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Tennisvereine starten in die Medensaison 2020

Tennis : Ohne Corona-Beauftragten keine Medenspiele

Der oder die Corona-Beauftragten dürften in diesem Jahr die wichtigsten Leute in den Tennisklubs sein. Denn ohne sie darf kein Team in der Medensaison antreten. 75 Prozent der gemeldeten Mannschaften am Niederrhein nehmen ab kommender Woche trotzdem den Spielbetrieb auf.

Beim Korschenbroicher Tennisclub hatten sie dieser Medensaison besonders entgegen gefiebert. Denn der KTC, mit 500 Mitgliedern einer der größten Klubs im Bezirk Linker Niederrhein, wäre erstmals in seiner Vereinsgeschichte mit zwei Mannschaften in der Regionalliga aufgelaufen.

Jetzt ist alles anders. Während die Herren 55 am Fronleichnamstag (11. Juni) gleich den mit ehemaligen Top-Spielern wie Anders Jarryd und Jeremy Bates besetzten Gruppenfavoriten Sportpark Rheinbach auf ihrer Anlage an der Donatusstraße erwarten, haben die ebenfalls in die dritthöchste Spielklasse aufgestiegenen Damen 50 ihr Team abgemeldet. „Leider“, wie Mannschaftsführerin Esther Kniebaum-Nick, im vergangenen Jahr zu Korschenbroichs „Sportlerin des Jahres“ gewählt, zugibt.

„Die schwierigen Umstände im Zuge der Corona-Krise, aber auch die Verlegung der Spieltermine von Mai/Juni in den Spätsommer, in dem viele in Urlaub fahren, haben bei uns zu einer Reihe von Rückzügen geführt,“ sagt Arnd Huth, Vorstand Öffentlichkeitsarbeit beim KTC. Die Korschenbroicher/innen befinden sich dabei in guter Gesellschaft: Ein Viertel der Mannschaften, die für die in der kommenden Woche startende Medensaison gemeldet hatten, haben sich beim Tennisverband Niederrhein (TVN) abgemeldet. Umgekehrt, findet Klaus Molt, wird ein Tennis-Schuh daraus: „Das heißt, dass 75 Prozent der Mannschaften aktiv an der Übergangssaison teilnehmen,“ stellt der Pressereferenz des TVN fest.

Auf was sie sich dabei einlassen, weiß keiner so genau. „Es gibt viele Unwägbarkeiten,“ sagt Bernhard Rüsing, Geschäftsführer beim TC Blau-Weiss Neuss. Zwar dürfte nach der aktualisierten Corona-Schutzverordnung des Landes Umkleiden und Duschen bei Gastspielen ebenso wieder möglich sein wie die Verpflegung im Klubhaus. Die Frage ist, ob das in allen Klubs auch so umgesetzt wird. Fakt ist: „Verpflichtend für die Teilnahme an der Übergangssaison 2020 ist die Benennung eines Corona-Schutzbeauftragten. Dieser muss der Geschäftsstelle des TVN bekannt gemacht werden,“ heißt es in der neuesten Mitteilung des Tennisverbandes. Der oder die Beauftragte hat darauf zu achten, dass Abstandsregeln und Hygienekonzepte – der TVN hat ein Musterkonzept für alle Vereine den Gesundheitsämtern in seinem Verbandsgebiet vorgelegt – eingehalten werden.

Das Sportliche gerät dabei in den Hintergrund. Weshalb TVN-Präsident Dietloff von Arnim auch von einer „Übergangssaison“ spricht, in der es keine Absteiger gibt – auch zurückgezogene Mannschaften behalten ihre Ligazugehörigkeit bei. Trotzdem gehen einige Teams durchaus mit Ambitionen in die Spielzeit, die je nach Altersklasse ab kommenden Dienstag startet. „Unsere Herren 70 in der Niederrheinliga, unsere zweiten Herren und unsere Damen, die beide in der 2. Verbandsliga spielen, hatten sich eigentlich den Aufstieg als Saisonziel gesetzt,“ sagt Bernhard Rüsing. Die Betonung liegt auf „eigentlich“, denn „wir wissen ja nicht genau, wer von den gemeldeten Spielerinnen und Spielern tatsächlich aufläuft – weder bei uns und schon gar nicht bei den Gegnern,“ sagt der BW-Geschäftsführer. So haben die blau-weissen Herren Matthew Dellavedova an Position eins gemeldet, der seit Jahren den Sommer in Neuss verbringt. Doch ob der Australier einreisen darf und will, ist eines der vielen Fragezeichen, die es in dieser Übergangssaison gibt.

„In erster Linie sind wir froh, dass wir überhaupt wieder Tennis spielen dürfen,“ sagt Henning Pauwels, der neue Vorsitzende des Tenniskreises Neuss. Und spricht damit sicherlich den 92.963 Aktiven im Tennisverband Niederrhein aus dem Herzen.