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Teutonia Kleinenbroich in der Landesliga gegen den SC Kapellen

Fußball-Landesliga : Ein Derby, das nicht wirklich eines ist

Der SC Teutonia Kleinenbroich empfängt in der Fußball-Landesliga seit Ewigkeiten mal wieder den SC Kapellen. Beide Mannschaften sind mit komplett anderen Zielsetzungen in die Spielzeit gestartet.

Der SC Teutonia Kleinenbroich und der SC Kapellen sind zwei von drei Mannschaften aus dem Rhein-Kreis Neuss, die in der Fußball-Landesliga aktiv sind. Doch anders als wenn Kapellen auf den dritten Kreisvertreter Holzheimer SG trifft, fiebern Spieler und Fans beider Vereine nicht schon tagelang vorher darauf hin, wenn der Spielplan ein direktes Aufeinandertreffen vorsieht. So wie am Sonntag (15 Uhr), wenn Aufsteiger Kleinenbroich die ambitionierten Kapellener zu Gast hat.

„Einen richtigen Derbycharakter hat die Partie für uns nicht“, sagt Björn Linvondeberg, der in den beiden vergangenen Wochen das Training leitete, weil Chefcoach Norbert Müller urlaubte. „Lokalduelle stehen für uns eher gegen Mönchengladbacher Teams an, so wie nächste Woche gegen Giesenkirchen.“ Die Orientierung nach Mönchengladbach ist leicht zu erklären. Zwar gehören die Kleinenbroicher wie Kapellen politisch zum Rhein-Kreis Neuss, doch aus sportlicher Sicht sind sie Teil des Fußballkreises Mönchengladbach/Viersen. Das ist auch ein Grund dafür, wieso es in der Vergangenheit zwischen den beiden Klubs sehr wenig Berührungspunkte gab. Wenn die Teutonen auf Kreisliga-Niveau kickten, gab es keine Chance auf die Erftstädter zu treffen und wenn dann doch mal der Aufstieg in die Bezirksliga gelang, ging’s allenfalls mal gegen die Reserve des SCK.

Das bislang letzte Mal in der Saison 2012/2013, als die Kleinenbroicher das Rückspiel auf eigenem Platz mit 1:0 gewannen, am Ende aber dennoch abstiegen. Der über viele Jahrzehnte zementierte Leistungsunterschied zwischen den Erstvertretungen beider Mannschaften war ebenfalls ein Grund dafür, wieso sich mit Blick auf diese Paarung keine Rivalität und damit Brisanz entwickeln konnte. Bis zur überraschenden Landesliga-Rückkehr in diesem Jahr gelang es den Kleinenbroichern das letzte Mal in der Spielzeit 1978/1979, sich mit ihrer ersten Mannschaft auf Augenhöhe mit dem SCK zu bewegen. Auch damals war Teutonia Aufsteiger, musste am Ende der Saison aber wieder auf die Bezirksebene zurückkehren, während die Kapellener sich stetig weiterentwickelten und später sogar in die Verbandsliga aufstiegen.

Bei den Partien gegen Kleinenbroich in der 1970er Jahren auf Seiten des SCK dabei war Norbert Rösgen. „So weit ich mich erinnern kann, haben wir beide Spiele gewonnen. Aber ein Derby war das damals für uns nicht. Auch heute gibt es bis in die Jugend keine besondere Rivalität. Fußballerisch ist das für uns ein fremdes Gebiet“, erklärt der ehemalige SCK-Kicker. Das bestätigt auch Kapellens Trainer Jörg Ferber als Vertreter der aktuellen Generation. Er geht sogar so weit, dass er den Kleinenbroichern den Klassenverbleib wünscht, allerdings mit einer Einschränkung: „Die Teams aus dem Neusser Raum müssen zusammenhalten, aber das direkte Duell wollen wir natürlich unbedingt gewinnen.“

So ergibt sich die Bedeutung des Aufeinandertreffens am Sonntag also nicht aus einer historischen Rivalität, sondern aus den individuellen Gegebenheiten. Während die Kleinenbroicher mit ihren bescheidenen Mitteln schon über den Klassenverbleib jubeln würden, wollen die Kapellener trotz eines Umbruchs im Sommer vorne mitspielen. Und beide Mannschaften hinken ihren jeweiligen Ansprüchen noch hinterher. Mit sieben Punkten hat der SCK bereits fünf Zähler Rückstand auf die beiden ersten Tabellenplätze und Kleinenbroich wartet mit zwei Punkten aus vier Spielen nicht nur auf den ersten Sieg, sondern auch noch auf das erste Saisontor. „Wenn uns das endliche gelänge, wäre das bestimmt eine Art Dosenöffner“, meint Co-Trainer Björn Linevondeberg. Stand jetzt soll Norbert Müller rechtzeitig aus dem Urlaub zurückkehren, damit er gegen Kapellen wieder dabei ist. Auf jeden Fall dabei ist Jörg Ferber, der mit einem eher defensiven Gegner rechnet: „Da sind wir gefordert. Lösungen zu finden, um die Punkte mit nach Hause zu nehmen.“ Ganz egal, ob richtiges Lokalduell oder ganz normales Meisterschaftsspiel.