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Tennis: Das Bundesliga-Team des TC BW Neuss 2021 steht

Tennis : Bundesliga-Team des TC BW Neuss steht

Am Montag endete die Meldefrist fürs Personal. In seine 38. Saison im Tennis-Oberhaus geht der Aufsteiger mit einem sehr interessanten Kader.

Wer nicht mit dem Scheckheft wedeln kann, muss andere Wege finden, eine auch fürs eigene Publikum attraktive Mannschaft zusammenzustellen. So wie der TC Blau-Weiß Neuss, bei dem Teamchef Marius Zay bis zum Meldeschluss für den Bundesliga-Kader am Montag praktisch jeden Stein umgedreht hat, immer auf der Suche nach einem von der zahlungskräftigeren Konkurrenz bislang unentdeckten Topmann. Und der 38-Jährige ist vom Erfolg seiner Mission absolut überzeugt, sieht Blau-Weiß personell gut aufgestellt in einer Liga, „in der du keine Mannschaft hast, wo du sagen kannst: ‘das ist ein gebuchter Sieg.’ Und so sieht auch uns niemand. Uns wird keiner unterschätzen.“

Angeführt wird seine Mannschaft von Benjamin Bonzi. Der Franzose, 126. der ATP-Weltrangliste, stand schon vor der wegen Corona abgesagten Saison 2020 unter Vertrag – und passt genau ins Beuteschema des Rekordmeisters: Als er vor einem Jahr in Neuss unterschrieb, „belegte er einen Platz um die 300“, erinnert sich Zay, der davon ausgeht, „dass er zum Start der Bundesliga unter den Top 100 steht, denn er kann bis dahin punktemäßig nur noch zulegen.“ Trotzdem band er sich wieder an Neuss und tritt damit in die Fußstapfen eines Botic van de Zandschulp, der an der Jahnstraße schon in seine fünfte Saison geht. Auch für den an Nummer drei eingeplanten Niederländer, dessen Sprung unter die besten 100 Tennisprofis in der Welt nur noch eine Frage der Zeit ist, regiert Geld nicht die Welt. Zay: „Wenn er mir sagt, dass sich für ihn die Fahrt nach Neuss wie nach Hause kommen anfühlt, freut mich das sehr, bestätigt mich das doch in meiner Philosophie, nicht nur aufs Finanzielle zu setzen.“

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Weil ihm und seinen Mitstreitern ein guter Draht zum aktiven Personal wichtig ist, kommt er über Kontakte auch an Klassespieler wie Nikola Milojevic ran. Der 25-Jährige, mit Serbien Gewinner des ATP-Cups, kann als Trainingspartner einen gewissen Novak Djokovic, Erster der aktuellen Weltrangliste, vorweisen. In Neuss soll er an Nummer zwei für Punkte sorgen.

Ein gutes Netzwerk erlaubt es dem Neusser Teamchef, sich ohne den Umweg über oft lästige Spielerberater direkt an interessante Profis zu wenden. So wagte er sich nach Gesprächen mit Benjamin Bonzi und dessen Freund Constant Lestienne sogar an Ugo Humbert heran. Um den international an Position 34 geführten Franzosen kämpfte er verbissen, holte sich am Ende jedoch einen Korb, weil die deutsche Eliteklasse nicht in den Karriereplan des 22-Jährige fällt. Ganz anders sieht das bei Thomas Fabbiano, der 2019 durch seinen Sieg in der zweiten Runde der US Open über den Ranglistenvierten Dominic Thiem auf sich aufmerksam machte, aus. Der Italiener spielte mit dem TC Weilheim schon am Rhein, holte wichtige Punkte im Kampf um den Klassenverbleib. Und weil ihm die Bundesliga am Herzen liegt, erkundigte er sich bei seinem neuen Teamchef nicht nur über die angestrebten Saisonziele, sondern empfahl ihm auch noch die Verpflichtung seines ebenfalls in Weilheim aktiven Spezis Luca Vanni. Zay holte beide. „Aus einem Bauchgefühl“ heraus, sagt er. Zur starken italienischen Fraktion in Neuss gehören auch Renzo Olivo, in dessen Vita unter anderem Siege über Jo-Wilfried Tsonga, Philipp Kohlschreiber, Alexander Bublik und Casper Ruud stehen, Roberto Marcora und Filippo Baldi, den der im Stadionviertel immer noch sehr geschätzte Filippo Volandri angepriesen hatte.

Ein bisschen ins Risiko ist Zay bei Martin Klizan gegangen. Einerseits hängen die „Skalps“ von Topleuten wie Gaël Monfils, Roberto Bautista Agut, Dominic Thiem und Stan Wawrinka sowie mehrere Trophäen auf der ATP-Tour am Racket des Slowaken, andererseits gilt die ehemalige Nummer 24 der Weltrangliste als launisch. Doch Zay schätzt seine Fähigkeiten. „Er ist ein sensationeller Spieler, gerade im Doppel. Und wenn er irgendwo funktioniert, dann bei uns.“

Der Teamchef der Blau-Weißen steht halt auf außergewöhnliche Typen. In diese Kategorie fällt unbedingt auch Javier Barranco Cosano. Der Aufritt des Spaniers im letzten Spiel 2019 beim favorisierten TC Bredeney-Essen ist mittlerweile Legende: An der Seite von Niels Lootsma holte er im Doppel nach einem 2:6-Rückstand im Champions-Tiebreak den entscheiden Punkt zum 5:4-Sieg und machte damit die sensationelle Rückkehr ins Oberhaus erst perfekt. „So einen Mann nur in der Kabine zu haben, ist schon Gold wert“, sagt BW-Vorsitzender Abraam Savvidis fast schwärmerisch. Als Autoritätsperson, Ratgeber und Doppel-Ass kaum zu eretzen ist der Däne Frederik Nielsen.