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Tim Giesen/Stefanie Frohberg: Besser als die Olympiasieger in Peking!

Eistanzen : Besser als die Olympiasieger in Peking

Beim Grand Prix 2009 in Lake Placid lassen Stefanie Frohberg und Tim Giesen die Medaillengewinner der Winterspiele 2022 in China hinter sich. Aber schon zwei Jahre später macht das Eistanzpaar des Neusser Schlittschuh-Klubs Schluss.

Was wäre gewesen, wenn? Wenn Tim Giesen und seine Partnerin Stefanie Frohberg ihre Karriere im Eistanzen 2011 nicht Knall auf Fall beendet hätten? Hätte das talentierte Paar des Neusser Schlittschuh-Klubs (NSK) gar bei Olympia für Furore gesorgt?

Fakt ist: Fast das gesamte Podium bei den Winterspielen in Peking gewann einst im direkten Duell mit dem NSK-Duo keinen Blumentopf. Bis heute unvergessen – das legendäre Finale beim hochkarätig besetzten Grand-Prix in Lake Placid (USA). Mit Beginn der Kür zu „La Mer“ des französischen Chansonniers Charles Trenet sei es mucksmäuschenstill in der großen Eissporthalle geworden, erinnert sich NSK-Vorsitzender Ulrich Giesen noch gut. „Man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Steffie und Tim versetzten quasi die ganze Halle in eine Art Bann. Der anschließende Applaus war fantastisch.“ Selbst einigen Preisrichtern sei es vor Begeisterung „kalt den Rücken heruntergelaufen.“ Giesen/Frohberg belegten in Lake Placid am Ende nur den undankbaren vierten Platz. Bemerkenswert aber: Gabriella Papadakis/Guillaume Cizeron aus Frankreich, amtierende Weltmeister und Olympiasieger von Peking, schlossen den Grand Prix auf dem 15. und damit letzten Platz ab. Victoria Sinitsina, die in China mit Nikita Katsalopov Silber für Russland holte, wurde an der Seite von Ruslan Zhighanshin Fünfte, der Spanier Adrian Diaz, bei Olympia mit Olivia Smart Achter, schaffte es mit seiner damaligen Partnerin Sara Hurtardo nur auf Rang zehn. Der jetzt für Kanada startende Olympia-Neunte Nikolai Sorensen kam 2009 noch für Dänemark mit Katelyn Good auf den neunten Platz. Und last but not least: Auch die Bronzemedaillengewinnerin von Peking, Madison Hubbel (USA), lag  bei der Junioren-Weltmeisterschaft 2010 mit ihrem Bruder nur knapp vor dem Neusser Paar.

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Trotz auch schon internationaler Erfolge traten Giesen/Frohberg, als Juniorenmeister gerade zu Hoffnungsträgern der Deutschen Eislauf-Union avanciert, jedoch 2011 zurück, „weil sie in Deutschland keinen adäquaten Trainingsort mehr fanden und ein Training im Ausland nicht infrage kam, da beide ihre Berufsausbildung und ihr Studium zügig abschließen wollten“, sagt Ulrich Giesen. Sein Sohn bedauerte diesen radikalen Schritt damals sehr, zumal „wir sportlich noch etwas hätten reißen können“, doch „eine richtige Unterstützung durch den Deutschen Olympischen Sportbund, die Sporthilfe, die DEU und Sponsoren gibt es eigentlich im Eislaufsport nicht. Weil der Fachverband kein Geld hat, sind wir voll von der Unterstützung der Eltern abhängig.“

Ein Weitermachen, fügt Ulrich Giesen erklärend hinzu, „hätte in dieser Nischensportart bis heute über elf Jahre ein mehrstündiges, tagtägliches Training, eventuell Verletzungen und wahrscheinlich keinen Berufsabschluss bedeutet. Dies sollte man wissen, wenn man sich so im Fernsehsessel zu Hause die Olympiaberichte ansieht und sich abwertend über das Abschneiden der deutschen Eistänzer und Eiskunstläufer äußert.“ Obwohl die Möglichkeit bestehe, nach der Karriere eine Saison bei Holiday-on-Ice mitzutingeln, sei eben mit Eiskunstlaufen und Eistanzen kein Geld zu verdienen – berufliche Perspektive gleich null. „Von den 20 Paaren an dem finalen olympischen Kürwettbewerb im Eistanzen in Peking trainierten alleine elf im Eistanztrainingszentrum im kanadischen Montreal. Wenn man da mithalten will, muss man erst einmal die richtigen Sponsoren finden, die einem den Aufenthalt und das nicht ganz preiswerte Training finanziert – die Deutsche Eislauf-Union hat diese Mittel nämlich nicht.“

Für die Hoffnungsträger von einst ist mit dem starken Abschneiden ihrer einstigen Rivalen bei den Olympischen Winterspielen indes kein „zorniger Blick“ zurück verbunden. Beide haben ihren Weg gemacht: Tim Giesen, mittlerweile 31 Jahre alt, lebt in Berlin und arbeitet dort nach Abschluss seines Studiums der Volkswirtschaft als Abteilungsleiter bei der Deutschen Kreditbank (DKB). Auch Stefanie Frohberg blieb nach ihrer akademischen Ausbildung, „Lehramt an Grundschulen“, in der Bundeshauptstadt und ist ihrem Sport als Trainerin weiterhin verbunden. „Sie sehen sich drei, vier Mal im Jahr und gehen dann auch noch mal aufs Eis“, weiß Ulrich Giesen. 2018 beeindruckten sie mit ihrem gemeinsamen Auftritt beim Neusser Eismärchen des NSK.