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Teutonia Kleinenbroich kehrt nach 43 Jahren in die Landesliga zurück

Fußball : Auch Corona trübt den Stolz auf das Fußballwunder nicht

Norbert Müller führt die Kicker des SC Teutonia Kleinenbroich nach 43 Jahren wieder in die Landesliga. Sein zweiter Streich nach dem Aufstieg 2018.

Norbert Müller ahnte bereits im April, in welche Richtung die Entscheidung des Fußballverbandes hinsichtlich der Fortsetzung der Saison 2019/2020 tendieren könnte. „Als die Verbands-Vertreter ankündigten, eine großzügige Regelung bezüglich der Auf- und Absteiger zu verfolgen, hatte ich schon mit unserem Aufstieg gerechnet“, verrät der Trainer der Teutonia, die zu diesem Zeitpunkt auf dem Relegationsplatz lag. Wenige Wochen später dann die endgültige Gewissheit: In der nächsten Spielzeit hat Kleinenbroich einen Fußball-Landesligisten.

„Stell dir vor, du steigst auf und keiner merkt es“, sagt Müller indes. Keine Meisterfeier, keine Bierduschen, kein kollektiver Jubel am letzten Spieltag – der sensationelle Aufstieg der Kleinenbroicher hat durch die Corona-Krise den denkbar unwürdigsten Rahmen erhalten, könnte dadurch nur halb so viel wert sein. Das stimmt allerdings noch nicht mal ansatzweise.

Eigentlich sollte die zweite Spielzeit in der Bezirksliga dazu dienen, sich im Mittelfeld zu etablieren. An den Aufstiegskampf dachte in Kleinenbroich niemand. Doch es sollte alles ganz anders kommen. Acht Spiele in Serie gewannen die Teutonen vom Start weg. Müller: „Damit hatten wir 24 Punkte auf dem Konto. Danach wirst du durch die Saison getragen. Das hat uns einen Riesenschub gegeben.“ Vor der Winterpause lag die Überraschungsmannschaft mit nur einer Niederlage auf Rang zwei in unmittelbarer Schlagdistanz zu Spitzenreiter 1. FC Viersen. Auch wenn Müller stets betont, dass der Erfolg aus der Mannschaft herauskommt, standen zwei Akteure exemplarisch für den kometenhaften Aufstieg: Angreifer Dominik Klouth steuerte unglaubliche 21 Treffer und zwölf Assists in 22 Spielen bei, Patrick vorn Hüls gelangen in fünf Partien weniger 16 Tore und vier Vorlagen. Zusammen erzielten sie mehr als die Hälfte aller Saisontore. „Beide sind natürlich Mitgaranten für den Aufstieg – neben vielen anderen“, stellt Müller fest.

Nach 22 Spielen wurde die Saison abrupt abgebrochen. Böse Zungen könnten behaupten, dass dies den Kleinenbroichern, die in der Rückrunde etwas häufiger ins Straucheln gerieten, zugutegekommen sei. Dazu der Coach: „Froh über den Saisonabbruch ist bei uns keiner, auch wenn es sicherlich noch einmal spannend geworden wäre. Aber darüber möchte ich gar nicht spekulieren.“ Er könne zwar nachvollziehen, „dass vor allem die Mennrather die Entscheidung nicht ganz so toll finden“, empfiehlt allerdings einen Blick auf die Fakten: „Wenn ich sehe, dass wir vom dritten bis zum 22. Spieltag immer entweder auf dem ersten oder zweiten Platz standen, dann ist das ein hochverdienter Aufstieg einer stark spielenden Mannschaft.“ Eines geht ihm bei der Erfolgsgeschichte dennoch ab: „Die Teutonia spielt in ihrer Vereinsgeschichte erst das zweite Mal in der Landesliga. Es wäre schön gewesen, hätten wir so einen Moment auf dem Platz feiern können.“ Den Stolz über das Erreichte mindert das jedoch keineswegs. Deshalb holen am Samstag Trainer, Betreuer und Spieler die Aufstiegs-Sause im kleinen Rahmen im Klubhaus nach. „Die Spieler haben sich was überlegt, ich war in die Planung nicht involviert“, sagt Müller schmunzelnd.

Die Planung für die kommende Saison steht bereits. Seit mehreren Wochen befinden sich die Teutonen wieder im „lockeren Training“, nun arbeite der Neuling an der nötigen Fitness. Denn für den Trainer ist die Ausgangslage klar. „Fußballerisch werden viele Mannschaften besser sein, aber wir werden nach der Vorbereitung topfit sein und müssen jedes einzelne Spiel mit Motivation und Leidenschaft angehen.“ Der Kader bleibt qualitativ nahezu unverändert – bis auf Mittelfeld-Ass Robin Wolf, der nach Nettetal in die Oberliga wechselt. „Wir haben fünf, sechs Neuzugänge, die den Kader ein bisschen verbreitern“, ergänzt Müller: „Spieler aus der Landesliga oder höheren Ligen können wir uns nämlich nicht leisten.“ Momentan überwiegt bei Müller, der nach dem Aufstieg in die Bezirksliga 2018 nun seinen zweiten großen Triumph als Cheftrainer der Teutonia feiert, aber noch die Freude. „Wir sind stolz darauf, Landesligist zu sein. Selbst, wenn es nächstes Jahr wieder runtergeht, das kann uns keiner mehr nehmen.“