Tennis-Bundesligist BW Neuss verliert in Weinheim

Neuss: Da war mehr drin für Blau-Weiss Neuss

Verletzung von Adrian Ungur kostet Wiederaufsteiger in die Tennis-Bundesliga möglichen Punktgewinn in Weinheim.

Punkt 17.02 Uhr am Freitagnachmittag war er ausgeträumt, der Traum vom ersten Sieg nach dem Wiederaufstieg in die Tennis-Bundesliga für den TC Blau-Weiss Neuss. Da hatte nämlich Uladzimir Ignatik das Spitzeneinzel in der Partie beim TC Weinheim mit 5:7, 3:6 gegen den Australier John Millmann verloren.

Doch es lag nicht an dem Weißrussen, dass der Bundesliga-Rekordmeister mit einem 1:3-Rückstand aus den Einzeln kam. Es lag an einer schier unglaublichen Fortsetzung jenes Verletzungspechs, dass die blau-weisse Wunschformation für das erste Auswärtsspiel der Saison schon im Vorfeld hatte platzen lassen (die NGZ berichtete). Denn im zweiten Satz seiner Partie gegen Luca Vanni zog sich Adrian Ungur eine Dehnung in der Oberschenkelmuskulatur zu. Bitter, denn der Rumäne hatte die Weinheimer Nummer drei im ersten Satz „klar beherrscht. Im zweiten Satz konnte er dann nicht mehr richtig laufen und hat alles auf den Champions-Tiebreak gesetzt“, kommentierte Teamchef Marius Zay den Zwischenstand von 6:4, 1:6 aus Neusser Sicht.

Im Champions-Tiebreak hatte Ungur trotz seines Handikaps zwei Matchbälle, führte mit 10:9, um schließlich noch 10:12 zu verlieren. „Ohne Verletzung hätte er das Ding klar gewonnen“, ärgerte sich Zay – um so mehr, als Vanni in der entscheidenden Phase und auch beim Siegpunkt von drei Netzrollern profitierte. Weil Vaclav Safranek beim 2:6, 2:6 gegen den Italiener Thomas Fabbiano „ohne wirkliche Chance“ war, blieb es bei einem Sieg in den Einzeln. Für den sorgte Mate Valkusz, der Frank Wintermantel mit 2:6, 6:4, 11:9 niederrang. Auch wenn er im Match-Tiebreak nach einer 5:1- und 9:5-Führung noch einmal in die Bredouille geriet, attestierte Marius Zay dem Ungarn „ein wirklich gutes Match.“

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Allzu große Hoffnungen auf einen Punktgewinn machte sich der Neusser Teamchef nicht mehr zu diesem Zeitpunkt: „Da muss schon alles super gut laufen für uns.“ Was es in den Schlussdoppeln anfänglich auch tat aus Sicht der Gäste. Frederik Nielsen, am Vortag in Wimbledon im Halbfinale des Doppelwettbewerbs ausgeschieden und von London aus direkt zum Match in Weinheim eingeflogen, und Mate Valkusz setzten sich gegen Thomas Fabbiano und Frank Wintermantel im ersten Satz mit 6:4 durch. Da hatte auf dem anderen Platz die Verlegenheitspaarung Uladzimir Ignatik und Vaclav Safranek ihren Auftaktsatz gegen John Millmann und Luca Vanni bereits mit 6:2 für sich entschieden.

Plötzlich schien der erste Punktgewinn nach dem Bundesliga-Aufstieg möglich für die aufgrund der Personalsituation als Außenseiter angereisten Neusser. Was folgte, war ein irrer Krimi, der sich über mehr als sechseinhalb Stunden bis in den Freitagabend hinzog. Und in dem die Blau-Weissen am Ende doch den Kürzeren zogen. Während Ignatik/Safranek ihren Rhythmus beibehielten und punkt 19.15 Uhr mit dem 6:2, 6:4 den zweiten Zähler für die Gäste einfuhren, zeigten Nielsen/Valkusz plötzlich Nerven. Im zweiten Satz gaben sie eine 5:3-Führung aus der Hand, verloren schließlich mit 6:7 und mussten in den Champions-Tiebreak. Und in dem war es dann endgültig vorbei mit der Neusser Doppel-Herrlichkeit: Thomas Fabbiano und Frank Wintermantel übernahmen mit dem 2:0 schnell das Kommando und gaben die Führung bis zum 10:5 nicht mehr aus der Hand – punkt 19.21 stand der zweite Saisonsieg für den TC Weinheim auf der Anzeigetafel.

Der die Blau-Weissen in der zweiten Partie des Doppelspieltags, die am Sonntag bereits um 10 Uhr beim Kölner HTC Rot-Weiss beginnt, unter Zugzwang. Denn gemeinsam mit Mitaufsteiger TV Reutlingen (verlor 1:5 bei Titelverteidiger BW Halle) sind die Neusser allein noch sieglos. Freilich haben auch die Gastgeber, die am Freitag auf heimischer Anlage trotz Bestbesetzung nicht über ein 3:3 gegen den Gladbacher HTC hinauskamen, erst einen Zähler auf dem Konto. „Wir sind auch da Außenseiter, aber wir werden auch da kämpfen“, verspricht Zay, der noch nicht genau weiß, welche Formation er aufbieten kann.

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