Lokalduell im Basketball TG Stürzelberg stürzt Elephants in die Krise

Rhein-Kreis · Der Tabellenführer der 2. Regionalliga verliert das Kreisderby 84:99. TG-Coach Schnelle: „Das ist der größte Erfolg der Vereinsgeschichte.“

Keine leichten Würfe: Die Stürzelberger Joe Lange (l.) und Adrian Corley nehmen den Grevenbroicher Joel Lukeba in die Zange.

Keine leichten Würfe: Die Stürzelberger Joe Lange (l.) und Adrian Corley nehmen den Grevenbroicher Joel Lukeba in die Zange.

Foto: Georg Salzburg (salz)

Die den mit Fug und Recht als Sensation zu bezeichnenden 99:84-Heimsieg (Halbzeit 55:47) der TG Stürzelberg über den lange so souveränen Spitzenreiter NEW‘ Elephants begleitenden Facebook-Hashtags #geldwirftkeinekörbe, #herzzerdunktgeld sowie #unddassogarkostenlos zeugen schon von einer gehörigen Portion Schadenfreude. Das müsse der Gast aus Grevenbroich jetzt einfach mal ertragen, findet Philipp Schnelle. Der kränkelnde und deshalb vorsichtshalber zu Hause gebliebene Trainer der in den Abstiegskampf verstrickten Hausherren war nach dem „auf jeden Fall größten Erfolg in der Geschichte TG-Stürzelberg-Basketball“ nämlich wie die ganze mit der Mannschaft verbundene Community schier aus dem Häuschen: „Wir sind echt alle glücklich. Großes Lob an Lukas Solf auf der Trainerbank und vor allem an die Jungs, das ist einfach nur der pure Wahnsinn!“

Gänzlich anders stellte sich nach der zweiten Niederlage in Folge naturgemäß die Gemütslage bei den Elephants dar. Noch am Abend suchte der zunächst ratlose Pfüller das Gespräch mit dem Vorstand und entwarf darin „ein Szenario, in dem man den Trainer austauscht, um vielleicht neue Impulse zu setzen.“ Denn für ihn ist der Fall klar: „Mit dieser Mannschaft und mit diesem – auch finanziellen – Aufwand musst du aufsteigen.“ Doch diesen Vorschlag, bei dem sich Pfüller sogar aktiv an der Suche nach einem Nachfolger beteiligen würde („Ich lasse hier keinem im Stich.“), verwarf die Vereinsführung. Stattdessen beauftragte sie den Coach damit, sich in der dreiwöchigen Spielpause intensiv Gedanken zu machen, wie er seine ganz offensichtlich in einem mentalen Tief steckende Truppe wieder auf Kurs bringt. „Dieser Herausforderung stelle ich mich, auch wenn das nicht einfach ist.“

Die erfahrenen und zudem hochmotivierten Stürzelberger deckten die Schwächen des Tabellenführers, der den Aufstieg weiterhin aus eigener Kraft schaffen kann, mehr noch als in der Vorwoche die TG Düsseldorf schonungslos auf: Zuvorderst setzt die Pressverteidigung in ihren unterschiedlichen Ausprägungen den Gegner nicht mehr wie geplant unter Druck. Pfüller: „Wir sind da einfach nicht mehr so aggressiv und effektiv unterwegs.“ Zudem „wussten wir genau, was kommt“, sagte Interimscoach Lukas Solf. Dirigiert von Timo Neubert und Sven Schermeng widerstanden die Gastgeber, die im Hinspiel noch mit 73:110 untergegangen waren, den Attacken der Elephants und hatten dann keine Mühe, ihre Schützen in Schussposition zu bringen. Das ärgerte Pfüller: „Presse schön und gut, aber du muss auch in der Halbfeldverteidigung wach sein und deine Aufgaben erfüllen.“

Die Folge: Stürzelberg traf hochprozentig, netzte mit Adrian Corley und Sven Schermeng schon früh aus der Distanz ein (10:5/2. Minute). In der ersten Hälfte drückten die Gastgeber neun Mal erfolgreich von jenseits der Drei-Punkte-Linie ab, Timo Alt sogar drei Mal in Folge zur 55:40-Führung (19.). Trotzdem trauten sie dem Braten noch nicht so recht. So bekannte Flügel Florian Kock: „Ich habe immer damit gerechnet, dass die Elephants irgendwann kommen.“ Das geschah indes nicht. Dabei gab es durchaus Momente, in denen die Partie hätte kippen können: So direkt nach dem Seitenwechsel, als Casey Carpinello den Rückstand per Dreier auf 50:55 (21.) verkürzte. Oder beim 68:73 (32.) nach Dreipunktewürfen von Marc Rass und Casey Carpinello. Und auch noch mal beim 74:79 (34.), dem Punkte von Marc Rass (Dreier) und David Markert (nach Ballgewinn) vorausgegangen waren.

Doch danach wurde es ganz bitter für die Elephants: In den letzten vier Minuten vollendete Jo Lange per Dunk zum 89:76 und baute die Produktion der TGS aus der Ferne mit seinem zweiten Dreier gemeinsam mit Schermeng (5), Alt (4), Corley (2) und Kock noch auf 14 Treffer aus. Nach einem Ballgewinn verzichtete Alt, wie Lange, Kock und Schermeng auch schon für Grevenbroich im Einsatz, in den Schlusssekunden darauf, die 100-Punkte-Marke zu knacken. Ein Gnadenakt als gefühlte Demütigung.

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