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TG Neuss Tigers gelingt gegen Rotenburg eine faustdicke Überraschung

Basketball : Tierisch tolle Tigers

Sechs Tage nach dem 61-Punkte-Debakel in Opladen schlagen die Zweitliga-Basketballerinnen der TG Neuss eindrucksvoll zurück und bezwingen den Tabellendritten in der Verlängerung.

Mit einem besorgten Blick auf die steigende Hospitalisierungsrate auch in Nordrhein-Westfalen prophezeite Klaus Ehren traurig: „Das war wohl erstmal das letzte Heimspiel mit Zuschauern.“ Die Aussicht auf eine schon bald wieder leere Elmar-Frings-Sporthalle muss indes nicht nur den Geschäftsführer des Basketball-Zweitligisten TG Neuss betrüben, sondern alle, die es gut mit den Tigers meinen. Denn ohne die Unterstützung der eigenen Fans wäre den Gastgeberinnen der so unerwartete und darum ausgelassen gefeierte 71:67-Sieg (Halbzeit 25:32) über die BG 89 AVIDES Hurricanes nie und nimmer geglückt.

Trainer Rufin Kendall schickte ein fettes Dankeschön an die treue Tigers-Community, „die uns trotz der 27:88-Niederlage in Opladen nicht fallengelassen hat“, und Abteilungsleiterin Angela Krings fand einfach nur „toll, was hier los war. Ich hatte richtig Gänsehaut!“ Der Funke sprang von den Rängen aufs Feld über – und entfachte dort eine verloren geglaubte Leidenschaft. Die ließ die Tigers eine Anfangsphase überstehen, in der ihnen Rotenburg durch die Ex-Neusserin Toshua Leavitt, Leonie Rosemeyer, Pia Mankertz und Mirja Beckmann bis zum 10:19 (8.) vier Dreier einschenkte. Die TG-Mädels blieben unverdrossen dran, obwohl sie stets die Jägerinnen waren und mit bis zu zehn Punkten (29:39/23.) ins Hintertreffen gerieten. Der Schlüssel lag dabei in ihrer Defensive, mit der sie dem zunächst übermächtig erscheinenden Kontrahenten, der die Tigers im DBBL-Pokal noch mit 88:54 abgefertigt hatte, schwer zusetzten. Trotzdem wähnten sich die Gäste drei Minuten vor dem Ende nach Leavitts zweitem „Dreier“ zum 58:50 endlich am Ziel. Aber die Neusserinnen waren immer noch nicht geschlagen, Lisa Arz krönte eine Serie von 8:0 Punkten mit dem 58:58-Ausgleich (39.). Danach schickten Salven aus der Distanz von Leavitt und Maria Aftzi, die 7,1 Sekunden vor Schluss der regulären Spielzeit zum 61:61 traf, das Match in die fünfminütige Verlängerung.

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In der brachte Inga Krings die Tigers mit zwei verwandelten Freiwürfen erstmals in Front (66:65), auch Mankertz blieb an der Linie ohne Fehlwurf. Damit lag Rotenburg wieder mit 67:66 vorne. Noch 80 Sekunden. Was Janina Schinkel für den Gast aus Niedersachsen misslang, glückte Nicole Egert 15,3 Sekunden vor der Schlusssirene: Sie traf von jenseits der Drei-Punkte-Linie zum 69:67 für Neuss. Im letzten Angriff der Hurricanes unterbindet Lydia Baxter (21 Rebounds) das Anspiel von Mankertz, den freien Ball sichert sich Aftzi. Die starke Griechin setzt kurz darauf zwar beide Freiwürfe nur an den Ring, doch der Rebound landet bei Arz, die per Korbleger den 71:67-Endstand besorgt. Eine echte Sensation nach dem Debakel in Opladen. Und darum  ersparte sich Kendall jede Kritik, resümierte lächelnd: „Ich bin stolz auf die Mannschaft.  Das ist wohl die beste Art ‘Sorry’ zu sagen.“

Als Matchwinner der Herzen durfte sich freilich auch Hallensprecher Eiko Pate fühlen. Seine in den Auszeiten nach dem Seitenwechsel zum Vortrag gebrachte herrlich schiefe, aber packende Version des „Neusser Heimatliedes“ sorgte erst für die passende Atmosphäre, in der außergewöhnliche Taten möglich werden. 

Bereits am Donnerstag (20.15 Uhr) geht es weiter. Dann kommen die Talente der Panthers Academy Osnabrück in die Elmar-Frings-Sporthalle. Weil wegen des Schulsports die Tribünen nicht ausgefahren werden können, findet die Partie grundsätzlich ohne Zuschauer statt.

Neuss: Egert (8), Sy, Baxter (10), Bockhorst (10), Krings (12), Ollig, Aftzi (18), Huppertz

Rotenburg/Scheeßel: Leavitt (17), Baden (2), Beckmann (4), Markertz (11), Rosemeyer (18), Tolle, Wilkinson (10), Schischkov (1), Schinkel (5)

Viertel: 13:21, 12:11, 17:17, 19:12, 10:6 (OT)