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Thomas Becker vom WSC Bayer Dormagen mit kritischer Einstellung zu Olympia

Thomas Becker vom WSC Bayer Dormagen : Medaillengewinner sieht Olympia kritisch

In Atlanta gewann Thomas Becker vom WSC Bayer Dormagen 1996 im Kanuslalom Olympiabronze, auch wurde er mehrfach Welt- und Europameister. Bis heute ist der inzwischen 54-Jährige seinem Sport treu geblieben.

Zwei Wochen lang waren rund 40 Kanutinnen und Kanuten des WSC Bayer Dormagen auf den Flüssen rund um den Staffelsee zwischen München und Garmisch unterwegs. Familienfahrt nennt sich das. Und hat Tradition. Alle zwei Jahre machen sich die Dormagener auf den Weg, meist geht es nach Frankreich, „dann sind noch mal einige mehr dabei“, sagt Thomas Becker vom WSC, aber während der Corona-Pandemie sei die Lage unvorhersehbar gewesen, „deswegen sind wir in Deutschland geblieben“.

Becker genoss die Zeit trotzdem. Mal abschalten vom Lehreralltag an der Bertha-von-Suttner-Schule in Nievenheim. Oder von seiner Firma in Solingen, die Kanutouren auf der Wupper anbietet. Zudem traf er in Bayern alte Bekannte. Jakob Hitz und Theo Nüsing etwa, Olympia-Teilnehmer 1972. Mit Hitz war Becker nun auch auf dem Rennrad unterwegs, da dürfte es auch mal um Olympia gegangen sein. Denn nicht nur Hitz vertrat den WSC einst bei Sommerspielen im Kanuslalom, Becker selbst war zweimal dabei: 1992 in Barcelona, 1996 in Atlanta, wo er im Einer-Kajak sogar Bronze gewann. Im selben Jahr wurde er Ehrenmitglied beim WSC.

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Klar, dass der inzwischen 54-jährige Becker auch die aus deutscher Sicht überaus erfolgreichen Wettbewerbe der Slalom-Kanuten in Tokio intensiv verfolgt hat, und dann kommen die alten Bilder hoch: von der Eröffnungsfeier, den Begegnungen im Olympischen Dorf oder bei Wettbewerben, die er als Zuschauer erlebte, und selbstredend von seinem Bronzerennen. „Olympia ist immer ein Highlight“, sagt er, „jetzt besonders, alle Sportler sind happy, die Wettkämpfe durchführen zu können.“ Aber natürlich weiß auch Becker, „dass man in Tokio nicht das erleben kann, was wir früher erlebt haben“. Leere Tribünen, strenge Regeln für die Aktiven, kaum Kontakt zu Menschen aus aller Welt im Dorf oder in den Stadien – „das macht das olympische Flair ja aus“.

 Thomas Becker arbeitet nicht nur als Lehrer, sondern organisiert auch Kanutouren auf der Wupper.
Thomas Becker arbeitet nicht nur als Lehrer, sondern organisiert auch Kanutouren auf der Wupper. Foto: Foto: Jörg Isringhaus

So sehr er sich dennoch auf die Spiele gefreu hat, „weil es die Sportler verdienen, dass wir ihre Leistungen honorieren“, ein unbeschwertes Olympia-Gefühl hat er nicht mehr. Korruption, Kommerz, Funktionäre mit klebriger Nähe zu Autokraten – „man schaut kritischer drauf,“, sagt Becker. Aber: „Als Sportler sieht man das anders. Man hat nur alle vier Jahre die Chance, mit seinem Sport groß rauszukommen. Da hat man andere Probleme.“ Konzentriere man sich auf Nebenschauplätze, „belastet einen das sehr“.

Becker hat das selbst erlebt. Mit Olympiabronze, vier WM- sowie drei EM-Titeln war er nicht nur auf dem Wasser einer der auffälligsten Sportler seiner Generation, er machte auch außerhalb Schlagzeilen. Becker wollte sich nicht damit abfinden, dass von Amateuren Topleistungen verlangt werden, suchte sich Sponsoren und klebte deren Logos auf sein Boot. Die Folge: Ein Rechtsstreit mit dem Verband, den Becker zwar gewann, aber für sein Standing war das alles nicht zuträglich. „Offiziell will man mündige Sportler, aber sagt jemand etwas, wird schnell quergeschossen. Das ist das Verlogene“, sagt Becker, der bis heute nicht gut auf die Verbände zu sprechen ist. Auf dem Wasser habe sich der Sport gut entwickelt, liefere durch TV-gerechte Änderungen wie kürzere und wendigere Boote spektakuläre Bilder. Aber er werde immer noch schlecht vermarktet.

Treu ist er dem Wildwasser dennoch geblieben. Nicht nur beim WSC oder bei der Kanu-AG an seiner Schule. Seit 2000 organisieren er und seine Frau Angelika, einst erfolgreiche Badmintonspielerin, Touren auf der Wupper. Los ging es mit sechs Booten, mittlerweile sind es zehn, fünf Teilzeitkräfte sind angestellt. Doch die vergangenen Monate waren hart. In der Corona-Zeit sind Betriebs- oder Schulausflüge unter der Woche weggebrochen. „Das war ein Ansporn, noch mehr am Wochenende zu machen“, sagt Angelika Becker. Doch nun, als die Inzidenzzahlen runtergingen und endlich wieder mehr los war, kam das Hochwasser. Nun geht es erst mal darum, die Strecke zu checken. „Nach Hochwässern muss man immer genau schauen, in jeder Kurve aufpassen, ob da ein Baum quer liegt“, sagt Thomas Becker, der nun hofft, „dass die Flüsse bald wieder befahrbar sind“. Denn auch nach Jahrzehnten auf dem Wasser gilt für ihn: „Es macht mir immer noch genauso viel Spaß wie früher.“