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TG Neuss Tigers treten gegen Osnabrück stark ersatzgeschwächt an

Basketball : Vom Mut zur Selbstbesinnung

Weil die Hilfe von außen auf sich warten lässt, sind die Basketballerinnen der TG Neuss gegen Osnabrück auf sich allein gestellt.

Für Rufin Kendall, ein Mensch mit „amerikanisch-kamerunischer Herkunft, italienischem Herz und deutschem Verstand“, ist das Glas immer halb voll. Und darum begegnet er den personellen Problemen des von ihm trainierten Basketball-Zweitligisten TG Neuss auch nicht mit Kleinmut, sondern mit Optimismus. In das Gastspiel der Panthers Academy Osnabrück am Samstag (17.30 Uhr) in der Elmar-Frings-Sporthalle an der Bergheimer Straße schickt er seine Tigers darum mit einem kämpferischen „Let‘s do it!“ Lasst es uns tun!

Weil es aber natürlich trotzdem interessant ist, widmet er sich zuvor seinem weiterhin arg dezimierten Kader: Die zweite Importstelle ist nach wie vor unbesetzt, doch nach einer intensiven Arbeitswoche stehen auf seiner Liste nur noch zwei Namen: der eines US-Profis und einer EU-Ausländerin. Kendall, dessen Entscheidung eigentlich steht, hofft nun, dass sich die nötigen Formalitäten in den kommenden Tagen erledigen lassen. Parallel dazu ist der Verein gewillt, vorhandene, aber bislang nicht genutzte Ressourcen einzusetzen. Darunter fällt die Reaktivierung von Hannah Wischnitzki. Die Lehrerin für Mathematik und Biologie an der Janusz-Korczak-Gesamtschule in Neuss hatte sich nach der Saison 2020/21 eine Auszeit genommen, könnte den Tigers nun aber nach dem Abgang von Maria Aftzi wertvolle Dienste im Aufbau leisten. Ob die 27-Jährige schon gegen Osnabrück aufläuft, ist indes noch gar nicht raus. Gleiches gilt für die seit kurzem ebenfalls im Zweitliga-Kader aufgeführte Fahime Farzanessa. Die in Köln lebende ehemalige Spielerin der Rutronik Stars Keltern sei in erster Linie „als Support“ für den Notfall gedacht und „keine langfristige Verpflichtung“, stellt Kendall klar. „Wir müssen gucken, was zeitlich machbar ist.“

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In Karla Lukas von den Junior Tigers taucht noch eine dritte (neu) Akteurin im aktuellen Roster auf. „Ein talentiertes Mädchen“, sagt der Coach, doch liege der Fokus der 16-Jährigen weiterhin auf Einsätzen in der U18-Bundesliga (WNBL).

Gegenüber der Vorwoche – da war die Partie der Neusserinnen zum Jahresauftakt in Marburg wegen eines positiven Schnelltests ausgefallen – hat sich die personelle Situation damit nur unwesentlich verbessert: Lydia Sy steht wieder zur Verfügung, aber weh tun nach wie vor die Ausfälle von Inga Krings und Centa Bockhorst. Erfahrung ist trotzdem vorhanden: In Verbindung mit US-Girl Lydia Baxter sollten Spielerinnen wie Nicole Egert, Jana Meyer, Anke Ollig und Lisa Arz in der Lage sein, im Ersliga-Unterhaus zu bestehen. Erfreut hat Kendall registriert, dass sich seine Schützlinge mit der für den Moment nicht zu ändernden Lage arrangiert haben: „Alle waren sehr fokussiert, haben sich richtig reingebissen. Ich bin mal gespannt, ob wir dieses Feeling auch ins Spiel übertragen können.“ Weil Trainingsformen im 5-gegen-5 zurzeit nicht möglich sind, haben die Tigers ihre Einheiten in Kleingruppen perfektioniert.

Auf die kleine Rotation der Tigers wartet am Samstag indes Schwerstarbeit. Denn schon im mit 60:55 gewonnenen Hinspiel (das fand in Neuss statt, da Osnabrück auf sein Heimrecht verzichtet hatte) war den Gastgeberinnen die entscheidende Wende erst in der Schlussphase gelungen. Mit ihren flinken Guards Annemarie Potratz (1,63 Meter), Melina Knopp (1,71) und der inzwischen von Bord gegangenen Marika Fengkohl (1,70) hatte das Team von Trainer Mika Scheidemann um die erstligaerfahrene Tonia Dölle den da noch von Maria Aftzi organisierten Aufbau der Turngemeinde massiv unter Druck gesetzt. Den dadurch freigewordenen Raum nutzte Centa Bockhorst am Ende zu 21 Punkten. Doch die Düsseldorferi fehlt diesmal – genau wie Gesa Hahn (Arbeit) und Marie Dreyer (Schule) bei Osnabrück. Die Gäste aus Niedersachsen hätten eigentlich auch am Freitag in Braunschweig ran gemusst. Doch wegen eines Coronafalls bei der Eintracht wurde die Partie verlegt.

Im Gegensatz zu den Tigers, die nach dem Abgang von Maria Aftzi (12,7 Zähler im Schnitt) sowie den Ausfällen von Centa Bockhorst (10,3) und Inga Krings (9,3) in Lydia Baxter (14,3) nur noch eine Spielerin in ihren Reihen haben, die zuverlässig Punkte auf die Anzeigetafel bringt, ist die Waffenkammer der Osnabrückerinnen gut ausgestattet: Tonia Dölle (14,0), die im Hinspiel verletzt ausgefallen war, Melina Knopp (10,5), Maira Banko (10,8), Michelle Müller (9,6) und Annemarie Potratz (8,0) wissen genau, wo der gegnerische Korb steht. Umso wichtiger wären starke Auftritte von Lisa Arz und Nicole Egert.