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TSV Bayer Dormagen: Ein unverhofftes Zweitliga-Bruderduell

Dormagens Handballer in Nettelstedt : Ein unverhofftes Zweitliga-Bruderduell

Nach der Heimniederlage gegen den HSV bekommen es die Dormagener Handballer am Mittwoch in Nettelstedt mit dem nächsten Topgegner zu tun. Für Linus Skroblien eine besondere Partie, denn er trifft erstmals auf seinen Bruder Tom.

Als Linus Skroblien seinen vier Jahre älteren Bruder Tom im Sommer 2020 in einem Vorbereitungsspiel als Linksaußen des Handball-Zweitligisten TuS N-Lübbecke gegen den Drittligisten HC Eintracht Hildesheim beobachtete, da malte er sich aus, wie es wäre, selbst mal in Deutschlands zweithöchster Spielklasse aufzulaufen. Und weil er selbst noch in der Saisonvorbereitung mit dem Drittligisten Stralsunder HV steckte, konnte er nicht ansatzweise ahnen, dass es schon bald so weit sein würde. Doch weil der TSV Bayer Dormagen wegen personeller Probleme und eines eng getakteten Terminkalenders auf die Idee kam, im Rückraum für mehr Breite zu sorgen und die 3. Liga wegen Corona pausierte, steht der 23-Jährige seit Mitte Februar am Höhenberg unter Vertrag. Für ihn nicht nur der erhoffte Aufstieg in eine höhere Spielklasse, sondern auch die Chance auf ein Duell mit seinem Bruder. Wenn am Mittwochabend das Rückspiel der Dormagener in Nettelstedt ansteht, ist es so weit.

„Darauf freue ich mich. Denn weil Tom ein paar Jahre älter ist als ich, haben wir noch nie gemeinsam in einer Mannschaft, aber auch noch nie gegeneinander gespielt“, sagt Linus Skroblien. Allenfalls gemeinsam in einer Halle trainiert haben sie in der Jugend beim Heimtaverein SV Post Telekom Schwerin. Nach dem Wechsel in den Westen hat sich Linus Skroblien schon ganz gut eingelebt in Dormagen und könnte sich sehr gut vorstellen, auch über den Sommer hinaus zu bleiben. Ob daraus etwas wird, das hängt vermutlich in erster Linie von seinen Leistungen ab. Große Chancen sich zu zeigen, hatte er bislang aber nicht. In sechs Partien war er bisher dabei, lediglich bei der jüngsten Niederlage der Dormagener beim Tabellenführer HSV Hamburg gelang ihm von seiner Position im linken Rückraum ein Tor. Da hat Tom Skroblien beim TuS N-Lübbecke schon einen anderen Status. Mit 144 Treffern hat er nicht nur entscheidenden Anteil daran, dass die Nettelstedter ihrer Rolle als Aufstiegskandidat gerecht werden und aktuell auf Platz zwei rangieren. Als Nummer eins der Torjägerliste liefert er auch stichhaltige Argumente, um ihn für einen der besten, wenn aktuell nicht sogar für den besten Linksaußen der 2. Bundesliga zu halten.

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Wobei die Position in der Abgeschiedenheit des linken Flügels dazu führt, dass auf dem Feld eine direkte Begegnung mit seinem Bruder Linus sehr unwahrscheinlich ist. Denn der bekam seine bislang eher spärlichen Einsatzzeiten im linken Rückraum der Dormagener, also ziemlich weit entfernt. Doch Bayer-Coach Dusko Bilanovic ist sich der besonderen Bedeutung der Partie für seinen Schützling bewusst. Auch wenn in der aktuellen Phase andere Spieler die Nase vorne haben, will er möglichst dafür sorgen, dass zumindest beide gleichzeitig auf der Platte stehen. „Ich kann mir gut vorstellen, dass er ein paar Minuten bekommt“, sagt Bilanovic. Allerdings nicht nur aus Nächstenliebe, denn in Dormagen sind sie auch überzeugt von den Fähigkeiten des 23-Jährigen. „Er spielt einen guten Ball, ist körperlich sehr stark und auch schnell“, erklärt TSV-Pressesprecher Detlev Zenk.

Viel wird selbstverständlich auch vom Spielverlauf abhängen, denn auch wenn die Nettelstedter als Aufstiegskandidat und aktueller Tabellenzweiter gegen den Tabellensechsten Dormagen klarer Favorit sind, gedenkt Dusko Bilanovic keineswegs, sich schon im Vorfeld gedanklich mit einer Niederlage abzufinden. „Wir wollen da ein vernünftiges Spiel abliefern. Damit wir Zählbares mitnehmen können, muss aber jeder meiner Spieler sein höchstes Niveau erreichen“, meint Bilanovic. Wie es geht, zeigten die Domagener im Hinspiel, als sie in eigener Halle sogar an einem Sieg schnupperten und am Ende beim 25:25 einen Punkt verbuchen konnten. Damals ein ganz starker Rückhalt war Torwart Martin Juzbasic, der wegen seiner schweren Fingerverletzung aber weiter fehlt. Dafür ist der so wichtige TSV-Linksaußen Joshua Reuland dabei, der damals noch passen musste. Und eben Linus Skroblien, der seinem großen Bruder und damit den Nettelstedtern ganz sicher auch gerne ein Schnippchen schlagen würde.