Basketball : TG Neuss hat Lust auf mehr

Mit einem Kraftakt hat die Turngemeinde auch das zweite Jahr in der 2. Basketball-Bundesliga Nord zu einem positiven Ende gebracht. Mit dem jungen Team ist jedoch mehr möglich als reiner Abstiegskampf.

Wer mit acht Niederlagen in Folge in eine Saison startet, wird irgendwann von trüben Gedanken überfallen. Nun ist Mathias Gierth ganz sicher kein Mensch, der von übermäßigen Selbstzweifeln geplagt wird, doch als Trainer der in der 2. Bundesliga um den Klassenverbleib kämpfenden Basketballerinnen der TG Neuss trieb in Anfang Dezember schon ein wenig die Sorge um.

"Als sich abzeichnete, dass die Personaldecke immer dünner wird, bin ich schon ein bisschen skeptisch geworden", gesteht er. An ein Happy End war zu diesem Zeitpunkt nicht zu denken.

Die Lage war bedrohlich: Kapitänin Caterina Skrobek widmete sich wie angekündigt fast ausschließlich ihrem Abschluss im Jura-Studium, Svenja Krings stand als Studienanfängerin in Münster ebenfalls nur noch sporadisch zur Verfügung und Routinier Natascha Müsch trieb verstärkt ihre berufliche Karriere voran. "Alles Spielerinnen, die in unserem ersten Jahr in der 2. Liga sehr wesentlich für das Team gewesen waren", verdeutlicht Gierth.

Für Abhilfe sorgte erst die Verpflichtung von Connie James. Die 23 Jahre alte US-Amerikanerin, für die nach zwölf Einsätzen durchschnittlich 18,4 Punkte und 9,5 Rebounds zu Buche standen, führte die jungen Mannschaft, ohne sie dabei zu erdrücken. Gierth: "Genau diese Qualität hatten wir gesucht." Mit der New Yorkerin im Kader gewann die TG sieben von zwölf Spielen, was folgenden Schluss zulässt: Mit fähiger Unterstützung aus Übersee wäre das Neusser Team vielleicht sogar ein Play-off-Kandidat. Um den Wert einer Akteurin wie Connie James weiß natürlich auch der Verein und würde das US-Girl darum gerne nach Neuss zurückholen. "Dann für eine ganze Saison", kündigt TG-Geschäftsführer Klaus Ehren an.

Da der finanzielle Anreiz mangels potenter Sponsoren komplett wegfällt (Gierth: "Es ist bedauerlich, das sich große Firmen hinter den Partnern des Sports verstecken."), ist der im Nachwuchsbereich durch die in der U17-Bundesliga spielenden Rhein Girls bestens aufgestellte Klub auf Unterstützung aus den eigenen Reihen angewiesen.

So kam Connie James bei Martin Mehlhorn, dem Coach der Oberliga-Vertretung, unter. Auch Gierth, der seinen Verbleib von der sportlichen Perspektive abhängig machen will, und Co-Trainerin Angela Krings hatten den ein oder anderen logistischen Engpass zu meistern. "Das Umfeld muss mitwachsen", fordert der Cheftrainer darum, "denn auf Dauer wird das so nicht gutgehen. Wir stehen an der Schnittstelle zum Profisport."

Geld — da macht sich Gierth keinen Illusionen — werde es bei der TG als Basketballer aber kaum zu verdienen geben. "Wir sind auf Leute angewiesen, die sich mit der Sache identifizieren können."

(NGZ/rl)