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TSV Bayer Dormagen am Ende einer starken Saison erschöpft

2. Handball-Bundesliga : Erschöpft am Ende einer starken Saison

Die Zweitliga-Handballer des TSV Bayer Dormagen haben sich in der außergewöhnlichen Corona-Spielzeit mit Platz sieben weiter gesteigert. Dennoch gab es für den jungen Kader auch Rückschläge, einige Spieler blieben klar unter ihren Möglichkeiten.

Nach dem letzten Saisonspiel am Samstag daheim im TSV-Bayer-Sportcenter gegen den HC Elbflorenz war die Erleichterung überall zu spüren. Erleichterung darüber, dass eine Saison zu Ende ist, die als die wohl außergewöhnlichste der Vereinsgeschichte in die Annalen eingehen wird. Immer vorausgesetzt, das Thema Corona wird in der nächsten Spielzeit nicht mehr so präsent sein wie in der zurückliegenden. Dort war die Pandemie schon im Vorfeld ein bestimmender Faktor. Zunächst stand die Frage, ob nach dem Abbruch der Vorsaison überhaupt gespielt werden kann, dann die, ob Zuschauer in die Halle dürfen. Als sich das Thema Publikum wegen steigender Inzidenzen nach dem ersten Spieltag erledigt hatte, stand praktisch von Spieltag zu Spieltag zur Debatte, ob nicht wieder irgendein positiver Coronafall beim nächsten Gegner zu einer Spielabsage führt.

Mehrfach saßen die Dormagener schon im Reisebus zum nächsten Auswärtsspiel und wurde wieder zurückgepfiffen. Es spricht für den TSV, dass bei ihm nicht ein einziger Test positiv ausfiel. Letztlich war es wegen der ohnehin verlängerten Saison und der zahlreichen Nachholspiele sowie der Corona-bedingten Begleiterscheinungen eine physisch und mental extrem fordernde Saison. Vor diesem Hintergrund werden die Verantwortlichen des TSV Bayer Dormagen nicht müde zu betonen, was für eine tolle Saison ihre Mannschaft gespielt hat. Und in der Tat hat Trainer Dusko Bilanovic es geschafft, den TSV aufs nächste Level zu heben. Führte er die Dormagener nach der Rückkehr in die 2. Liga nach seinem Amtsantritt 2019 zunächst zum Klassenerhalt, so endete die wegen Corona abgebrochene Spielzeit 2020 auf dem zehnten Rang. In der abgelaufenen Saison etablierten sich die Dormagener in der oberen Tabellenhälfte und durften sogar lange von Platz vier träumen. Letztlich wurde es Rang sieben. Und das mit einem jungen Kader inklusive zahlreicher Eigengewächse und mit einem Etat, der nach bekunden der Dormagener im hinteren Drittel der 2. Liga liegt.

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Trotz des enttäuschenden Saisonauftakts daheim gegen den Aufsteiger Dessau-Roßlauer HV erspielten sich Dormagener schnell den Ruf einer Mannschaft, die einen ebenso attraktiven wie schnellen Offensivhandball praktiziert und das auf der Basis einer stabilen und aggressiven 6:0-Abwehr. Doch auffällig war, dass sich der TSV sowohl innerhalb mancher Spiele als auch von einer Partie zur anderen schwer Tat, Konstanz zu zeigen. Insbesondere die Favoritenrolle lag den Dormagenern nicht. Gerade als sie sich anschickten, in der Hinrunde so richtig durchzustarten, setzte es beim Kellerkind und jetzigen Absteiger Fürstenfeldbruck eine empfindliche Niederlage. Gegen die unorthodoxe, sehr offensive Deckung war der Bayer-Angriff viel zu unbeweglich und zu behäbig. Ein Phänomen, das im weiteren Saisonverlauf noch öfter zu beobachten war. Was sich auch wie ein roter Faden durch die Spielzeit zog: Der TSV beraubte sich selbst eines Stücks Unberechenbarkeit, weil er im Angriff verhältnismäßig selten über die Außenpositionen den Torerfolg suchte. Oftmals „verhungerten“ die Außenangreifer förmlich. Auf der anderen Seite stand die 6:0-Abwehr zwar meist kompakt, ließ aber über Außen auffällig viele Gegentreffer zu.

Ihre stärkste Phase hatten die Dormagener im Dezember, als sie nach der Niederlage in Hamburg drei Siege einfuhren und mit einem Remis gegen Titelanwärter Gummersbach in die WM-Pause gingen. Der zweite Saisonabschnitt war dann von schweren Verletzungen wichtiger Spieler geprägt, hinzu kam der überraschende Abgang von Julian Köster nach Gummersbach. Gleich im ersten Match des Jahres gegen Eisenach riss sich der erst im Sommer neu gekommen Torwart Martin Juzbasic, der sich zu einem enormen Rückhalt entwickelt hatte, ein Fingerglied ab und fehlte mehrere Monate. Später zog sich Linksaußen Joshua Reuland einen Kreuzbandriss zu und auch die wichtigen Rückraumspieler Alexander Senden und André Meuser fielen länger aus. Teils fehlten etliche Stammkräfte zeitgleich. Doch auch dank einer gewissen Breite im Kader und der guten Jugendarbeit gelang es immer wieder, die Ausfälle zu kompensieren. Immer wieder halfen Talente aus der A-Jugend erfolgreich aus, von denen Aron Seesing den größten Eindruck hinterließ. Die Mannschaft bewies Charakter und kam auch nach Rückschlägen zurück. So gab es auch gegen Topmannschaften immer wieder gute Ergebnisse. Herausragend sicher der 27:19-Auswärtssieg beim TuS Nettelstedt-Lübbecke Ende März.

Abnutzungserscheinungen physischer und mentaler Art gab es erst in der Endphase der Saison. Da kamen zwar verletzte Leistungsträger zurück, doch sie waren noch von ihrer Bestform entfernt und der Rest des Teams ging teils auf dem Zahnfleisch. Mittelmann Ian Hüter beispielsweise bekam viel zu wenig Entlastung und wirkte überspielt. Auch sein Bruder Patrick kam als Abwehrchef und Kreisläufer an seine Grenzen. Auf den Halbpositionen musste nach den Ausfällen von Senden und Meuser viel experimentiert werden. Das lag auch daran, dass Ante Grbavac auf Halblinks eine erschreckend schwache Saison spielte und als Alternative kaum noch in Frage kam. Und auf der anderen Seite fehlte dann auch noch lange Fynn Johannmeyer verletzt. Wobei auf Halbrechts eigentlich auch noch Carlos Iliopoulos zur Verfügung stand. Doch der Grieche war einer von zwei Sommer-Verpflichtungen, die sich sportlich als fatale Fehlgriffe erwiesen. Iliopoulos machte in der ganzen Saison nur ein überzeugendes Spiel, einfach viel zu wenig. Die vorzeitige Trennung war da nur konsequent. Das gilt auch für Kreisläufer Antonio Juric, der sich der HSG Krefeld in der 3. Liga anschließt. Bis auf weniger Ausnahmen wirkte er völlig deplatziert im TSV-Angriff, zudem mangelte es ihm an körperlicher Fitness.

Der überzeugendste Neuzugang war ohne Zweifel Torwart Martin Juzbasic, den die Dormagener in der kommenden Saison wieder in Topform brauchen werden, um in einer 2. Liga mit starken Erstliga-Absteigern und starken Drittliga-Aufsteigern eine ähnlich starke Saison spielen zu können. Personell haben die verantwortlichen jedenfalls zeitig versucht, an den richtigen Schrauben zu drehen. „Wir wollen unseren Kader verkleinern, dafür aber die Qualität erhöhen“, erklärt Dusko Bilanovic. Im September wird sich zeigen, wie das gelungen ist.