Trainer John F. Bruhnke kommt mit den Tigers der TG Neuss nach Hause

Basketball : Der neue Coach ist mit der TG Neuss zu Hause

Nach neun Jahren in Uerdingen hat John F. Bruhnke wieder Lust auf Bundesliga-Basketball. Arbeit am Kader für die Saison 2019/20 beginnt.

Die Tinte unter dem am Mittwochabend unterschriebenen Vertrag war noch nicht trocken, da machte sich John F. Bruhnke ans Werk. Der neue Coach des Basketball-Zweitligisten TG Neuss Tigers nahm Kontakt zu allen Spielerinnen auf, bat jede um ein persönliches Gespräch.

Dabei betritt der 55-Jährige ganz und gar kein Neuland. Mit Jana Heinrich, immer noch unverzichtbare Führungskraft im Team, verbinde ihn sogar ein „traumatisches Erlebnis“, verrät er schmunzelnd: Im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft der Altersklasse U20 biss er sich 2005 als Trainer von New Basket Oberhausen an den „Twin Towers“ der ChemCats Chemnitz, Jana Heinrich und Romy Bär, die Zähne aus. „Obwohl wir bis zum Schluss nichts unversucht ließen, haben wir das Spiel mit 64:66  verloren.“ Wenn das mal nicht der Beginn einer wunderbaren Freundschaft war ...

Auch gegen die damals noch für die BG Rotenburg/Scheeßel tätige Tigers-Scharfschützin Franziska Worthmann ist er mit Oberhausen, wo er an der Seite von Julia Gajewski 2005 als bester Erstliga-Trainer ausgezeichnet wurde, schon angetreten. Centerin Britta Worms, 2017 mit dem TSV Wasserburg Deutscher Meister, schätzt er für ihre Fähigkeit, „Probleme sehr offen und reflektiert zu benennen. Denn ich bin ein großer Freund davon, Dinge schnellstmöglich auf den Tisch zu bringen, solange sie noch klein sind.“ In Sachen Kaderplanung gilt für ihn das Motto: „If it ain't broke, don't fix it.“ Man soll nicht reparieren, was nicht kaputt ist. Konkret: „Ich wäre schlecht beraten, große Veränderunen vorzunehmen. Die Team-Chemie, die man als Trainer immer sucht, aber oft nicht findet, stimmt ja.“ Da vertraut er auch auf die Kompetenz von Abteilungsleiterin Angela Krings, die die Tigers auf der Zielgeraden der vergangenen Saison nach der Trennung von Antoine Braibant als Interimstrainerin zu fünf Siegen in Folge geführt hatte. „Sie ist eine intime Kennerin der Mannschaft und weiß, wie es läuft.“

Dass sein Vorgänger letztlich an dem Versuch scheiterte, dem Team eine neue Spielphilosophie aufzudrücken, ist ihm natürlich nicht entgangen, die Arbeit seines Trainerkollegen lässt er indes unkommentiert. „Vielleicht“, vermutet er stattdessen, „war die Mannschaft nach den erfolgreichen Jahren unter Janina Pils noch nicht offen für Neues.“ Darum liegt ihm sehr viel daran, seine Mädels darauf einzuschwören, gemeinsam für ein Ziel zu kämpfen. „Der Faktor Zusammenhalt ist von ganz entscheidender Bedeutung, denn du kannst in dieser Liga nicht reich werden.“ Sehr sympathisch findet er zudem die Idee der Tigers, Talente aus eigener Produktion auf diesem Niveau zu etablieren. „Der Verein hat geliefert – jetzt wollen wir die Mädchen, die jungen Damen, in der 2. Liga sehen.“

Der neue Coach, ausgestattet mit dem A-Schein des Deutschen Basketball-Bundes (DBB), brennt auf sein Comeback, das ein Musterbeispiel für perfektes Timing ist: 2009 „später Vater“ geworden, hatte er seine professionellen Aktivitäten im Basketball eingestellt. Sein Engagement bei den Herren des SC Bayer 05 Uerdingen sei „ein bewusster Schritt zurück“ gewesen. Doch nach neun Jahren auf Regionalliga-Ebene habe er wieder Lust auf mehr bekommen. Schon vor einem Jahr war er bereit für die TG Neuss, doch da machte Braibant das Rennen. Als Angela Krings nun wieder vorsprach, bat der Sportlehrer an der GGS Körnerschule  in Viersen (seit August 2018) um zwei Tage Bedenkzeit. „Und dann habe ich zugesagt.“ Weil es sich richtig anfühlte: „Angela hat da offene Türen eingerannt. Das ist für mich ein bisschen wie nach Hause kommen.“

Das aus Opladen zurückgekehrte US-Girl Briana Williams hat schon unterschrieben, in gut zwei Wochen soll das Team für die Saison 2019/2020 grundsätzlich stehen. Trainingsauftakt ist am 19. August.

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