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Sportlerwahl: Topringer mit dem Blick fürs Wesentliche

Sportlerwahl : Topringer mit dem Blick fürs Wesentliche

So richtig kann Patrick Loes es gar nicht glauben, dass ihn die Leser der Neuß-Grevenbroicher-Zeitung zu ihrem Sportler des Monats März gewählt haben. "Ehrlich?" fragt er gestern erstaunt, als der Ringer des Bundesligisten KSK Konkordia Neuss gestern Mittag die gute Nachricht erfuhr, und stellte dann befriedigt fest: "Ist ja cool!"

Cool ist genau das richtige Stichwort. Denn wie der Deutsche Vizemeister in der Gewichtsklasse bis 84 Kilogramm seinen anstrengenden Alltag meistert, ist wirklich ausgesprochen lässig. Neben dem Leistungssport zieht der 23-Jährige nämlich an der Uni Wuppertal auch noch ein reguläres Studium (Sport und Geschichte) durch. Zudem ist er seit 2009 als Trainer am Bundesstützpunkt für Frauen in Ückerath im Einsatz. "Ich kann's ganz gut mit den Mädels", sagt er schmunzelnd. Ein Job mit Perspektive. "Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass damit später mal auch hauptberuflich was geht." Halbtags als Lehrer arbeiten und dann ab auf die Matte, so in etwa stellt sich der Spitzenathlet seine Zukunft vor. Vorher aber will er als Aktiver noch die internationale (Ringer-) Welt rocken. Die Olympischen Spiele 2012 in London – warum eigentlich nicht? "Vielleicht klappt es aber auch erst 2016 in Rio de Janeiro." Patrick Loes ist da durchaus flexibel.

Genauso hält er es mit den Verhandlungen in Sachen Vertragsverlängerung. Erste Gespräche mit dem beim KSK für fast alles zuständigen Vorsitzenden Hermann J. Kahlenberg sind bereits gelaufen. "Einig sind wir uns noch nicht geworden", verrät der Freistilspezialist, macht sich jedoch keine ernsthaften Sorgen. "Herr Kahlenberg findet sicher einen Weg – es liegt bei ihm. Ich würde jedenfalls gerne in Neuss bleiben." Dabei geht es keinesfalls um Millionen. Dass Ringer in Deutschland trotz weitaus höherem Trainingsaufwand von den Gehältern eines Profifußballers nur träumen können, stört Loes nur gelegentlich. Er sieht's lieber positiv: "Ich habe gelernt, mich zu organisieren, meinen eigenen Weg zu finden. Die Erfahrungen, die ich jetzt mache, kann ich später als Trainer sicher mal gut an meine Schützlinge weitergeben." Ein wenig mehr Unterstützung, vor allem von Verbandsseite, fände er trotzdem gar nicht so verkehrt. "Alles geht nur über die Bundeswehr, Studenten wie ich werden eher weniger gefördert." Ein Problem hat er damit indes nicht – Ärger verbaut nur den Blick auf die ganz großen Ziele, etwa die Weltmeisterschaften im September im türkischen Istanbul.

Ziemlich klar ist ihm, dass seine berufliche Zukunft im Rheinland liegt. "Saarbrücken, und da vor allem meine Großeltern, ist meine Heimat, aber hier in NRW gibt es einfach viele bessere Möglichkeiten für mich."

Rita Lachowitz aus Grevenbroich hat den Trainingsgutschein im Wert von 50 Euro der medicoreha Neuss gewonnen.

(NGZ)