Tennis: Tenniswelt trauert um Elu Hansmann

Tennis: Tenniswelt trauert um Elu Hansmann

Mehr als drei Jahrzehnte prägte Ernst-Ludwig Hansmann das Tennisgeschehen beim TC Blau-Weiss Neuss. Gestern ist der Mäzen und Macher, der zehn Deutsche Meistertitel zur Jahnstraße holte, in seinem Domizil auf Mallorca verstorben.

In fünf Wochen startet der TC Blau-Weiss Neuss in seine 34. Spielzeit in der Tennis-Bundesliga. Es wird die erste sein, in der Ernst-Ludwig Hansmann nicht wenigstens im Hintergrund die Strippen zieht: Der Mäzen und Macher, der Mann, der mit Geld und Geschick zehn Deutsche Mannschaftsmeistertitel an die Jahnstraße holte, der die Neusser Sportgeschichte drei Jahrzehnte prägte und gestaltete wie kaum ein anderer, ist gestern im Alter von 76 Jahren an seinem Zweitwohnsitz auf Mallorca verstorben.

Foto: Woitschützke, Andreas (woi)

Am Freitag war er, sichtlich gezeichnet von all den Krankheiten, gegen die er in den vergangenen Jahren angekämpft hatte, in seine zweite Heimat geflogen. Zum Bundesliga-Start am 29. Juni wollte Ernst-Ludwig Hansmann, den in Tennisszene und Freundeskreis alle nur "Elu" nannten, wieder zurück sein. Jetzt werden sie ohne ihn auskommen müssen bei dem Klub, den er mit seinem Geld und seinen Beziehungen, aber vor allem mit seiner bescheidenen, menschlichen und sympathischen Art zu einer der ersten Adressen in Tennis-Deutschland machte.

Foto: Woitschützke, Andreas (woi)

"Das ist ein Schock", sagt Dietmar Skaliks. Der Teamchef des Bundesligateams hatte sich in der vergangenen, seiner ersten Saison in dieser Funktion, immer wieder Rat bei Elu Hansmann geholt. Nicht nur deshalb "werden wir ihn vermissen", sagt Skaliks, "wir werden diese Spielzeit seinem Andenken widmen." Hansmann hätte das gefreut, auch wenn er jedes Aufheben um seine Person scheute. Bei den Meisterfeiern blieb er stets im Hintergrund, er kokettierte nie damit, dass ihm einst das gesamte deutsche Daviscup-Team "gehörte". Und mit seinem erstaunlichen Werdegang, der ihn vom winzigen Lebensmittelgeschäft in Selikum über den ersten "Cash&Carry-Markt" an der Kölner Straße bis zum Herrn über das gesamte Imperium der Famka-Märkte führte, hat Hansmann nie geprahlt.

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Er hat ihn nur genutzt, um "seinem" Tennisverein den Weg an die Spitze zu ebnen, dabei aber auch den Nachwuchs ebenso wie die Seniorenmannschaften unterstützt, in denen er selbst lange mitspielte. Wobei er sich nicht nur ein paar Stars vom Kaliber eines Andreas Maurer, Michael Westphal, Marc-Kevin Göllner oder Rafael Nadal "kaufte" - Elu Hansmann war, solange Bundesligateams noch keine reinen Reisemannschaften waren, stets väterlicher Freund und schärfster Kritiker seiner Spieler zugleich. So ist er eigentlich mit jedem umgegangen, den er näher kannte. Hansmann sagte deutlich seine Meinung, doch er hörte auch zu. Und er fragte manchen um Rat, der gar nicht damit rechnete.

Dass er sich in den vergangenen Jahren immer rarer machte, längst nicht mehr alle Bundesliga-Partien von seinem Stammplatz auf der Kopftribüne verfolgte, lag auch an seiner angegriffenen Gesundheit. Aber auch damit ging Elu Hansmann nie hausieren - mochte er selbst gerade vom längeren Krankenhausaufenthalt zurückgekehrt sein, stets lautete seine erste Frage: "Und wie geht es Dir?"

Solche Menschen sind selten geworden in einer Zeit, in der dieMasse der flüchtigen Kontakte mehr zu zählen scheint als der verantwortungsbewusste Umgang miteinander. Deshalb trauern um Ernst-Ludwig Hansmann auch jene, die nie einen Tennisball übers Netz spielten.

(NGZ)
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