2. Handball-Bundesliga : Tiefer Durchhänger beim TSV Bayer Dormagen

Trotz des Rückenwindes vom Sieg in Lübeck lief im Zweitliga-Nachholspiel beim TV Großwallstadt für Bayer Dormagen so gut wie nichts zusammen. Am Ende stand mit 27:35 die höchste Saisonniederlage. Am Freitag geht’s schon weiter.

Handball-Zweitligist TSV Bayer Dormagen bleibt sich treu. In den vergangenen Wochen präsentiert er sich regelmäßig als launische Diva. So folgten auf Gala-Auftritte eher überraschende Punktverluste auch gegen Teams aus dem Tabellenkeller. Doch so einen heftigen Absturz wie am Dienstag im Nachholspiel beim TV Großwallstadt erlebte der TSV bislang noch nicht. Hatte er am Freitag zuvor beim VfL Lübeck-Schwartau aller Personalprobleme zum Trotz noch mit einem 32:27-Sieg geglänzt, war er bei den Großwallstädtern unter dem Strich völlig chancenlos und kassierte mit 27:35 (9:18) die bislang höchste Saisonniederlage. Lange Zeit bleibt aber nicht, um diesen heftigen Durchhänger aufzuarbeiten. Schon am Freitag (19.30 Uhr) steht das Heimspiel gegen den Wilhelmshavener HV an.

Dass es Schlag auf Schlag geht, ist TSV-Coach Dusko Bilanovic vor dem Hintergrund der dürftigen Vorstellung am Dienstag allerdings nicht unrecht: „So haben wir keine Zeit, groß nachzudenken. Wir gucken nach vorne und versuchen, aus unseren Fehlern zu lernen.“ Allerdings hatte es den Anschein, als sei genau dieser Corona-bedingt dichte Spielplan mit dafür verantwortlich gewesen, dass die Dormagener Spieler in Großwallstadt irgendwie ausgepowert wirkten und sich gerade in der entscheidenden Phase der ersten Spielhälfte zu viele Unkonzentriertheiten leisteten. Als Patrick Hüter das 4:4 (8.) erzielte, sah es noch nach einem Match auf Augenhöhe aus, doch insgesamt acht technische Fehler vor der Pause brachen den Dormagenern das Genick und ermöglichten den Gastgebern viele leichte Treffer. Nach dem Tor von Jakub Sterba (18.) zum 8:12 wäre Dormagen bis zur Pausen fast komplett leer ausgegangen, nur das 9:18 von Alexander Senden kurz vor der Halbzeit verhinderte das.

  • Alexander Senden traf fünfmal gegen Großwallstadt.
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  • Keine leichten Tore aus dem Rückraum:
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  • Maximilian Hinrichs traf vier Mal für
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„Es gibt solche Tage, wo beim Gegner alles klappt und bei der eigenen Mannschaft gar nichts“, sagte Bilanovic. Dennoch wollte er die sich anbahnenden Packung nicht so einfach hinnehmen und versuchte, seinen Spielern in der Kabine einzuhämmern, dass die Wende noch möglich sei, wenn sie einen ähnlichen Lauf bekämen wie die Gastgeber. Doch etliche unglückliche Aktionen zu Beginn des zweiten Spielabschnitts ließen schnell erahnen, dass das nur Wunschdenken war. Zwischenzeitlich zogen die Gastgeber sogar auf zwölf Tore davon. „Wir haben hinten viel geblockt und Druck auf die Dormagener Rückraumschützen ausgeübt“, stellte Großwallstadts Coach Ralf Bader fest, „und vorne haben wir immer wieder gute Lösungen gegen die eher offensive Deckung gefunden.“

Selbst als sein Kollege Dusko Bilanovic im zweiten Durchgang auf eine 5:1-Abwehr umstellte, brauchten die Gastgeber nicht lange, um sich darauf einzustellen. Auch die Umstellungen im Dormagener Rückraum im Spielverlauf zeigten keine Wirkung. Egal ob Ante Grbavac, Alexander Senden und Linus Skroblien auf Halblinks oder Benjamin Richter und Moritz Görgen auf Halbrechts, kein Wechsel zeigte nachhaltige Wirkung. „Wir haben aus dem Rückraum zu wenig Druck erzeugt. Und wenn wir uns doch mal Chancen erspielt haben, wurden sie zu leichtfertig vergeben“, erklärte Bilanovic. Wobei an der mangelnden Chancenverwertung auch TVG-Torwart Jan Steffen Redwitz mit zehn Paraden seinen Anteil hatte.

Trotz allem wollte Bilanovic den Abend in Großwallstadt nicht vollends als misslungen abhaken. So gefiel ihm, dass sich seine Jungs trotz des zwischenzeitlichen Zwölf-Tore-Rückstands weiter wehrten und durch einen 4:1-Lauf in der Schlussphase sowohl eine Niederlage mit einem zweistelligen Rückstand verhinderten als auch die zweite Hälfte mit 18:17 für sich entschieden. Dass daran auch Torwart Martin Juzbasic mit starken Aktionen inklusive zweier gehaltener Siebenmeter seinen Anteil hatte, war für den TSV-Coach ein zusätzlicher positiver Aspekt. Hatte Juzbasic nach seinem monatelangen Ausfall gegen Lübeck nur für zwei Siebenmeter im Tor gestanden, kam er am Dienstag ab der 12. Minute für Sven Bartmann. „So konnte er wichtige Spielpraxis sammeln. Er kann in den letzten Saisonspielen noch wichtig für uns sein“. meinte Bilanovic.

Schon am Freitag steht im Heimspiel gegen Wilhelmshaven die nächste Bewährungsprobe an. „Und da wollen wir es unbedingt wieder besser machen“, sagt Dusko Bilanovic, wohl wissend, dass sein Team auf große Gegenwehr treffen dürfte. Schließlich kämpfen die finanziell arg gebeutelten Gäste ums sportliche Überleben. Denn wegen des Wechsels des wirtschaftlichen Trägers im Saisonverlauf werden ihnen am Ende noch vier Punkte abgezogen. Positiv für die Dormagener: In André Meuser kehrt nach längerer Verletzung auf Halbrechts ihr bester Rückraumschütze ins Team zurück.