Basketball Tigers fehlt gegen Alba die Feuerkraft

Neuss · Nach dem mit 15:33 verlorenen zweiten Viertel ist für die Neusserinnen die Partie der Zweiten Basketball-Bundesliga eigentlich schon zur Halbzeit gelaufen. Aber eine trockene Rallye bringt sie sogar noch mal bis auf neun Punkte heran.

 Keine leichten Punkte: Der Weg zum Berliner Korb wird für die Neusserin Inga Krings (l.) im Duell mit Clara Wilke zum Kraftakt.

Keine leichten Punkte: Der Weg zum Berliner Korb wird für die Neusserin Inga Krings (l.) im Duell mit Clara Wilke zum Kraftakt.

Foto: A. Woitschützke

Überraschungen gibt es auch im Sport immer wieder, sie sind sozusagen das Salz in der Suppe. Dass die Zweitliga-Basketballerinnen der TG Neuss ihr Heimspiel gegen Alba Berlin fast schon erwartungsgemäß (vielleicht etwas zu hoch) mit 55:77 (Halbzeit 29:49) verloren, heißt indes nicht, dass die rund 150 Zuschauer in der Elmar-Frings-Sporthalle fade Kost vorgesetzt bekamen. Die Tigers wehrten sich nach Kräften, doch die Mädels von der Spree zählen in dieser Saison gemeinsam mit Eintracht Braunschweig und der BG 89 AVIDES Hurricanes zu den Aufstiegskandidatinnen – und sind damit für die Schützlinge von Trainer Rufin Kendall schlichtweg eine Nummer zu groß.

Das zeigte sich besonders im von den Gästen mit 33:15 gewonnenen dritten Viertel. In das startete Alba – auch ohne Topscorerin Lena Gohlisch, die nach zwei schnellen Fouls erstmal auf der Bank Platz nahm, und US-Profi Kristina King, die unter der Woche ein Angebot aus Griechenlands Eliteklasse angenommen hatte  – mit einer Serie von 11:0 Punkten. Verdient machten sich darum vor allem die kleine Bulgarien Valeria Aleksieva, die in dieser Phase ihren sieben Punkten aus dem ersten Abschnitt flugs fünf weitere zufügte. Henriette Höfermann markierte vor der Halbzeitpause 13 Zähler. Kendall: „Der personell sehr tief besetzte Gegner hat seine Stärke benutzt. Wir kamen in der Defense immer einen Schritt zu spät.“ Bis kurz vor dem Seitenwechsel wuchs der Vorsprung der Gäste so auf 21 Punkte (47:26) an, worauf Kendall in der Kabine in erster Linie als Psychologe gefragt war. Er stellte klar: „Wir brauchen keine Angst zu haben, müssen uns energischer wehren.“

Und das taten die Tigers: Ein 7:0-Run verkürzte den Rückstand auf 36:49 (34.) und zwang Berlins Coach Cristo Cabrera zu einer Auszeit. Doch Alba war angezählt, schon vor Ende des dritten Viertels, das mit 17:8 an Neuss ging, bot sich Nicole Egert gleich zweimal die Chance zum 48:57. Das holte Lisa Arz’ Korb zu Beginn des Schlussabschnitts nach, ja mit dem nächsten Angriff hätte sie sogar zum 50:57 treffen können. Doch letztlich fehlte im Angriff nicht nur ihr die Feuerkraft. „Wir haben einiges liegenlassen“, bestätigte der Coach. In den folgenden knapp vier Minuten gelang den Tigers kein Punkt mehr – und als Aleksieva per Dreier zum 66:48 (35.) einen 9:0-Lauf der nunmehr seit vier Spielen ungeschlagenen Berlinerinnen krönte, war der Drops gelutscht.

Kendall nutzte die Gelegenheit, um in Jule Schillings, Lydia Sy und Fiona Mebelli auch dem eigenen Nachwuchs weitere Spielpraxis zu verschaffen. Das Duell mit den zwar jungen, aber taktisch und athletisch bestens präparierten Gästen deckte die Defizite der Tigers einmal mehr auf: Für Aufbauspielerin Maria Aftzi (1/4 Dreier) gibt es keinen Ersatz. Die für diese Rolle eigentlich vorgesehene Jana Meyer fällt mit gebrochenem Mittelfinger noch für Wochen aus und Nicole Egert ist schlichtweg keine Regisseurin. Ihre Stärke ist der Abschluss, nicht, die Teamkolleginnen in Szene zu setzen. Lydia Baxter ist unter beiden Körben eine „Maschine“, kämpft aber um ihr Standing bei den Unparteiischen. Auch gegen Berlin kassierte sie in der Verteidigung schon in den ersten fünf Minuten zwei nur schwer nachvollziehbare Fouls. Und im Angriff darf die stämmige, aber sehr bewegliche Texanerin noch viel zu oft ungestraft hart attackiert werden. Und wenn dann in Inga Krings (1/6 Dreier) und Centa Bockhorst (0/7 Würfe aus dem Feld) zwei für die Punkteproduktion entscheidende Kräfte neben der Kappe stehen, funken die Tigers SOS.

Mit einer Bilanz von 4:3-Siegen sind die Neusserinnen indes weiterhin voll im Soll – und haben am Samstag, wiederum vor heimischem Publikum, gegen den Tabellenvorletzten Young Dolphins Marburg die Chance, sich weiter von den Abstiegsplätzen zu entfernen. Einfach wird das freilich nicht, denn da die Erstvertretung des BC am Wochenende nicht im Einsatz ist, rechnet Kendall mit Verstärkungen aus der Profi-Truppe. Daraus folgert er: „Wir müssen noch härter trainieren.“

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