NHV unterlag auch im zweiten Halbfinale dem Hastedter TSV: Traum vom Einzug ins DHB-Finale zerplatzte

NHV unterlag auch im zweiten Halbfinale dem Hastedter TSV : Traum vom Einzug ins DHB-Finale zerplatzte

Der Traum von der ersten Teilnahme eines Neusser Teams am Finale um die Deutsche Jugendhandball-Meisterschaft war Sonntag exakt um 15.52 Uhr ausgeträumt. Mit einem Tempogegenstoß hatte Manuela Aigner den Hastedter TSV in der mit 350 Zuschauern gefüllten Hammfeldhalle unter dem Jubel der mitgereisten Bremer Fans mit 16:14 in Führung gebracht und damit den Widerstand der bis dahin aufopferungsvoll kämpfenden Neusser Mannschaft gebrochen.

Am Ende hatten die Bremerinnen mit 25:18 (9:9) die Nase vorn und sich nach dem 27:22-Hinspielsieg auch im zweiten DHB-Halbfinale der weiblichen B-Jugend deutlich durchgesetzt. Nun stehen die Bremerinnen im Finale gegen den FHC Frankfurt/Oder. "Ich kann jetzt nichts mehr sagen", war dann auch ein sichtlich bewegter NHV-Trainer Norbert Ludwig sprachlos, sonst eher ein Freund der ausgewogenen Analyse. Der Coach, der den Verein nach vielen Jahren erfolgreicher Arbeit verlässt, hatte sich abseits eine ruhige Ecke gesucht, blickte fast abwesend auf das Spielfeld, und in seiner Stimme klang Wehmut.

Die Gedanken kreisten um zahlreiche Niederrhein-Meisterschaften und WHV-Titel, die Ludwig in die Quirinusstadt holte. All das war gestern Nachmittag Geschichte, das Kapitel NHV für ihn wie für Jugend-Nationalspielerin Maike Daniels, die zum HC Leipzig wechselt, abrupt beendet. Dabei hatte es zu Beginn der Partie noch darnach ausgesehen, als könne der amtierende Westdeutscher Meister dem norddeutschen Titelträger durchaus das Leben schwer machen.

Anne Mostert, Maike Daniels und zweimal Katrin Wypyrscyk sorgten für eine schnelle 4:2-Führung der Gastgeberinnen, die sich offenbar eine Menge vorgenommen hatte. Bei Gäste-Trainer Jörg Franke lagen dagegen die Nerven blank: Schon nach 30 Sekunden stauchte er seine sichtlich überraschten Spielerinnen zusammen und ließ im Laufe der Partie - begleitet vom Kopfschütteln der eigenen Schützlinge - zahlreiche weitere Schimpftiraden folgen. Doch im Gegensatz zu ihrem impulsiven Trainer hatten die Gästespielerinnen ihr Nervenkostüm durchaus im Griff und warteten auf ihre Chance.

Obwohl Jugend-Nationalspielerin Natalie Hagel, Teamkollegin von Maike Daniels im DHB-Dress, keinesfalls überragend agierte, fanden die Bremerinnen zurück ins Spiel. Als Christin Meyer die nun konzentrierter zu Werke gehenden Gäste mit 7:6 (13.) erstmals in Führung brachte, ahnte NHV-Trainer Ludwig, dass da schon eine Ausnahmeleistung fällig sein musste, um Bremen doch noch einmal zu gefährden. Doch Neuss zog zwar noch einmal auf 9:7 davon - es sollte aber das einzige Mal bleiben, dass der NHV in die Nähe des so dringend benötigen Fünf-Tore-Vorsprungs geraten sollte.

Denn nach der Pause gelang es den Neusserinnen nicht mehr, sich einmal entscheidend abzusetzen und sich somit in einen Lauf zu spielen. Als Anastasia Geis-Linemann zum 15:14 traf und wenig später Manuela Aigner per Tempogegenstoß auf 16:14 (35.) erhöhte, war es um den NHV geschehen. Die junge Mannschaft brach auseinander und ergab sich ihrem Schicksal. Vor allem die Bremerin Jacqueline Reinhold nutzte nun die sich bietenden Chancen konsequent und markierte allein im zweiten Durchgang sechs Treffer. Für den NHV endete damit trotz des Ausscheidens eine höchst erfolgreiche Saison.

Das Ludwig-Team gewann die Niederrhein-Meisterschaft und den WHV-Titel und geht als eine der stärksten Jahrgänge in die Vereinsgeschichte ein. Auch die Jugendabteilung verdiente sich ein dickes Lob: Das DHB-Halbfinale war in allen Belangen vorzüglich organisiert, ganz im Gegensatz zum Relegations-Heimspiel der Verbandsliga-Herren, das an gleicher Stätte vor rund zwei Wochen recht turbulent über die Bühne ging.

Neusser HV: Lacher (ab 35. Boughediri); Daniels (2), Decker, Linnecken, Margenko (2), Mostert (4/2), Patock (1), Wydra (5/1), Wypyrscyk (3), Vascovic (1), Nadgornaya. -tobi

(NGZ)
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