Lokalsport : Treffen der Elite

Detlev Zenk hat eine Sorge: "Hoffentlich gewinnt die Ahlener SG am Freitag Abend nicht mit 31:27." Das wäre nämlich genau das Hinspielergebnis gegen den TSV Bayer Dormagen. Und in diesem Fall (allerdings nur in diesem, sonst zählen bei Gleichstand die auswärts mehr erzielten Tore) gäbe es eine Verlängerung im TSV-Bayer-Sportcenter.

Die würde aber den sorgsam ausgeklügelten Zeitplan für den Grand Prix der Bundesrepublik Deutschland durcheinander bringen. Denn gleich nach dem Schlusspfiff des heutigen Relegationsspiels werden zwanzig Helfer des AC Ückerath nebst Hausmeistern ausschwärmen, um den Handballtempel am Höhenberg in ein Ringerzentrum zu verwandeln.

Und dabei ist Eile geboten, denn am Samstag früh um 9.30 Uhr sollen auf den vier Matten schon die ersten Kämpfe ausgetragen werden. Zenk ist optimistisch, dass Halle und Helfer diese Bewährungsprobe meistern werden: "Um drei Uhr morgens wollen wir fertig sein", verrät der Vorsitzende des AC Ückerath, der zum dritten Mal in Folge den Grand Prix auf fremdem Parkett ausrichtet. Ein Parkett, das Samstag Nacht für einige zum Schlafsaal wird: Weil sie Samstagfrüh schon am Kampfrichtertisch sitzen müssen, "übernachten einige unserer Helfer gleich in der Halle", sagt Zenk.

Die Ringerinnen sind dagegen im Dormotel untergebracht. Allerdings nicht alle. Denn mit rund 300 Teilnehmerinnen aus 16 Nationen kann der Grand Prix in diesem Jahr einen Teilnehmerrekord vermelden. ACÜ-Geschäftsführer Günter Suling und Ehefrau Bärbel mussten deshalb noch weitere Übernachtungsmöglichkeiten buchen.

Überhaupt ist bei einem Turnier dieser Größenordnung eine gewisse Improvisationskunst gefragt: Die russische Delegation zum Beispiel meldete erst am Donnerstag am späten Nachmittag die genaue Zahl ihrer Ringerinnen und Betreuer - und brachte die Ückerather erst mal zum Schlucken: "Die kommen mit 40 Leuten, da müssen wir noch einiges bewegen", sagt Zenk.

Die Russinnen unterstreichen noch einmal das Motto, das der ACÜ-Vorsitzende dem Turnier verpasst hat: "ein Treffen der Elite". Im internationalen Feld, das von den Athletinnen aus Russland, Schweden, Frankreich, Spanien und Kanada angeführt wird - "eigentlich fehlt nur Japan", sagt Zenk, "dann hätten wir fast eine Weltmeisterschaft" - wollen auch die deutschen Ringerinnen ein gewichtiges Wörtchen mitreden.

"Für den gesamten weiblichen Bundeskader ist unsere Veranstaltung ein 'Muss'", weiß Bärbel Suling. Schließlich ist das 9. Hans-von-Zons-Turnier das einzige Weltcup-Turnier für Frauen, Juniorinnen und Kadetinnen in Deutschland.

Entsprechend groß ist die Konkurrenz für die Lokalmatadorinnen, die möglicherweise geschwächt an den Start gehen müssen: Am Donnerstag stand jedenfalls noch nicht fest, ob Olympiateilnehmerin Stephanie Groß die heimischen Farben in der Klasse bis 63 Kilogramm vertreten kann. "Sie ist leicht angeschlagen, will kein gesundheitliches Risiko eingehen", hat Zenk Verständnis für die Zurückhaltung der Ückerather Vorzeige-Athletin.

Auf den Auftritt einer anderen ist selbst der ACÜ-Vorsitzende gespannt: "Sie sehen wir ja nicht so häufig", sagt er über die frischgebackene Vize-Europameisterin in der Klasse bis 51 Kilogramm Alexandra Engelhardt, die mit ihrem ebenfalls zur Ringer-Nationalmannschaft gehörenden Mann in Schifferstadt lebt, aber für den ACÜ startet. Natascha und Ramona Ballas sowie der erstmals in der Frauenklasse startenden Lisa Hug (67 Kilogramm) traut der Ausrichter gleichfalls Medaillenchancen zu.

Los geht's am Samstag um 9.30 Uhr mit den Vorkämpfen, die offizielle Eröffnung ist für 14 Uhr vorgesehen. Der Sonntag sieht ab 9.30 Uhr die Finals der Kadetinnen und ab 11.30 Uhr die der Frauen und Juniorinnen. Zenk wünscht sich übrigens noch aus einem anderen Grund, dass Ahlen am Freitag nicht mit 31:27 gewinnt: Schließlich ist er Fan des TSV.

(NGZ)