Pferdesport : Ohne Ehrenamtler läuft gar nichts

Die Lust aufs Reiten ist im Rhein-Kreis nach wie vor groß: 22 Turniere stehen in diesem Jahr im Kalender. Axel Hebmüller, Präsident des 4200 Mitglieder zählenden Kreispferdesportverbandes, ist stolz auf diese Zahl, weiß aber auch: „Ohne Ehrenamtler geht da gar nichts.“

Dem Pferdesport geht es wie den meisten Sportarten in Deutschland. Die Mitgliederzahlen sind rückläufig. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) hat in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten im Schnitt tausend Mitglieder pro Jahr eingebüßt, ist mit knapp 687.000 aber immer noch die weltweit größte Pferdesport-Vereinigung und die Nummer acht innerhalb des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Von diesen 687.00 sind mehr als drei Viertel (79 Prozent) weiblichen Geschlechts, der Anteil männlicher Reiter betrug 2018 gerade mal 146.000 Mitglieder.

Die Zahl derjenigen, die sich als „Reiter“ bezeichnen, ist um ein Wesentliches höher, sie lag nach einer Studie der Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse aus dem Jahr 2016 bei 3,89 Millionen Menschen. Heißt im Klartext: Nur jeder Sechste, der in Deutschland auf einem Pferd sitzt, tut dies in einem Verein.

Axel Hebmüller kennt diese Zahlen. Der Kaarster Unternehmer, selbst Besitzer eines Reitstalls (Gut Mankartzhof) und seit 2017 Präsident des Kreispferdesportverbandes Neuss (KPSV), kennt diese Zahlen. Er verschließt vor ihnen auch nicht die Augen, doch in Panik verfällt er deswegen nicht.

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„Bei uns“, sagt Hebmüller, sind die Zahlen relativ konstant.“ Rund 4200 Mitglieder sind im KPSV organisiert, was ihn zu einem der größten Kreisverbände innerhalb des Rheinlands macht. Natürlich gibt es auch hier Fluktuation: „Zwei Vereine haben sich abgemeldet, zwei sind neu dazu gekommen,“ weiß der Präsident. Auch ihm ist klar, dass es im Rhein-Kreis weitaus mehr Reiter und weitaus mehr Pferdeinteressierte gibt. Doch er weiß auch, dass es schwierig ist, sie in die Vereine zu bekommen: „Viele Leute wollen sich nicht mehr binden und festlegen, diese Erfahrung machen andere Sportverbände doch auch.“

Weniger Vereinsmitglieder bedeuten im Sport meist auch weniger Veranstaltungen. Denn um diese vorzubereiten, zu organisieren und abzuwickeln, bedarf es einer Menge helfender Hände. Vor allem im Pferdesport, wo es für die Ausrichtung eines Turniers nicht mit einem Schiedsrichter und zwei Assistenten, einem Platzkassierer und zwei Mann am Würstchen- und Getränkestand getan ist.

Zwar sind die Reit- und Fahrvereine in der Regel eng mit einem „Pferdeleistungsbetrieb“ verbunden und genießen auf einem privatwirtschaftlich betriebenen Hof Hausrecht. „Doch ohne Ehrenamtler geht da gar nichts,“ sagt Axel Hebmüller mit Blick auf die 22 Turniere, die für das kommende Jahr im Kalender des Kreispferdesportverbandes Neuss verzeichnet sind.

Womit der KPSV zu den „turnierträchtigsten“ im Lande zählt. Eine Zahl, die seinen Präsidenten mächtig stolz macht: „Ich finde es toll, was unsere Vereine da Jahr für Jahr auf die Beine stellen.“ Schließlich weiß er aus eigener Erfahrung, wie viel Aufwand hinter einer solchen, meist mehrtägigen Veranstaltung steckt.

Was ihn besonders freut: „Wir decken die gesamte Bandbreite des Pferdesports ab.“ Das meint er nicht nur disziplin-, sondern vor allem alters- und leistungstechnisch: „Vom Führzügel-Wettbewerb für die Kleinsten bis zum schweren S-Springen für Profis ist alles dabei.“

Den Auftakt macht gleich die größte und am hochkarätigsten besetzte Veranstaltung: die Gut Neuhaus Indoors vom 12. bis 15. März im Stall von Derbysieger Gilbert Tillmann und seinem Bruder Frederic vor den Toren von Grevenbroich-Neukirchen. Zweites „Highlight“ im Turnierkalender ist das Kreisturnier mit den Kreismeisterschaften, das wiederum in das Turnier des RV Uedesheim-Stüttgen vom 31. Juli bis 2. August eingebettet ist.

„Darauf freue ich mich jetzt schon,“ sagt Axel Hebmüller, „und ich weiß, dass es vielen Reitern genauso geht.“ Denn hier, aber auch auf anderen Turnieren kommen  Reitsportler und Fans zu einer Art „Familienfest“ zusammen, unabhängig von Können und Leistungsstand. „Und dieses Familiäre ist das, was unseren Sport ganz besonders ausmacht – vor allem im Verein,“ sagt Axel Hebmüller. In Zukunft wird es noch mehr darauf ankommen, das den „Außenstehenden“ zu vermitteln. Reiten kann man schließlich auch ohne Mitgliedschaft.