Tennis : Ein Derby der verpassten Möglichkeiten

Beim 2:4 gegen den Lokalrivalen Rochusclub Düsseldorf wäre für den Tennis-Bundesligisten TC BW Neuss am Sonntag so viel mehr drin gewesen.

Hätte, hätte Fahrradkette! Hätte Tennis-Bundesligist TC BW Neuss vor einer Woche beim 3:3 gegen Aachen nicht in den Doppeln eine 3:1-Führung verspielt. Und hätte es im Derby gegen den schwächelnden Rochusclub Düsseldorf am Sonntag den durchaus möglichen Heimsieg gegeben, wäre Blau-Weiß mit dem Thema Abstieg jetzt schon durch. Stattdessen steckt der Rekordmeister nach der 2:4-Niederlage wieder mittendrin im schönsten Schlamassel. Die verpasste Chance grämte den Neusser Vorsitzenden Abraam Savvidis sehr, hatte er sich doch viel mehr ausgerechnet. Obwohl die Gäste ihr Team für dieses richtungweisende Duell kräftig aufgepeppt hatten, sah seine Rechnung so aus: „Wenn es normal läuft, geht es 3:3 aus. Wenn es gut läuft, gewinnen wir.“       

Dass die Hausherren vor den Augen von Bürgermeister Reiner Breuer dann tatsächlich mit einem 1:3-Rückstand aus den vier Einzeln kommen, wäre gar nicht nötig gewesen. Denn wirklich ohne Chance war nur der Slowake Martin Kližan beim glatten 2:6, 2:6 gegen den Spanier Roberto Carballés Baena. Allerdings hatte die Neusser den nur ganz schwer einzuschätzenden Linkshänder, der seit 2007 für die slowakische Davis-Cup-Mannschaft spielt und 2015 mal auf Position 24 der ATP-Weltrangliste stand, ohnehin nicht auf ihrer (Sieg-)Rechnung gehabt. „Da hätten wir auch eine Münze entscheiden lassen können, wer zu diesem Duell antritt“, sagte Trainer Clinton Thomson frei heraus.

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Anders sah die Sache in den anderen Partien aus. So war ein Erfolg von Renzo Olivo über den jungen Henri Squire eigentlich schon eingeplant. Der 20-Jährige hatte in Düsseldorf lange unter der Obhut von Trainer Marius Zay gestanden. „Und vor zwei, drei Jahren hätten wir ihn sehr gerne nach Neuss geholt“, verriet Savvidis. Letztlich entschied sich der lange Schlaks aber für das bessere Angebot des Rochusclubs. Wie der Russe Teymuraz Gabashvili ist er in dieser bislang so holprigen Saison in Dauerschleife für das Team aus der Landeshauptstadt im Einsatz. Bis Sonntag war er in vier Begegnungen aufgelaufen (Einzelbilanz 1:3-Siege, Doppel 1:3), Gabashvili (Einzel 3:2, Doppel 2:3) sogar in allen fünf.

Im Champions-Tiebreak sah der in Neuss beschäftigte Italiener, der Satz Nummer eins zwar mit 3:6 verloren, den zweiten Durchgang aber mit 6:4 gewonnen hatte, beim 8:5 schon wie der Sieger aus, ließ seinen mutigen Kontrahenten aber noch mal ins Match zurück. Squire, der in dieser Saison noch keinen Champions-Tie-Break für sich entschieden hatte, holte sich mit seinen krachenden Aufschlägen noch den Sieg (11:9). Auch für Botic Van de Zandschulp wäre gegen den im internationalen Ranking deutlichen besser platzierten Spanier Pablo Andújar Alba mehr drin gewesen. Nach locker mit 6:3 gewonnenem ersten Satz schlichen sich jedoch Fehler ins Spiel des Niederländers ein. Der abgezockte Andújar witterte seine Chance, glich mit 6:1 nach Sätzen aus und holte sich schließlich auch den Champions-Tie-Break. Thomsons Kommentar: „Botic ist halt Botic!“

Die von Roberto Marcora mit seinem hart erkämpften Erfolg über den Russen Teymuraz Gabashvili am Leben gehaltene Hoffnung auf einen Punkt ließ er indes zu keiner Sekunde fahren. Mit Blick auf die Paarungen Botic Van de Zandschulp/Renzo Olivio und Martin Kližan, dem Zay den unverwüstlichen und im Doppel immer noch extra starken Dänen Frederik Nielsen (37) an die Seite gestellt hatte, merkte er optimistisch an. „Da tun sich sehr interessante Möglichkeiten auf.“

Und es hätte tatsächlich noch klappen können mit dem im Abstiegskampf so enorm wertvollen Punktgewinn: Nach der von einem Regenschauer verlängerten Pause hielten Van de Zandschulp/Olivio Carballés Baena/Andújar mit 6:2 und 7:5 nieder, Kližan/Nielsen nahmen Squire/Gabashvili den ersten Satz mit 6:2 ab. Dann jedoch ging nicht mehr viel, nach dem 0:6 im zweiten Durchgang musste abermals der Champions-Tie-Break entscheiden. In dem gerieten die Neusser schnell mit 1:5 ins Hintertreffen, robbten sich zwar noch einmal auf 5:7 und 7:9 heran, zogen nach dem 7:10 aber traurig von dannen. „Der Champions-Tie-Break war heute wirklich nicht unser Freund“, haderte Savvidis. Botic Van de Zandschulp fasste die aufregende Partie zusammen: „Bud Luck! Pech!