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Korschenbroich: Thalia Theater spielt Dürrenmatt in der Aula

Korschenbroich : Thalia Theater spielt Dürrenmatt in der Aula

Dürrenmatts "Physiker" und "Der Besuch der alten Dame" kennt jeder zumindest aus Schülerzeiten. Das fragmentarische Schauspiel "Ein Engel kommt nach Babylon" hingegen kaum. Das dürfte sich mit der kommenden Aufführung des Thalia Theaters Korschenbroich nun ändern: Premiere des Theaterstücks "Ein Engel kommt nach Babylon" ist am Freitag, 23. März, 20 Uhr, in der Aula des Gymnasiums Korschenbroich.

Parabel über Wertvorstellungen

Die Komödie handelt von einem Engel, der als Bettler verkleidet dem Geringsten unter den Menschen die "Gnade Gottes" in Gestalt des Mädchens Kurrubi zur Frau geben soll. Durch einen Irrtum vertraut der weltfremde Engel das Mädchen dem als Bettler verkleideten König Nebukadnezar an. Der aber will als Herrscher geliebt werden.

Regisseur Peter Klingel erkennt im anspielungsreichen Stück den "typischen Dürrenmatt-Trick, der das Ernste im Deckmantel der Komödie" serviert. Mit dem Ensemble will er die Parabel über Wertvorstellungen mal heiter-ironisch, grotesk und spöttisch, aber auch philosophisch ernsthaft umsetzen. Die 27 Rollen – eine logistische Herausforderung an das Laientheater – werden teilweise durch Mehrfachbesetzungen gelöst. Erstmals spielt die zehnjährige Sandra, die "kleine Schwester" des theatererfahrenen Dennis Lange, gleich in vier Rollen mit.

Beim Probenspiel gestaltete der Bruder die Rolle des Nebukadnezar temperamentvoll in facettenreicher Mischung aus Größenwahn, Wut und Selbstverliebtheit. Axel Loobes gibt den Gegenspieler Akki, der gewitzt sogar den Henker überlistet und im bewusst gelebten Bettlerstand der freieste Mensch in Nebukadnezars Reich ist. In Anlehnung an griechische Tragödien lässt Regisseur Klingel die Rolle des Dichters mit Kommentaren zum Handlungsverlauf von sechs Darstellern sprechen. "Dürrenmatt karikiert seinen eigenen Berufsstand, indem er die Dichter als die schlecht bezahltesten Arbeiter darstellt", erklärt der theaterbegeisterte Gymnasiast, der nach seinem Abitur im Frühjahr den Beruf des Dramaturgen und Regisseurs anstrebt.

In der Inszenierung werden die Schauspieler während der ersten beiden Akte vor der Bühne, zeitweise sogar in der gesamten Aula agieren. Nur für den dritten und letzten Akt öffnet sich der Vorhang.

(NGZ)