der Fußball-Europameisterschaft das Projekt Wiedergutmachung für die Pleiten gegen Großwallstadt (27:35), Wilhelmshaven (25:27) und Gummersbach (24:34) zufrieden ab. „Ich habe mich gefreut, als ich gesehen habe, wie Rimpar unter Rolf Brack spielt. Er fordert immer Tempo. Und darum haben wir heute schönen Handball gesehen.“

Das Restprogramm des TSV sieht noch Spiele in Eisenach (19. Juni), in Ferndorf (23. Juni) und gegen Elbflorenz Dresden im heimischen Sportcenter am 26. Juni vor – dann vielleicht in voller Halle.