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Tennis-Bundesligist BW Neuss hat auch ohne dickes Portemonnaie Erfolg

Tennis : Wenn Teamgeist schnöden Mammon schlägt

Nach fünf Spieltagen steht Tennis-Bundesligist TC BW Neuss mit ausgeglichener Bilanz auf Rang fünf. Doch trotz der in Krefeld kampflos ins Netz gegangenen Punkte hat das wenig mit Glück, sondern ganz viel mit harter Arbeit zu tun. 

Das Szenario wirkt irgendwie unwirklich: Der HTC Blau-Weiß Krefeld, Gründungsmitglied der Tennis-Bundesliga und vor zwei Jahren Dritter der Abschlusstabelle, nur auf Platz acht, punktgleich mit Kurhaus Lambertz Aachen (beide 3:7), zwischen 2008 und 2013 fünfmal Deutscher Meister. Der exklusiv Rochusclub Düsseldorf als Neunter des Tableaus sogar auf einem Abstiegsplatz. Alle hinter dem TC BW Neuss, mit zehn Titeln zwar immer noch Rekordmeister, aber vor der dann abgesagten Saison 2020 gerade erst mal wieder ins Oberhaus zurückgekehrt.

Nach 5:5-Punkten aus den ersten drei Spielwochenenden macht den Überraschungsaufsteiger von 2019 mittlerweile selbst ein 3:3 gegen Aachen nicht mehr restlos glücklich. Schließlich hatte Blau-Weiss am Sonntag nach den vier Einzeln noch mit 3:1 geführt. Absolut nachvollziehbar also, dass der Vorsitzende Abraam Savvidis hinterher von einem liegen gelassenen Punkt sprach. „Mit dem Unentschieden ist es nur zu dem gekommen, womit wir nach dem Blick auf die Aufstellungen gerechnet hatten.“

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Dass die finanziell – vor allem in der Corona-Krise – nach wie vor nicht wirklich üppig ausgestatteten Neusser in dieser Saison tatsächlich mit allen Konkurrenten mithalten können, sei, möchte Savvidis gerne festgehalten wissen, vor allem das Verdienst der beiden gleichberechtigten Trainer und Teamchefs Marius Zay und Clinton Thomson. „Sie werden oft unterschätzt, können aber strategisch denken und kalkulierten schon bei der Zusammenstellung des Kaders ein, wer für uns wie, wann und wo spielen kann.“

Möglich macht das ein gewaltiges und intensiv gepflegtes Netzwerk. „Sie kennen selber viele Profis und deren Freunde, nicht selten Spieler, die bei uns unter Vertrag stehen oder gestanden haben“, fährt der Vorsitzende fort. Zu wissen, wie das international tätige Personal tickt, ist für die mit kleinerem Budget operierenden Vereine wie Blau-Weiß Neuss besonders wichtig. „Denn wir haben keine Ersatzspieler. Sagt uns einer der Jungs am Spieltag plötzlich ab, stellt uns das vor riesige Problem“, sagt Savvidis. Die Kunst sei darum, Spieler zu finden, für die die Freude, in einem Team erfolgreich Tennis zu spielen, vielleicht sogar mehr zähle als ein paar Euro mehr im Portemonnaie. „Denn genau das ist es ja, was uns als Verein antreibt. Ich mache die Arbeit doch viel lieber für einen Spieler, von dem ich weiß, dass er genauso denkt.“

Darüber hinaus haben die beiden in der sportlichen Verantwortung stehenden Freunde an der Jahnstraße eine familiäre Atmosphäre geschaffen, in der sich die aus dem Koffer lebenden Profis zu Hause fühlen können. So gefiel es dem im norditalienischen Busto Arsizio geborenen Roberto Marcora am Rhein so gut, dass er am Sonntag beim glatten Zweisatzsieg über den in der ATP-Weltrangliste deutlich besser platzierte Franzosen Antoine Hoang „mein bestes Spiel seit anderthalb Jahren“ ablieferte. „Es tat richtig gut, einen Trainer auf der Bank zu haben und eine Mannschaft, die dich unterstützt.“ Genau dieses gute Gefühl, diesen Spirit „nehmen die Jungs dann mit auf die Turniere“, sagt Thomson. Als wahrer Entertainer entpuppte sich der Franzose Constant Lestienne beim Mannschaftsabend vor dem Match gegen Aachen. Thomson schmunzelnd: „Seine Kartentricks sind echt professionell.“

Ähnliches Geschick wird Blau-Weiss auch im längst noch nicht entschiedenen Abstiegskampf brauchen. „Das wird eng“, mahnt Savvidis. „Viele der etablierten Mannschaften geben jetzt richtig Gas.“