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Basketball Ein dicker Hals und viele Sorgen

Neuss · Vor dem Spiel zum Jahresabschluss am Samstag in Chemnitz sorgte die Anpfiffzeit für Stress. Doch das ist noch das kleinste Problem des Basketball-Zweitligisten TG Neuss Tigers, der beim Tabellenzweiten als klarer Außenseiter antritt.   

 Freier Zugang zum Korb: Szenen wie diese brauchen Kim Franze (l.) und ihre Teamkolleginnen am Samstag, wenn den Neuss Tigers in Chemnitz eine Überraschung gelingen soll.

Freier Zugang zum Korb: Szenen wie diese brauchen Kim Franze (l.) und ihre Teamkolleginnen am Samstag, wenn den Neuss Tigers in Chemnitz eine Überraschung gelingen soll.

Foto: Wolfgang Walter

Am Samstag um 9 Uhr machen sich die Basketballerinnen der TG Neuss auf die knapp sechsstündige Busfahrt über rund 550 Autobahnkilometer in die Sporthalle am Schloßteich, wo um 19 Uhr die Zweitliga-Partie bei den ChemCats Chemnitz beginnen soll. Und genau das ist das Problem: Ursprünglich war der Anpfiff nämlich schon für 16 Uhr geplant, doch aufgrund „eines Problems mit der Spielhalle“ bat der ehemalige Erstligist aus dem Freistaat Sachsen darum, das Match um drei Stunden nach hinten zu verlegen. Weil die Tigers auf eine womöglich von Eis und Schnee begleitete Heimreise bis tief in die Nacht verständlicherweise wenig Lust verspürten, lehnten sie ab. Schließlich gab die von den Gastgeberinnen eingeschaltete Liga dem Ansinnen der ChemCats am Montag nach, was TG-Trainer Rufin Kendall not amused zur Kenntnis nahm, aber „lieber unkommentiert“ lassen wollte. „Ich hätte mir da von allen Seiten eine größere Transparenz gewünscht.“

Besonders redselig ist im Vorfeld des letzten Einsatzes vor der Weihnachtspause freilich auch er nicht. Das hat zum einen mit seiner dicken Erkältung zu tun, zum anderen aber auch mit der nach wie vor dünnen personellen Ausstattung. Zwar gibt er außer den eh bekannten Ausfällen von Megan Swords und Priscilla Waterloh keine weiteren Namen preis, doch schon jetzt steht fest, „dass wir in Chemnitz mit noch kleinerer Rotation als letzte Woche antreten.“ Das klingt nicht gut, hatte seine Truppe beim 56:79 gegen die Falcons Bad Homburg phasenweise Zweitliga-Niveau vermissen lassen. Und das erstaunt, war die Mannschaft mit Spielerinnen wie Brooklynn McAlear-Fanus, Iva Banozic, Kim Franze, Inga Krings, Ricarda Schott und  Linda Brückner doch immer noch sehr ordentlich ausgestattet gewesen.

Die gesundheits- und verletzungsbedingt fehlende Präsenz seiner sensiblen Mädels im Training wirkt sich natürlich negativ auf die Leistung aus, Kendall hat indes längst erkannt, dass es noch weitere Probleme gibt. So moniert er: „Ich war auch mit der Körpersprache nicht zufrieden.“ Vor allem der uninspirierte Auftritt von Brooklynn McAlear-Fanus, auf deren Führungsqualitäten das Team nach dem Ausfall von Megan Swords mehr denn je angewiesen ist, gab Rätsel auf.

Komplett anders stellt sich die Situation bei den ChemCats dar: In der 24-Jährigen Lucile Peroche verfügt der Tabellenzweite (7/3 Siege) über eine erfahrene Leaderin. „Sie trägt die Mannschaft“, weiß Kendall. Punkte aufs Tableau bringen US-Profi Myah Taylor (19,6 Zähler/8,5 Rebounds) und die Tschechin Tereza Kracikovà (13,6), unterstützt von der Luxemburgerin Joy Baum (7,0). Darüber hinaus führt Peroche eine ganze Armada an, aus der heraus jederzeit zweistellige Punktewerte kommen können. Das Ergebnis vorausschauender Nachwuchsarbeit. Nach dem freiwilligen Rückzug aus dem Oberhaus 2019 hatte Chemnitz die Corona-Krise und den in diesen beiden Jahren ausgesetzten Abstieg genutzt, um die eigenen Talente fit für die 2. Liga zu machen und dabei sportlichen Misserfolg billigend in Kauf genommen. „Und das zahlt sich jetzt aus“, sagt Kendall.

Inzwischen ist die Mannschaft von Trainer Thomas Seltner wieder reif für einen Platz an der Tabellenspitze und sei am Samstag, so der Neusser Coach, „klarer Favorit, auch wenn  wir uns einiges vorgenommen haben.“ Sein Kollege rechnet mit großem Widerstand. „Auf den Guard-Positionen hat Neuss schon einiges an Qualität und Tiefe. Das wird wieder ein hartes Stück Arbeit fürs uns. Der Gegner ist unter Druck und muss eigentlich liefern. Unterschätzen darf man Neuss nicht.“

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