Korschenbroich : Tipps für den Schulwechsel

Mehr als 300 Eltern in Korschenbroich suchen in diesen Tagen nach der richtigen Schulform für ihr Kind. Sie dürfen frei wählen zwischen Gymnasium, Haupt- und Realschule. Was Korschenbroicher Pädagogen raten.

Die Suche begann am Mittwochabend in einer halbvollen Aula. Mehr als 100 ratsuchende Eltern hatten sich zumeist in die hinteren Stuhlreihen verzogen, als vorne die vier Schulvertreter ihre Lehranstalten in den höchsten Tönen lobten.

"Ich habe keine Ahnung, auf welche Schule ich meine Tochter schicken soll", sagte eine besorgte Mutter, die die Info-Veranstaltung der Stadtschulpflegschaft im Gymnasium Korschenbroich besuchte. Diese Frage stellt sich nun für die Eltern von insgesamt 302 Korschenbroicher Kindern, die im Sommer 2012 auf eine weiterführende Schule wechseln.

Seitdem die Empfehlungen, die die Grundschullehrer den Kindern mit dem Halbjahreszeugnis auf den Weg geben, nicht mehr verbindlich sind, können Eltern die Schulform frei wählen. Das setzte die Landesregierung um, um dem Elternwillen stärker gerecht zu werden. Die Eltern erhalten nun von den Grundschullehrern eine Hauptempfehlung und eine Einschränkungsempfehlung, welche Schule die richtige für das Kind ist. Für jedes Kind gibt es einen Anmeldeschein, Doppelanmeldungen sind demnach ausgeschlossen.

Jutta Winkler, Leiterin der Guttenberg-Grundschule in Kleinenbroich, empfahl den Eltern trotz der freien Wahl: "Hören Sie auf die Empfehlungen der Lehrer. Deren Beobachtung ist objektiv." Wenn Kinder auf die für ihre Förderung falsche Schulform geschickt würden, könnten die Auswirkungen drastisch sein: Misserfolge, Stress, Unlust.

"Und das wirkt sich auch auf die Familie aus", sagte Jutta Winkler. Kinder mit Hauptschulempfehlung, die auf ein Gymnasium oder eine Realschule geschickt werden, können zwar nach der Probephase im fünften und sechsten Schuljahr noch auf die Hauptschule wechseln, wenn es nicht funktioniert hat. In diesem Jahr kamen so neun Kinder ins siebte Schuljahr der Hauptschule Kleinenbroich hinzu.

Dann hätten es die Schüler aber schwerer, als wenn sie von Beginn an die Hauptschule besucht hätten, sagte Dieter Roland, Leiter der Hauptschule Kleinenbroich: "Ich habe eine Hauptschul-Empfehlung noch nie als Fehler erlebt." Und Andreas Müller von der Realschule riet: "Die Kinder aufzubauen ist immer der bessere Weg, als für Frustration zu sorgen."

Die Lehrer bekräftigten wie gestern auch Hans-Peter Walther vom Schulamt der Stadt, dass beide Schulformen in Korschenbroich derzeit nicht in Gefahr seien. In Kaarst und in Jüchen entstehen Sekundarschulen, in Korschenbroich ist die neue Schulform kein Thema. "Sekundarschulen entstehen dann, wenn Haupt- und Realschule in ihrer Existenz bedroht sind. Da besteht bei uns aber kein Bedarf", sagte Walther. "Unsere Schulformen sind alle gesund."

(NGZ/rl)