Tischtennis : Topspieler machen sich rar

Mit 285 Startern verzeichneten die Tischtennis-Kreismeisterschaften im Vergleich zu den Vorjahren ein Teilnehmerplus. Bei den Erwachsenen fehlten allerdings die besten Spieler.

Es gab Zeiten, da waren die Tischtennis-Kreismeisterschaften ein Ereignis. Da war es auch für die besten Spieler eine Selbstverständlichkeit, sich mit der heimischen Konkurrenz zu messen und so die Voraussetzungen zu erfüllen, sich für Bezirks-, Landes- oder Deutsche Meisterschaften qualifizieren zu können.

Bei den Titelkämpfen am Wochenende in der Neusser Hammfeldhalle verzeichneten Ausrichter 1. NTTC Nordstadt und der Kreisverband mit insgesamt 285 Startern zwar erfreut ein Teilnehmerplus im Vergleich zu den Vorjahren, doch auffällig war, dass in Gestalt der DJK Holzbüttgen und der TG Neuss die führenden Klubs in der A-Klasse der Männer mit ihren Topspielern nicht vertreten waren. Und auch bei den Frauen hat der Kreis in der Breite qualitativ eigentlich mehr zu bieten.

Wobei sich das Problem bei den Damen dadurch relativiert, dass in Nina Mittelham, Lisa Berg und Katja Brauner drei Zweitliga-Spielerinnen der DJK Holzbüttgen gemeldet hatten, aber wegen ihrer guten Vorleistungen freigestellt wurden. Hinzu kommt, dass sich gerade im weiblichen Nachwuchs einiges getan hat und jetzt junge Spielerinnen wie Kreismeisterin Jana Vollmert und ihre Endspielgegnerin Melina Huremovic (beide DJK Holzbüttgen) schon gestandenen Akteurinnen den Rang abgelaufen haben.

Dennoch gibt es gute Spielerinnen, die einen Bogen um die Kreismeisterschaften machen. Für sie dürften dieselben Beweggründe gelten, die Ralf Peerenboom in seiner Funktion als Abteilungsleiter der TG für die Abwesenheit der Neusser Oberligaspieler nennt: "Die Meisten sind in einem Alter, in dem Einzelwettbewerbe nicht mehr so interessant sind. Wenn sich neben den vielen Wochenenden, die für Meisterschaftsspiele draufgehen, mal Freiräume ergeben, genießt die Familie Priorität."

Kreismeister Daniel Porten vom Verbandsligisten TTC Grevenbroich, der am Sonntag das Finale gegen seinen Teamkameraden Janos Pigerl nach 1:3-Rückstand noch 4:3 gewann, hätte sich sicher auch gerne mit Spielern wie Sebastian Schwarz (TG Neuss) oder Marcel Leines (DJK Holzbüttgen) gemessen.

Denn in der Meisterschaft gibt es dazu keine Gelegenheit. Auch Kreissportwart Bodo Förster hat den Qualitätsverlust schon länger registriert, er sieht die Umstrukturierungen im Verband als Hauptgrund. Anstatt drei gehören jetzt acht Kreise zum Bezirk Düsseldorf, die Konkurrenz um die Startplätze bei den weiterführenden Meisterschaften ist also viel größer geworden. "Dem wollen sich viele nicht mehr stellen. Die Fusionen sind teilweise an den Sportlern vorbei gelaufen", sagt Förster.

Überlegungen, wie die Titelkämpfe für die Topspieler wieder attraktiver gemacht werden könnten, gibt es im Kreisverband noch nicht. "Vielleicht sollten Vereine und Kreis sich mal zusammensetzen und über attraktivere Austragungsformen nachdenken", regt Ralf Peerenboom an, "heute braucht alles einen Eventcharakter, sonst ist es selbst im Profibereich schwer, Menschen anzulocken."

(NGZ)